Marius Kleiner: Bars in Stockholm – Teil II

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Ein kopfsteingepflasterter Weg inmitten der Altstadt führt uns hinunter zum Wasser. Stockholm ist auf mehrere Inseln verteilt, wo man hinschaut begegnet man Wasser. Wir betreten das Hotel und setzen uns an die Theke. Die Empfehlung hielt was sie versprach – ein ausgezeichnetes Backboard. Die Karte ist auch hier sehr klein gehalten und wird durch saisonale Drinks ergänzt. Was wir hier zu lesen bekommen gefällt sehr: Nylkoorb, Smokey Crusta und und und. Die Entscheidung fällt schwer. Der bestellte Smokey Crusta und der French 75 sind tadellos. Wir kommen mit dem Bartender ins Gespräch, und ich lasse mir einen Drink empfehlen. Wenig später genieße ich eine Last Word Variante mit Blanco Tequila. Ein wirklich schöner Drink. An diesem Punkt wollten wir nun eigentlich die Bar verlassen und weiterziehen. Keine Chance. Die Empfehlungen, das Handwerk und das Gastgebertum des Bartenders haben uns gefangen. Gin Fizz mit Absinth und einmonatig gelagerter Negroni füllen unsere Gläser. Der Negroni wird in einer kleinen Flasche serviert, nebst Glas und kristallklarem selbstgeschlagen Eiswürfel. Beide Drinks sind perfekt balanciert und tadellos zubereitet. Der gelagerte Negroni kommt ein wenig geschmeidiger daher als sein jüngerer Bruder.
Wir möchten gerne einen Drink mit schwedischen Spirituosen probieren. Schon haben wir zwei Flaschen Swedish Punch vor uns stehen. Einer sehr süß, der andere mit viel Würze, jedoch fehlt bei beiden eine gewisse Balance. Der damit zubereite Corpse Reviver No.3 Twist blieb zwar hinter den vorigen Drinks zurück, war aber durchaus schmackhaft.

Gondolen

Schon tagsüber sticht uns die Bar samt Restaurant bei einem kleinen Altstadtrundgang ins Auge. 36 Meter über dem Boden gelegen befindet sich das an einen Baukran erinnernde Konstrukt, in dem auch die Bar gelegen ist. Mit einem tollen Ausblick über die gesamte Altstadt und Teile des Hafens lässt es sich hier bei dem einen oder anderen Glas Champagner sehr gut entspannen. Die Cocktailkarte ist nicht sehr aufregend und beinhaltet die üblichen saftlastigen Standards. Das trübt die Atmosphäre jedoch in keinster Weise. Draußen ist es dunkel, Lampen erleuchten das nächtliche Stadtbild und wir beobachten das rege Treiben von oben aus. In der Bar geht es kaum ruhiger zu, ohne dass es jedoch wirklich laut ist. Kellner huschen mit wundervoll angerichteten Tellern an uns vorbei, ein Wagen mit Hummer wird in den Nebenraum zu geschoben. Die Bar befindet sich direkt zwischen zwei Abschnitten des Restaurants, wirkt aber trotzdem räumlich getrennt. Wer auf gehobene französische Küche steht wird hier sicherlich vom Aperitif direkt in das Restaurant wechseln wollen.

Svartengrens

Schon wieder stehen wir vor einem Restaurant, obwohl wir gut gesättigt sind. Im Rücken zur offen gehaltenen Küche befindet sich die Bar, wie sie wohl augenscheinlich skandinavischer nicht sein könnte. Weiße Holztische und Bänke, dezent dekoriert, und ein an Ikeas Billy Regal erinnerndes Backboard. Die Flaschen wirken wahllos hineingestellt, nebst Büchern, Laptop, Gläsern und allerlei anderem Gedöns. Ja, das trifft es. Wir sind direkt begeistert von diesem Charme, ungezwungen und irgendwie doch gemütlich.
Die Barkarte lässt alle flüssigen Wünsche in Erfüllung gehen. Sehr klassisch gehalten, liegt hier der Fokus auf Bitterlikören und weinhaltigen Alkoholika: Averna, Cynar, Amer Picon, Sherry, Dubonnet, Wermut, alles was das Herz begehrt. Der bestellte Drink „Bingin‘ Nun“ (Tequila, Sherry, Yellow Chartreuse, Lime, Sugar) ist perfekt abgerundet und glänzt zudem auf kristallklarem Eisblock. Das haben sie drauf, die Schweden! Was sie allerdings nicht draufhaben, sind die sanitären Einrichtungen, das muss ja schließlich auch mal erwähnt werden. Für Restaurants und Bars in derartiger Größe lediglich eine Unisex-Toilette in die Ecke zu zaubern, ist dann doch weit weg von deutschen Verhältnissen.
Aber nichtsdestotrotz, solche Feinheiten machen ja auch den Reiz einer anderen Kultur aus.

Die Barszene hat noch einige mehr Perlen zu bieten, die entdeckt werden wollen. Ein Besuch lohnt sich also auf alle Fälle, auch der Stadt wegen.

weitere Tipps:

Köttbaren – ein „Metzger“ mit urigen Sitzgelegenheiten und kleiner Drinkauswahl

Miss Voon – Hotelbar, mit asiatischen Einflüssen

Grill – Fleischtempel, der in mindestens 6 verschieden Stilen eingerichtet ist. Sehenswert, mit Bar und teilweise Livemusik.

Saluhall – schöne Markthalle mit Delikatessen aller Art. Frischer Fisch, Schalentiere, gereiftes Fleisch in sämtlichen Variationen. Ein Muss.

Dieser Artkel wurde von Marius Kleiner als Gastblogger verfasst. Marius ist begeisterter Drinksmixer, Getränke-Enthusiast und Hobbykoch aus Nordrhein-Westfalen. Wir kennen ihn unter anderem aus dem Cocktails and Dreams-Forum und freuen uns schon auf das nächste gemeinsame Essen mit ihm!

Gastblogger

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