Deoch an Doruis: Isle of Jura

Eigentlich ist es überraschend: Dieser abgelegene Flecken Erde namens Isle of Jura beherbergt schon seit 1810 eine Whiskybrennerei. Und das ist nur die lizensierte, denn die Ursprünge des Whisky auf Jura reichen wohl bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück…

Die Insel Jura gehört zur Gruppe der Inneren Hebriden und liegt nordöstlich der fast doppelt so großen Insel Islay. Vermutlich wirkt Jura unter anderem so abgelegen, weil sie so schwer zu erreichen ist.  Ab und an ist zu lesen, dass dies dem Whirlpool of Corryvreckan geschuldet wäre, der eine Fährverbindung vom Festland aus unmöglich machen würde. Das ist natürlich Humbug, denn zum einen liegt dieser Strudel zwischen der Insel Jura und ihrer Nachbarinsel Scarba im Norden, zum anderen hat Jura auf Ostseite eine Küstenlinie von knapp 40 Kilometern, also genug Möglichkeiten, einen Strudel zu umfahren. Und seit kurzem gibt es sogar eine direkte Verbindung vom Festland nach Jura, wenn auch nur für Fussgänger. Seit 2008 versucht man in den Sommermonaten eine Personenfähre von Craighouse, dem einzigen Ort auf Jura, nach  Tayvallich auf dem Festland zu etablieren. Das Bestehen dieser Verbindung scheint nicht gesichert, was wohl schlicht daran liegt, dass sich so einen Fährverbindung nur schwerlich rentiert. Auf Jura leben gerade einmal 188 Menschen – und 5500 Rothirsche. Es gibt wohl einfach zu wenig Passagiere für so eine Fährfahrt und daher ist bisher (Stand Februar 2011) nicht sicher, ob die Fähre diesen Sommer wieder fahren wird. Wer mit dem Auto nach Jura möchte,  muss sowieso wie eh und je erst nach Islay übersetzen um dann von Port Askaig aus nach fünfminütiger Passage auf Jura anzukommen. Die Rothirsche waren es übrigens auch, die der Insel Jura den Namen gaben, der sich vom altnordischen dýr ableitet.

Dort, wo die heutige Destillerie steht,  ist der Betrieb einer Whiskybrennerei  schon spätestens seit 1810 nachgewiesen. Davor soll es an diesem Platz eine unlizensierte Brennerei namens ‚The Small Isles Distillery‘ gegeben haben. Beiden wird nachgesagt von Archibald Campbell gegründet worden zu sein. Vermutlich war Campbell allenfalls in der Anfangszeit der Jura Brennerei der Betreiber, sondern eher der Verpächter. So soll der erste Pächter ein William Abercrombuie bis 1831 gewesen sein, gefolgt von Archibald Fletcher bis 1851 und  Norman Buchanan, der zu dieser Zeit auch die Caol Isla Brennerei betrieb. Buchanan ging Anfang der 1860er Jahre Pleite, verkaufte Caol Ila, aber Jura überliess er ihrem Schicksal. Erst 1876 fand sich ein neuer Pächter, James Ferguson aus Glasgow, der die Brennerei bis 1901 betrieb.

Geschlagene 62 Jahre sollte es dauern, bis bei Jura wieder Whisky gebrannt wurde. Erst 1958 fanden sich zwei Einheimische, Robin Fletcher und Tony Riley-Smith, die mit finanzieller Unterstützung von Mackinlay MacPherson von den Scottish Brewers (heute Scottish & Newcastle)  den Ingenieur und Architekten William Delmé Evans, der auch die Tullibardine Destillerie baute,  beauftragten, eine gänzlich neue Destillerie zu bauen, denn selbstredend war die alte Brennerei völlig verrottet. Diese ging 1963 in Betrieb, der erste Single Malt wurde 1974 abgefüllt.

Die Brennerei wurde 1985 von Invergordon Destillers aufgekauft, die 1993 von Whyte & Mackay übernommen wurden. Im Gegensatz zu den anderen ehemaligen Invergordon-Destillerien (Bruichladdich, Tamnavulin, Tullibardine) blieb die Isle of Jura von der Schließung Mitte der 1990er Jahre verschont. 2007 wird  Whyte & Mackay an United Spirits, einer Tochtergesellschaft der indischen United Breweries Group, verkauft. Dieses Konglomerat von Firmen im Besitz des umtriebigen Vijay Mallya ist mittlerweile der drittgrößte Spirituosenhersteller der Welt.

Isle of Jura Single Malt Whisky 10yo, 40% vol.
Farbe Goldfarben
Nase Honignoten, etwas Heidekraut
Gaumen Sanfte alkoholische Schärfe, Honigsüsse, versteckt ein wenig fruchtige Noten
Abgang Langanhaltend und wärmernd. Anfänglich süsslich, später aber ein wenig Bitternoten.

Der zehnjährige Isle of Jura ist kein Whisky, den man unbedingt einmal probiert haben sollte, aber ein durchaus guter Durchschnittswhisky.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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