Samuel Adams/Weihenstephan – Infinium

Im Rahmen des ersten Treffens des „Genuss – Stammtisch“, blieb es nicht bei der Verkostung von New Make, Overproofed Obstbränden und Wein von 1929, sondern es fand auch ein spezielles Bier den Weg an unseren Gaumen.

Es handelt sich hierbei um „INFINIUM“. Ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Brauerei Samuel Adams und der Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan. In zweijähriger Entwicklungszeit  begaben sich die beiden Brauereien, laut Prof Dr. Josef Schrädler, Direktor von Weihenstephan, gemeinsam auf eine „beispiellose Reise in der Bierwelt“. Die Grenzen des deutschen Reinheitsgebot sollten ausgereizt werden und ein geschmacklich einmaliges, champagnerartiges Bier geschaffen werden. Das ehrgeizige Ziel des Projektes war, nicht mehr und nicht weniger, als „Die Neuerfindung des Bieres“.

Das Bier wird für den stolzen Preis von 15€, in optisch sehr ansprechenden, Champagnerflaschen verkauft. Man merkt, dass wirklich viel Wert darauf gelegt wurde die Authentizität einer Champagnerflasche zu wahren.  So ist nicht nur der Korken gebranded, sondern das Bier besitzt auch eine stilechte Agraffe und eine eigene Weihenstephan Capsule. Ein weiteres Schmankerl ist, dass die Flasche bedruckt ist und so auf ein übliches Papieretikett verzichtet werden kann. Chapeau! Für mich die bisher schönste Flasche für champagnerartiges Bier.

Aber selbst die schönste Flasche muss geöffnet werde und so schritt ich zu Werke:

Samuel Adams/Weihenstephan – Infinium

Hier gab es leider die erste Enttäuschung und zwar hatte das Bier bzw. der Schaum arg mit seiner Standfestigkeit zu kämpfen. Bevor das vierte Glas eingeschenkt war, hatte das erste bereits seinen kompletten! Schaum verloren und sah dadurch schal aus. Schade, denn an diesem Eindruck können auch die speziellen Infinium-Gläser nichts mehr ändern.

Samuel Adams/Weihenstephan - Infinium

Samuel Adams/Weihenstephan – Infinium (mit wenigstens noch etwas Schaum)

Parallel zum Bier wurde eine wundervoll geschmorte Lammkeule gereicht, so dass die Verkostung beginnen konnte:

Farbe: bernstein, golden, 10 EBC-Farbeinheiten (Quelle: Weihenstephan)

Nase: gerösteter Hopfen, Lakritz, Ale, Hefe, Karamell

Gaumen: Lakritz, malzig, süß, feinperlige Kohlensäure, Ähnlichkeiten zu Doppelbock

Abgang: leicht bitter, Citrus, Brot

Mein Fazit: Die feinperlige Kohlensäure sorgt für das gewisse Champagnerfeeling, ist jedoch vermutlich auch für die miserable Haltbarkeit der Schaumkrone verantwortlich. Sie sorgt für ein angenehmes Mundgefühl beim Trinken und unterstützt die malzigen, süßen Aromen des Bieres am Gaumen. Während das Bier vom Geruch an ein Ale erinnert, schmeckt es eher nach einem Doppelbock. Nicht verwunderlich wenn man die hohe Stammwürze von 20,0 % Gew. betrachtet (Bockbier ab 16,0 % Gew.). Die 10,5 % Vol. des Bieres unterstützen den kräftigen Charakter gut und regen zu einem, langsamen, genussvollen Trinken an.

Wie bereits erwähnt, genossen wir das Bier zu einer geschmorten Lammkeule (mit Kartoffeln). Gerade diese Paarung war spannend, da ich zur Lammkeule nicht unbedingt einen Wein brauche, ein ordinäres Bier die Mühen der Zubereitung des Gerichtes aber auch nicht genügend zu würdigen weiß. Genau hier sehe ich den Markt für die immer größer werdene Range der champagnerartigen Biere: Gute, kräftige und schmackhafte bürgerliche Küche. Ich glaube nicht, dass Bier, egal wie nobel es aussieht oder schmeckt, seinen Platz in den gehobenen Restaurants finden wird und vielleicht sollten sich die Firmen die geschätzen 5€ pro Flasche, die ins Marketing gehen, sparen und eher auf die cuisine regionale setzten. Denn wie sagte schon der legendäre Gastrosoph Brillat-Savarin:

„Die cuisine regionale ist der Teppich, auf dem die Haute Cuisine einherschreitet“

Das Samuel Adams/Weihenstephan – Infinium ist für mich bisher das beste champagnerartige Bier (auch wenn es keine „Neuerfindung des Bieres ist“) und schlägt z.B. das Estrella Damm – Inedit, welches zusammen mit dem spanischen 3-Sterne Koch Ferran Adrià entwickelt wurde und meinen Informationen nach immer noch vergeblich den Weg in die Spitzengastronomie sucht.

Ich freue mich bereits zu beobachten, wie diese Art der Biere sich weiterentwickelt und wo sie sich letztendlich positionieren kann. Gerüchten zufolge soll die Kooperation von Samuel Adams und Weihenstephan insgesamt drei „Extrembiere“ hervorbringen, wovon das Infinium das Erste war. Es bleibt also spannend auf dem Markt der champagnerartigen Biere!

PS: Samuel Adams hat noch ein paar kleine Videos zusammengestellt, welche die Geschichte der beiden Brauereien und die Entstehung des Infinium beschreiben. Die Videos sind informativ und gut gemacht, darum will ich sie euch nicht vorenthalten.


Film ab:

Episode 1: Who is Weihenstephan?

Episode 2: The Challenge

Episode 3: The Process

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

2 Kommentare

  1. Marc

    Vielen Dank für den interessanten Bericht, der hat Lust auf mehr gemacht. Da kommt nun aber eine Frage auf: Wo kann ich dieses Bier kaufen?

    Gruß,
    Marc

  2. Robin Stein

    Hallo Marc,

    schön, dass dir der Bericht gefällt. Du kannst das Bier z.B über den E-Shop von Weihenstephan beziehen:

    http://tinyurl.com/5wajwdt

    Viel Spaß und Genuss beim Probieren!

    Liebe Grüße
    Robin

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