Deoch an Doruis: Scapa

Im März 2009 habe ich begonnen, an dieser Stelle jede aktive Whiskybrennerei in Irland und Schottland, von der eine (bezahlbare) Standardabfüllung erhältlich war, vorzustellen. Die Scapa Brennerei ist die letzte Brennerei in Schottland, die ich noch vorzustellen habe und damit ist dies der letzte regelmäßige Artikel in der Deoch an Doruis-Reihe – und übrigens der Einhunderste.

Gegründet wurde Scapa 1885 durch John T. Townsend und MacFarlane nur wenige hundert Meter südlich der Brennerei Highland Park auf dem Gelände einer ehemaligen Mühle errichtet und nahm im Oktober des gleichen Jahres ihren Betrieb auf.Bis 1919 gab es bei Scapa keine besonderen Vorkommnisse, bis die Brennerei beinahe durch ein Feuer vollständig zerstört worden wäre. Größerer Schaden konnte durch die Matrosen der Grand Fleet, die in der Bucht Scapa Flow ankerte, verhindert werden. Die Matrosen bildeten eine Eimerkette und löschten das Feuer mit Wasser aus dem Meer – welches immerhin gute 500 Meter von der Brennerei entfernt ist.

Vielleicht war dieser Feuerschaden der Grund, dass die Brennerei 1919 an die Scapa Distillery Company Ltd. verkauft wurde. Diese Gesellschaft ging 1934 in Konkurs.Zwei Jahre lag der Betrieb brach, bis 1936 die Brennerei an die Bloch Brothers Ltd., denen bereits Glen Scotia gehörte, verkauft wurde. Bloch veräußerte Scapa und auch Glen Scotia 1954  an die durch den Canadian Club Whisky bekannt gewordene Hiram Walker-Gooderham & Worts Ltd., die die Brennerei von Grund auf renovierten.

Hiram Walker wurden 1986/87 durch Allied Distillers gekauft, die die Brennerei 1994 stillgelegten. Von 1997 bis November 2004 wurde sie aber noch sporadisch durch Arbeiter der  Highland Park Brennerei in Betrieb genommen, die im Ausgleich die Lagerhäuser mitbenutzen durfte. Allied Distillers überraschten 2004 mit der Bekanntmachung, Scapa für 2,1 Millionen Pfund renovieren und wieder vollständig in Betrieb nehmen zu wollen. In 2005 wurde die Brennerei dann aber doch noch an Pernod Ricard verkauft.

Scapa Single Malt Whisky 14yo, 40% vol.
Farbe tief goldfarben
Nase Honignoten, malzig, fruchtig
Gaumen Wärmend, malzig, trocken, fruchtige Süsse, Vanille, etwas Torf
Abgang fruchtig und malzig, mittellang

Der Scapa 14yo ist ein gelungener Whisky, doch inzwischen wurde er durch eine neue Abfüllung ersetzt so daß es widersinnig wäre, für die alte Abfüllung noch eine Empfehlung auszusprechen. Die neue Abfüllung, der sechszehn Jahre alte Scapa, kostet aber um die fünfzig Euro. Um diesen Preis zu rechtfertigen, müsste der 16yo einen deutlichen Leistungszuwachs hinlegen. Um das zu beurteilen, werde ich bei Zeiten diesen Artikel um die Verkostungsnotizen des 16yo ergänzen.

Das war er nun also, der letzte regelmäßige Artikel in der Deoch an Doruis-Reihe. In 100 Artikeln habe ich Euch in den vergangenen 26 Monaten 103 Whiskys vorgestellt. Vorerst wird es nicht mehr an jedem Mittwoch einen Deoch an Doruis geben, sondern nur ab und zu, wenn ich einen Whisky kennengelernt habe, der mir einen Artikel wert erscheint.

Doch ganz sicher werde ich diese Serie weiterschreiben, denn der Teil der Whisky-Welt, der hier noch keine Erwähnung fand, ist einfach noch zu groß ;-).

Bis dahin !

Oliver

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

4 Kommentare

  1. Ich gratuliere dir zu dieser sehr interessanten Whisky-Reihe/Reise. Hut ab und Slainte 🙂

  2. Danke für die 100 Artikel, ich hab sie immer gern gelesen [und werde das auch in Zukunft, wenn wohl auch seltener ;)] tun.

    Lustig das du ausgerechnet mit Scapa 14 endest den ich vor etwa einem Jahr für mich entdeckt habe.

    Scapa 16 hab ich nicht noch probiert, aber vor ’nem Jahr mal eine nicht mehr erhältliche 23er Version davon getrunken. Das Stöffchen taugt schon.

  3. Hut ab vor dieser Leistung! Ich finde es bemerkenswert, wie gut du Deoch an Doruis durchorganisiert hattest. Die Reihe kam meines Wissens nach nie ins Stocken. Dennoch freue ich mich auf weitere Vorstellungen, auch wenn sie jetzt nicht mehr so regelmäßig kommen.

  4. guennik

    Was? Schon alle Destillen durch? Wie doch die Zeit vergeht… ;).

    Ganz große Leistung! Ich bedanke mich für 103 informative Artikel und freue mich auf nachfolgende Berichte in der Deoch-an-Doruis-Reihe über die ein oder andere Whisky-Perle.

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