Gin-Review: Beefeater London Market

Beefeater bringt nach der Summer und Winter-Edition einen weitere Sonderabfüllung auf den Markt. Diese Sonderabfüllungen zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass zusätzlich zu den neun Botanicals des klassischen Beefeater Gins – Zitronenschale, Orangenschale, Mandel, Koriander, Süßholz, Engelwurzsamen und -Wurzeln, Iriswurzel und natürlich Wacholder – eine oder mehrere weitere hinzukommen. Es scheint mir an der Zeit zu sein, einmal das Portfolio aus dem Hause Beefeater in Gänze genauer zu betrachten…

Mit dem Beefeater Crown Jewel wich man das erste Mal vom Grundrezept des Beefeater London Dry ab und war, wenn man so will, die erste Sonderabfüllung. Erstmals wurde er 1993 herausgebracht und als Beefeater’s Premium-Produkt positioniert. Im Unterschied zum Standardprodukt wurde der Crown Jewel mit den neun klassischen Botanicals zuzüglich Grapefruit destilliert und mit 50%vol. abgefüllt. Inzwischen wurde der Crown Jewel im Oktober 2008 durch den Beefeater 24 abgelöst. Das Kronjuwel wird seit dem, sehr zum Verdruß einiger Ginliebhaber, nicht mehr produziert.

Diese ansehnliche Grafik habe ich mit freundlicher Genehmigung dem tollen Blog summerfruitcup.wordpress.com entnommen

Im Beefeater 24, dessen Name eine Anspielung auf die 24 Stunden ist, in denen die Botanicals vor der Destillation mazerieren, übernahm man als zusätzliche Botanicals die Grapefruit vom Crown Jewel und fügte noch grünen und Sencha-Tee hinzu. Somit waren es nun drei zusätzliche Botanicals und an dieses Schema sollten sich auch die künftigen Sonderabfüllungen halten.

Beefeater London Dry und Beefeater 24 waren nun  die Brot- und Butter-Produkte. Im Mai 2010 wurde dann erstmals ein limitierter Gin, die Beefeater Summer Edition , veröffentlicht. Zu den neun klassischen Botanicals gesellen sich nun noch schwarze Johannisbeere, Holunder- und Hibiskusblüte. Im Oktober 2010 folgte die Beefeater Winter Edition. Hier waren die drei zusätzlichen Botanicals Muskatnuss, Zimt und Pinie. Und das bringt uns zum im Juni 2011 erstmals veröffentlichten Beefeater London Market Gin. Mit diesem Gin versucht Desmond Payne -so die offizielle Verlautbarung- die Gerüche und das Angebot eines Londoner Nahrungsmittelmarktes im Sommer einzufangen. Ein Fingerzeig darauf, dass James Borrough, der Gründer der Marke Beefeater, angeblich pflegte, Londons Märkte nach den feinsten und exotischen Botanicals abzusuchen. Im Beefeater London Market Gin kommen zusätzlich zu den neun klassischen Botanicals Granatapfel, Kardamomkapseln und Blätter der Kaffernlimette zum Zuge.

In der Nase hat der Beefeater London Market gegenüber dem London Dry deutlich mehr Zitrusnoten und der Kardamom ist ebenso deutlich bemerkbar. Der Granatapfel will sich im Geruch nicht so recht erschliessen lassen. Am Gaumen ist der London Market eine Spur aromatischer als der London Dry.  Der Kardamom verleiht etwas mehr Würzigkeit und der Granatapfel etwas mehr Fruchtigkeit.

Darauf habe ich den Beefeater London Market im Gin & Tonic probiert. Mit Fentimans ergibt sich ein trockener aber ziemlich langweiliger Gin & Tonic. Das Fentimans Tonic scheint den London Market an die Wand zu drücken. Besser schon mit Thomas Henry. Mehr Fruchtigkeit aber auch deutlich süsser. Das ist nicht jedermanns Sache. Am besten hat mir der London Market mit 1724 gefallen. Nichts wird verdrängt, nichts gerät zu sehr in den Vordergrund. Mit diesem Tonic scheint der Gin eine perfekte Balance einzugehen.

Es wird Zeit, ein Fazit zu ziehen. Der Beefeater London Market ist eine gelungene Erweiterung des Portfolios. Zu drei Viertel auf dem Rezept eines der bestverkauften London Dry Gins aufbauend, ist das vielleicht auch gar nicht überraschend. Daher ist wohl viel mehr die Frage, ob es sich denn lohnt, den Beefeater London Market zu erwerben. Und da muss ich sagen, dass das nicht zwingend notwendig ist – insbesondere dann nicht, wenn man den Beefeater London Dry bereits besitzt. Wenn man aber auch nach dem x-ten Gin (hier möge ein jeder die persönlich relevante Zahl eintragen) nicht genug hat, ist der Beefeater ein interessanter Twist auf den London Dry und wird den Käufer nicht enttäuschen.

Der Beefeater London Market ist beim The Whisky Exchange erhältlich.

Im Zuge meiner Recherche bin ich auf einen lesenswerten Artikel mit sehr sehenswerten Fotos gestossen, auf den ich deshalb hier aufmerksam machen möchte:

 

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

3 Kommentare

  1. Andy

    Danke für den tollen Bericht und die Links.. Sieht schon ein bisschen danach aus, als müsste ich mir den organisieren 😉

    Hat beim Whisky Exchange schon mal wer bestellt? Gibt’s da noch Besonderheiten? Nur für 2, 3 Flaschen rentiert sich’s ja auf Grund des Portos nicht wirklich…

  2. Torben Bornhöft

    Einfach Fentimans Tonic und Ginger Beer mitordern….

  3. Liebe Trinklaune – Autoren
    es ist mir immer wieder eine freude eure beiträge zu lesen.
    Sonnige Grüße aus Wien
    Erich / Halbestadt Bar

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