Cédric Bouchard Inflorescence

Die großen, bekannten Gebiete, aus denen Spitzenchampagner kommen, liegen um Reims und Epernay, die Côte des Blancs, die Montagne de Reims und das Vallée de la Marne. Doch ein ganzes Stück südöstlich, fast an der Grenze zum Département Bourgogne, liegt die Côte des Bars, die auch zur Appellation Champagne gehört. Erbittert wurde um die Zugehörigkeit gekämpft, eine Zeit lang mussten die Weine von dort als Champagne deuxième classe, sprich Champagner zweiter Klasse etikettiert und verkauft werden.
Einige Champagner von der Aube sind meines Erachtens momentan aber definitiv auf dem Vormarsch. Neben Jacques Lassaigne macht momentan der Name Cédric Bouchard wohl am meisten Furore. Aus Celles-sur-Ource stammend baut er reintönige Pinot Noirs an. Dementsprechend ist die getrunkene Basiscuvée, die mit ca. 38,00 € nicht mehr im unteren Preissegment positioniert ist (Pol Rogers Jahrgangsweine beispielsweise beginnen bei ca. 45,00 €) ein Blanc de Noir, undosiert und komplett aus dem Erntejahr 2008 (im rückwärtigen Etikett ‚versteckt‘ angegeben, à la Léclapart). Degorgiert wurde der Wein im April 2010, hatte also nur eine relativ kurze Zeit auf der Feinhefe sowie ein Jahr Reifung in der Flasche.
Genug geredet, die – doch, das muss noch angemerkt werden – wunderschöne Flasche wurde aufgemacht und brachte einen, vorab schon verraten, traumhaften Champagner ins Glas. Eine blasse, sehr elegante Farbe mit einer feinen Perlage.

Nase:
Hefe, rein und außerordentlich elegant. Brioche, dezente weiße Frucht. Was mir jedoch am meisten gefiel: Dieser Wein duftet geradezu idealtypisch nach – Champagner! So stelle ich mir eine tolle, anmierende und feine Champagnernase vor. Wundervoll.

Gaumen:
Hier wird gehalten, was die Nase versprach. Die Säure ist recht präsent, der Wein könnte in einem Jahr noch schöner sein, doch schon jetzt befindet sich ein sehr gut strukturierter Champagner im Glas. Für einen reinen Pinot Noir ist der Stil ungewöhnlich leicht und frisch, wenig traubig, kein bisschen dunkel. Dies scheint Cédric Bouchards Interpretation des Terroirs zu sein – und es gelingt ihm hervorragend! Ein höchst stimmiges Gesamtbild zeigt sich und das feine Mousseux kitzelt den gesamten Mundraum. Delikat.

Abgang:
Ein wundervoller Abgang bleibt zurück. Fein und edel.

Ich muss ihn noch ein weiteres Mal strapazieren – den Begriff der Eleganz. Nur im Champagner findet man sie in dieser Form, kein anderer Wein oder Schaumwein der Welt vermag es, eine solche Eleganz hervorzubringen. Cédric Bouchards Inflorescence ist ein großartiger Vertreter der Champagner und unterstreicht deutlichst den Anspruch, dass auch an der Côte des Bars Spitzenweine produziert werden. Ich freue mich schon außerordentlich, weitere Weine dieses interessanten Erzeugers zu trinken.

Der Inflorescence ist meines Erachtens perfekt geeignet als Aperitif. Kein Wein für einen Stehempfang mit Häppchen oder ähnlichem, sondern als Aperitif-Champagner in einem guten Restaurant. Als Einstimmung, zum Amuse. Er brächte die nötige (Entschuldigung!) Eleganz mit und es gelänge, den feinen und edlen Charakter des Weines einerseits, aber vor allem des anstehenden Essens in bester Form zu transportieren. Ich wäre begeistert…

Viel ist nicht mehr zu sagen. Dieser Champagner lohnt sich wirklich, probiert zu werden. Man bekommt ihn bei Wein Kreis. Viel Spaß damit!

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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