Deoch an Doruis: Highland Park

Heute besuche ich auf meiner virtuellen Reise durch die Whiskywelt die Brennerei, die den Rang der nördlichsten Whiskybrennerei Schottlands für sich beanspruchen kann. Es scheint auch nicht, als müsste Highland Park, auf der Hauptinsel Mainland des Orkney-Archiples im Örtchen Kirkwall gelegen, um diesen Titel fürchten, da es nicht so aussieht, als würde ihr die Blackwood’s Distillery auf den Shetlandinseln diesen je streitig machen.  Zwar ist die Blackwood Distillery bisher in erster Linie durch ihren Gin in Erscheinung getreten, doch sollte hier einmal ein Whisky gebrannt werden – und dann wäre Blackwood die nördlichste Whiskybrennerei. Dazu kam es aber nie und wird es wohl auch nicht mehr kommen, da die Whiskyproduktion, entgegen mehrfacher Ankündigungen, bis heute nicht angelaufen ist. Bisweilen wurde dies recht amüsiert beobachtet.  Inzwischen hat Blackwood’s neue Eigentümer, die scheinen aber nur noch am Gin-Geschäft interessiert zu sein.

Die Geschichte von Highland Park begann 1798, als ein gewisser Magnus Eunson anfing, an der Stelle, an der heute die Highland Park Brennerei zu finden ist, schwarz zu brennen. Um die Person Magnus Eunson ranken sich viele Geschichten und Mythen, deren Wahrheitsgehalt schwer zu prüfen ist. So soll Eunson Schmuggler, Schwarzbrenner und gleichzeitig Priester gewesen sein, der seinen Schwarzbrand und seine Schmuggelware unter dem Altar versteckte und um einer Razzia der Steuerbeamten zu entgehen sogar einmal eine Trauerzeremonmie vortäuschte und den Whisky unter einem Leichentuch verbarg. Bestätigt ist hingegen, dass das Grundstück, auf dem sich Eunson’s Brennerei berfan,  im April 1813 von John Robertson übernommen wurde. Ironischer Weise war Robertson der Steuerbeamte, dem es schliesslich doch gelang, Eunson zu überführen und zu verhaften.

In der einen oder anderen Veröffentlichungen könnte man den Eindruck gewinnen, dass Robertson die Brennerei weitergeführt hätte. Dies ist aber wenig wahrscheinlich, da er nach London versetzt wurde. Robert Borwick, Robertson’s Schwiegersohn, übernahm 1825 das Grundstück und errichtete an der Stelle, an der Eunson bereits Whisky brannte, eine Brennerei, die er 1826 auf den Namen Kirkwell Distillery lizenzieren liess.

Bis 1869 blieb sie im Besitz der Borwicks, als schliesslich der Enkel Robert Borwicks, James, das Anwesen und die Brennerei an einen ortsansässigen Farmer verkaufte. Von diesem kauften 1876 James und Mackay und William Stuart, der zu dieser Zeit auch die Miltonduff Brennerei besaß, die Brennerei und benannten sie um in Highland Park.

Mackay starb 1885 und Stuart suchte sich einen neuen Partner. Diesen fand er in James Grant, der die Destillerie 1895 vollständig übernahm. Er ersetzte die vorhanden Brennblasen durch größere und installierte 1898 noch zwei weitere. Doch auch Highland Park erreichten die Auswirklungen des Pattinson Crashes. Der Hauptkunde, Robertson & Baxter aus Glasgow, bestellte um die Jahrhundertwende noch etwa 60000 Gallonen Whisky – dies stürzte ab zu eine Bestellung von gerade mal 107 Gallonen in 1904.

Walter Grant, der Sohn James Grants, verkaufte Highland Park 1937 an die Highland Destillers,  einer Tochterfirma der bereits erwähnten Hauptkunden Robertson & Baxter.  Die Zeit von 1937 bis heute ist geprägt von Kontinuität – einzig der Name ‚Destillers‘ wurde abgeändert in ‚Destilleries‘. Die Highland Distilleries gingen 1999 in der Edrington Group auf, die noch heute Eigentümer der Brennerei sind.

Von 1997 bis 2005 betrieben die Mitarbeiter auch die Scapa-Brennerei, die nur wenige 100 Meter südlich im gleichen Ort gelegen ist – doch von dieser Destillerie berichte ich nächste Woche.

Highland Park Single Malt Whisky 12yo, 46% vol.
Farbe tiefes goldgelb
Nase Honignoten, fruchtig, frisch, klar, ganz entfernt Rauch
Gaumen Angenehme Schärfe, fast träfe der Ausdruck mild zu. Heidehonig, etwas Malz, frisch, Spuren von Torf und Rauch
Abgang Mittellang, etwas wärmend, etwas kräutrig und Honigsüss.

Highland Park betreibt noch eine eigene Mälzerei, die den Bedarf zu etwa 20% deckt – das Groß wird von der Tamdhu Mälzerei zugekauft. Das Malz ist mit etwa 20 ppm getorft.

Oft liest man der Highland Park 12yo ist der perfekte Allrounder – ein Ausspruch den Michael Jackson prägte. Dies wird wohl auch darin deutlich, dass man den Highland Park 12yo inzwischen nicht mehr nur im Lebensmitteleinzelhandel oder Duty Free sondern auch im Onlinehandel großer Drogerieketten bekommen kann. Doch ein Allrounder ist er tatsächlich und macht daher in jeder Whiskykollektion eine gute Figur.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. Andy

    Als Einsteiger in die Welt des Whisky bin ich vom 12jährigen Highland Park absolut begeistert. Er kombiniert wirklich auf eine sehr feine und runde Art Süße und Rauchigkeit. Sehr fein

  2. Oliver Steffens

    Andy, ich kann Dir nur zustimmen.
    Erst kürzlich wurde der Highland Park 12 im C&D-Forum zu einem der fünf Single-Malt-Whiskys für Einsteiger gekürt – auch von mir.

    http://www.cocktaildreams.de/smf/index.php?;topic=7128.0

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