Winzerchampagner-Menü bei Robin – Teil I: Léclapart, Tarlant, Agrapart, Bouchard

Am 01. Oktober war es wieder an der Zeit. Zusammen mit Philipp und weiteren guten Freunden haben Robin und ich wieder ein paar Flaschen Champagner entkorkt. Nach den Mottos 1996, Krug, Taittinger Comtes de Champagne (eine Enttäuschung auf der ganzen Linie – daher hier im Blog nie erwähnt) und Bollinger im Laufe der letzten zweieinhalb Jahre widmeten wir uns diesmal explizit dem Winzerchampagner. Zu jedem Wein haben wir einen Gang gekocht. Die Highlights dieses wunderbaren und sehr sehr langen Abends werde ich im Laufe der nächsten Wochen hier vorstellen.

Nach einem entspannten Start mit Reisetbauers Apfelsekt gingen wir zum eigentlichen Apéritif über – David Léclapart L’Apôtre 2005. Meine Erwartungen waren hoch, nachdem der 2004er so begeistern konnte. Leider präsentierte sich L’Apôtre vollkommen verschlossen, förmlich zugenagelt; das Holz erschlagend, die Säure massiv. In fünf oder acht Jahren vielleicht nochmal – das war nichts. Die Entenleberwürfel haben trotzdem geschmeckt…

Also der nächste Wein: Tarlant La Vigne d’Or 2002. Tolles Jahr, toller Winzer – und ein Wein, der zu 100 % aus Pinot Meunier gekeltert wurde. Die erste Gärung findet in gebrauchten Holzfässern statt, der Wein wird mit 4 g dosiert und wurde im Juni 2010 degorgiert. Soviel zu den harten Fakten.
In der Nase zeigt sich der Wein sehr charmant mit viel Butter und Schmelz, cremig und weich, trotzdem reich und kein bisschen schlank. Am Gaumen überrascht zuerst eine nicht ganz erwartete Stringenz und Kraft, eine schöne Säure gibt Stabilität und verleiht dem Wein eine feine und konzentrierte Energie. Der Wein entwickelt sich wundervoll, ent-faltet sich förmlich und bleibt extrem präsent. Der Abgang ist sehr fett und lang anhaltend, extrem fein.
Dieser wunderbare Wein bietet einen anderen Zugang zu Champagner als Cuvées oder reinsortige Pinot Noirs/Chardonnays. Er hat einen wunderbaren Biss und beeindruckt mit einer immensen Präsenz und viel Mitte und Körper. Was mir jedoch am besten gefällt: Der Wein ist ‚fertig‘. Er braucht keine weiteren Jahre der Lagerung, er kommt ins Glas und ist sehr schnell da. Die Speisebegleitung in Form von Jahrgangssardinen und Senfbrot hätte er nicht gebraucht – hat jedoch problemlos mit dem aromatischen Amuse mithalten können. Dazu stimmt Preis/Leistung: La Vigne d’Or ist für ca. 65,00 € zu bekommen. Toller Wein – muss ich wiederholen. Wird nicht der letzte gewesen sein.

Es folgte die kalte Vorspeise in Form eines köstlichen Lachstatars (Hälfte frisch / Hälfte angeräuchert) auf Erbsenpüree mit schwarzem Meersalz. Wein der Wahl war Agrapart Vénus 2002. Alles wie immer bei Winzerchampagner: Holzeinsatz, traditionelle Methoden (der Weinberg wird mit einem Pferd – names Vénus – gepflügt…) keine Dosage… Dem tollen Jahr zum Trotz fand ich den Wein enttäuschend. Natürlich ‚lecker‘. Ein guter Wein. Aber leider nicht mehr. Buttriger Chardonnay mit feiner Perlage. Ich vermisste Raffinesse und Struktur. Für 35,00 € würde ich ihn ständig kaufen – für 100,00 € war das für meinen Geschmack definitiv zu wenig.

Der nächste Kandidat war ein Champagner, auf den ich extrem neugierig war. Nachdem Cédric Bouchards Basiswein unsere Runde sehr beeindrucken konnte, öffneten wir eine Flasche Roses de Jeanne La Bolorée 2007. Wir haben diesen Wein – zu 100 % aus Pinot Blanc (Weißburgunder) gekeltert – zur Karotten-Ingwer-Suppe mit Jakobsmuscheln gewählt, da wir uns eine schöne Kombination von Weißburgunder mit den buttrigen Muscheln erhofften. Und obwohl dies zwar funktionierte, fühlte ich mich leider an die Vénus erinnert. Ein ‚guter‘ Wein – definitiv. Aber brutal zu jung und mit wenig Spiel. Da konnte die feine Pfirsichfrucht auch nicht mehr helfen. Leider wieder: zu wenig.

Der guten Stimmung am Tisch taten diese beiden kleinen Enttäuschungen überhaupt keinen Abbruch – doch die Hoffnung auf einen tollen nächsten Wein blieb.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

3 Kommentare

  1. Weitermachen! …und wo zur Hölle sind die Champagnerbilder?!?

    LG

    Markus

  2. Ein Flaschenbild kommt im zweiten Teil 😉

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