Champagne De Saint Gall – II

…es soll weitergehen. Nach der Vorstellung der neuen Orpale ging es mit etwas körperreicheren Weinen weiter. Vergleichbar mit den Weißweingläsern gefiel mir auch diese Tatsache sehr gut – eine Verkostungsreihenfolge adäquat zur Typizität der Weine, nicht nach Preisen oder Positionierungsinteressen. Der Brut Millésime 2004 ist erneut ein Blanc de Blancs. Die Nase schien pilzig, muffig und unangenehm – Fehler! Die Referenzflasche erwies sich als glücklicherer Griff. Der Wein ist momentan vergleichbar mit dem NV, dabei etwas tiefer und reiner, jedoch ebenfalls noch ziemlich jung und unentwickelt. Dementsprechend ungestüm erschien er am Gaumen, sehr spritzig und erfrischend, aber eine gute Portion Potenzial war bereits erkennbar. Ein feiner Jahrgangschampagner für den sehr moderaten Preis von ca. 32,00 €. Der Abgang war kurz und belebend, mit einer herrlichen Frische. Mit Luft und Zeit entfaltete sich der 2004er definitiv! Kaufen und hinlegen.

Der vorletzte Wein war die Cuvée Orpale 1998. Der – von der mit einer Sonderstellung versehenen Cuvée aus 2003 abgesehen – aktuelle Jahrgang der Prestige-Cuvée von De Saint Gall ist sehr alt. Viele Häuser bieten schon 2002 oder 2004 als aktuelle Jahrgänge an. Die Orpale liegt im Schnitt zehn Jahre auf der Feinhefe und liegt preislich bei 60,00-70,00 €. 100 % Grand Cru-Chardonnay, 30 % ohne Malo.

Nase:
Honigtöne im Stil eines schönen 90ers sind der erste Kontakt mit diesem Champagner. Überraschend dabei ist das Ausbleiben von Röst- und Nussaromen, die man häufig mit Honigtönen entdeckt… Eine äußerst angenehme Sache, eine einladende und animierende Fruchtigkeit gesellen sich dazu…. Da will man sofort probieren.

Gaumen:
Eine tolle Frische ist mit den Honigtönen in perfekter Balance. Der Drahtseiltänzer bewegt sich zwischen Fülle und Eleganz, ist animierend und gesetzt, ein absoluter Spaßmacher. Ich freue mich schon auf das zweite Glas!

Abgang:
Intensiv und füllig, aromatisch und gefällig.

Zack! Der Wein des Tages ist in meinem Glas. Wie wunderbar. Preislich hoch attraktiv, ein Spaßwein mit viel Charakter, der perfekt ausgewogen ist. Absolute Kaufempfehlung – ich hätte Interesse an einer Vertikalverkostung…

Die Orpale wurde noch vom NV Rosé des Hauses gefolgt – dem einzigen Wein, der mich nicht begeistern konnte. Austauschbarer Rosé, fad-fruchtig und gefällig. Lieber bei den Blanc de Blancs bleiben…

Resümieren wir diesen wunderbaren Nachmittag… De Saint Gall ist ein Haus, das tolle Weine zu äußerst attraktiven Preisen anbietet. Das Flaschendesign ist für meinen Geschmack eher medium ansprechend – aber wen schert das, wenn der Inhalt stimmt! Die Cuvée Orpale spielt definitiv in der obersten Liga mit und kann es mit den großen Weinen anderer Häuser aufnehmen – die oft doppelt so teuer sind. Jeder Champagner (mit Ausnahme des rosafarbenen) des Hauses verfügt über das gewisse Etwas, das oft als einladend/animierend/Lust machend beschrieben wird. Bloß findet man es so selten! Ein Wein, bei dem man nach einem Glas ’satt‘ und ausgefüllt ist, kann ein tolles Erlebnis sein. Aber sich beim Leeren des Glases bereits auf den ersten Schluck des zweiten zu freuen, ist eine wunderbare Sache, die De Saint Gall gekonnt abliefert.

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Trinklaune.de wurde auf eine Verkostung eingeladen. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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