Champagne De Saint Gall – I

Vor einiger Zeit verschlug es Oliver und mich ins Hamburger Hyatt auf die Vorstellung des neuen Jahrgangs der Cuvée Orpale von Champagne de Saint Gall – 2003, nur in Magnum. Dazu gab es einige weitere Weine des Hauses zu verkosten, die ich gerne vorstellen möchte.

Erfreulich fiel bereits zu Veranstaltungsbeginn auf, dass man nicht plante, die Weine einzusperren – schöne Weißweingläser sollten Bühne für schöne Champagner sein. De Saint Gall ist Eigenmarke der Union Champagne, einer Genossenschaft, die ca. 1200 ha Weinberge in Premier Cru- und Grand Cru-Lagen in der Champagne besitzt und Trauben (70-80 %) an diverse Häuser verkauft. Unter dem eigenen Etikett werde pro Jahr ca. zwei Millionen Flaschen abgefüllt.

Der einfachste Wein des Hauses, der Brut Tradition, fand seinen Weg nicht ins Glas – wir starteten mit der Chardonnay-Basis, einem NV Blanc de Blancs Premier Cru. Für Endverbraucher liegt der Preis bei ca. 28,00 €. Bereits in der Nase ist dieser Wein einladend und charmant und es gelingt ihm, Appetit zu machen. Eine schöne Frische mit einer guten Portion Stachelbeer-Fruchtigkeit bereitet mental auf den wunderbaren Gaumen vor. Schöne Zitrustöne, die rund und entspannt transportiert werden, sind einschmeichelnd und elegant. Der Wein bleibt im Abgang angenehm frisch und entspannt zu trinken. Jedes Champagnerhaus wirbt damit, dass ihre Weine ein idealer Aperitif seien – hier stimmt es! Nie anstrengend, immer interessant und erfrischend. Der Wein gefiel mir sehr gut, auch in Anbetracht des sehr moderaten Preises.

Gefolgt wurde er vom Extra Brut des Hauses, der kein non-dosé ist. Wieder BdB, wieder Premier Cru. Dieser Wein war in der Nase eine Ausgeburt an Eleganz – ich war massiv beeindruckt! Dafür liebe ich Champagner. Keinem anderen Wein gelingt es, dem Trinker so einen reinen, grazilen und einladenden Duft anzubieten. Wundervoll. Konzentrierter als der ’normale‘ Brut, Brioche, getoastet, leicht rauchig. Die Erwartungshaltung wurde durch die phänomenale Nase in gemeine Höhen gesteigert, am Gaumen ist der Extra Brut deutlich geradliniger und schlanker als sein höher dosierter Bruder, mineralisch und elegant. Mit der Zeit entwickeln sich auch im Abgang dezente Marzipantöne. Auch diesem Champagner wohnte die angenehme Eigenschaft inne, Durst auf ein zweites Glas zu machen. Wirklich gut und schnörkellos.

Nun sollte der neue Jahrgang der Prestige Cuvée Orpale 2003 ins Glas wandern. 100 % Chardonnay, 100 % Grand Cru aus Oger, Le Mesnil, Cramant. Komplett undosiert und zur knappen Hälfte ohne malolaktische Gärung ausgebaut. Aufgrund der klimatischen Besonderheiten des Jahres 2003 und der extrem geringen Erntemenge (viele Schäden durch Frost und Hagel, extrem frühe Ernte aufgrund großer Hitze im Sommer) wurden von De Saint Gall nur ca. 2000 Magnumflaschen der Orpale 2003 produziert, um diesem besonderen Jahr gerecht zu werden. Die Hälfte dieser Flaschen liegt als Oenotheque im Keller des Hauses… Flaschen auf und eingeschenkt.

Nase:
Einladend und rein, exotische Früchte, wie sie manchmal bei Dom Ruinart zu finden sind, weich und charmant. Eine schon sehr ausgeformte und tolle Nase, abgerundet mit Briochetönen. Sehr wenig Ähnlichkeit mit den zuvor getrunkenen Weinen des Hauses.

Gaumen:
Hier machte sich das außerordentlich junge Alter der Orpale gnadenlos bemerkbar. Außerordentlich schlank und frisch bot der Wein noch nicht mehr als eine Erfrischung, Holunderblüte und Birne geben eine feine Fruchtigkeit, doch der Wein ist unentwickelt und eindeutig zu jung. In zehn Jahren erreicht die Orpale sicher große Höhen. Heute ist man mit einem der einfacheren Weine des Hauses besser beraten.

Abgang:
Wie erwartet: kurz und frisch.

Die beim Extra Brut bereits (moderater) aufgefallene Diskrepanz zwischen Nase und Gaumen ist interessant – und weckt Interesse, gereifte Weine von De Saint Gall zu probieren. Der fröhliche Nachmittag war jedoch noch nicht beendet – es folgten noch der Jahrgangswein aus 2004, die Orpale aus 1998 sowie der Rosé des Hauses. Ihr findet sie im nächsten Post!

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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