Gin-Review: Adnams Gin

Die Adnams Brewery in Southwold, Suffolk an der englischen Ostküste ist bisher vornehmlich durch ihre Biere in Erscheinung getreten. Die 1890 gegründetete Brauerei braut in erster Linie Bitter, eine Form des britischen Ale. Doch inzwischen kommen von dort auch zwei Gins, von denen sich einer als wahres Juwel herausgestellt hat.

In 2010 errichtete Adnams die ‚The Copper House Distillery‘ für die Herstellung von hochwertigen Spirituosen. Neben einigen Wodkas und einem Limoncello wird dort Adnams First Rate Gin und Adnams Distilled Gin hergestellt. Diese beiden Gins möchte ich heute vorstellen.

Der Adnams Distilled Gin wird aus gemälztem Getreide gebrannt. Dieser Umstand allein läßt schon darauf schliessen, dass dieser Gin eine ganz besondere Aromatik haben muss. Zu diesem Destillat werden sechs  Botanicals hinzugefügt, welche  neben dem obligatorischen Wacholder, Kardamomschoten, Iriswurzel, Koriandersaat,  Orangenschale und Hibiscusblüte sind. Diese Zusammenstellung ergibt eine sehr würzige, dichte, nur leicht florale Nase. Der Adnams Distilled Gin scheint mir schon im Geruch recht ölig. Auf der Zunge fällt mir zu allererst die Pfeffrigkeit dieses Gins auf, die nichts mit dem Alkohol zu tun hat – der Adnams Distilled Gin hat 40% vol. Mit Fentimans Tonic ergibt dieser Gin einen herb-kräutrigen Gin-Tonic, der dabei aber dennoch recht fein und vielschichtig bleibt.

Den Distilled Gin habe schon im Juni entdeckt. Als ich nun aber in der letzten Ausgabe des Class Magazine las, dass Simon Difford dem zweite Gin der Adnams Distillery, dem First Rate Finest Cut Gin, fünf Sterne plus verlieh -was nicht all zu oft vorkommt- hatte ich das Gefühl, eine Vorstellung des Distilled Gin ohne den First Rate Finest Cut wäre unvollständig.

Daher habe ich flugs diesen Gin gekauft – und die (Gin-)Entdeckung des Jahres gemacht. Die überaus gute Benotung des  Class Magazine erfolgte völlg zu Recht. Ich glaube noch nie hat mich nur schon das Aroma, dass aus der frisch geöffneten Flasche strömte, so beeindruckt. Und dieser tolle Eindruck sollte sich fortführen. Aber zunächst einmal zu den Fakten: Für diesen Gin werden 13 Botanicals verwandt. Mit Ausnahme der Hibiskusblüte werden die Botanicals verwandt, die auch für die Herstellung des Distilled Gin verwendet werden. Für den First Cut kommen noch Gewürzrinde,  Zitronenschale, Süßholz, Thymian, Vanilleschoten, Engelwurz, Kümmelkörner und Fenchelsamen hinzu. Diese mazerieren über Nacht in fünfzigprozentigem Destillat bei 50° Celsius. Nach einer weiteren Destillation wird der First Rate Finest Cut Gin mit 48%vol. abgefüllt.

Der First Rate hat eine deutlich intensivere, dichtere Nase, die eher in die süssere Richtung geht. Das Mundgefühl ist buttrig, der Geschmack etwas süsser und sehr viel floraler als der des Distilled Gin. Der First Rate präsentiert sich glasklar und sehr aromenreich. Der Abgang ist sanft, fein und wärmend. Insgesamt habe ich schon beim puren Genuss den Eindruck, dass dieser Gin ganz hervorragend mit dem Fentimans Tonic harmonieren müsste. Und so war es denn auch – absolut rund und stimmig. Für mich zu Zeit der idealtypische Gin & Tonic.

Der Distilled Gin ist ein schönes Produkt und der Kauf lohnt sich durchaus. Doch auch wenn ich ihn nun unberechtigter Weise etwas herabsetze, die dringende Kaufempfehlung ergeht eindeutig für den First Rate Finest Cut. Beide Adnams Gins sind beim The Whisky Exchange erhältlich.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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