Kesseler vs Adeneuer

WeinZeit: Weihnachtsweine 2011 – Teil II (Rotweine)

Nachdem bei den diesjährigen Weihnachts-Weißweinen schon einige Hochkaräter entkorkt wurden, sollte es bei den Rotweinen nochmal richtig zur Sache gehen. Es wurden zwei Schwergewichte der deutschen Rotweinwelt parallel verkostet. Das Duell des Abends hieß:

Kesseler vs Adeneuer

Kesseler vs Adeneuer

Im Verkostungsring standen sich zwei der besten Rotweine Deutschlands gegenüber. Auf der linken Seite der legendäre August Kesseler – Rüdesheimer Berg Schlossberg 2005 und auf der rechten Seite der – Athlet von der Ahr – Weingut J.J. Adeneuer – Walporzheimer Gärkammer GG 2006.
Ich hatte beide Weine (Kesseler jedoch 2004) schon einmal für sich getrunken und war deshalb umso gespannter wie die beiden im direkten Vergleich abschneiden.

Ladies and Gentlemen, Let’s get ready to Rumble!!!

August Kesseler – Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder 2005

August Kesseler - Rüdesheimer Berg Schlossberg 2005

August Kesseler – Rüdesheimer Berg Schlossberg 2005

Der 1958 geborene August Kesseler übernimmt, nach dem frühen Tod seiner Eltern, bereits 1977 das seit 1924 familiengeführte Weingut im Rheingau. Nach einem Weinbau-Studium in Geisenheim und prägenden Auslandsaufenthalten erklärte Kesseler es sich zum Ziel sich vom Mittelmaß abzuheben und nur erstklassige Weine in die Flasche zu bringen. Durch den Einsatz von neuen Kellertechniken und intensivster Arbeit im Weinberg wurde Kesseler für seine Erfolge belohnt und galt schnell als einer der besten deutschen Rotwein- (und mittlerweile auch Weißwein-) winzer. Er erkannte damals als Erster, dass sich der für seine Rieslinge bekannte Rüdesheimer Berg Schlossberg (RBS) auch bestens für den Anbau von Spätburgunder eignet und legte einige kleine Parzellen in dem bis zu 70% steilen RBS an. Die Reben gedeihten auf dem quarzitschieferhaltigen Boden im wärmsten Punkt des Rheingaus prächtig und belohnten Kesseler für sein Vertrauen in den Weinberg. Sein Schaffen wurde über die Jahre mit Auszeichnungen wie „Winzer des Jahres“, „Erzeuger des Jahres“ und „Kollektion des Jahres“  honoriert. Nachdem mich der von Torben gesponserte RBS ’04 beim Winzerchampagner-Menü nachhaltig beeindruckt hatte, musste deshalb Heiligabend der 2005er auf den Tisch. Der in der Farbe dunkelrubinrote Spätburgunder offenbarte nach ca. dreistündigem Dekantieren ein sehr feingegliedertes Bouquet mit zarten Beerenaromen und unglaublicher Intensität. Am Gaumen ließ der Wein seine Muskeln spielen ohne dabei jedoch grob oder gar plump zu wirken.
Fazit: Ein imposanter Rotwein, der es versteht seine Muskel spielen zu lassen ohne dabei an Filigranität zu verlieren. Er überzeugte mich nicht ganz so wie der 2004er, was allerdings auch an dem durch Champagner euphorisierten Erstkontakt mit dem Weingut liegen mag. Da von dem 2005er nur etwa 600 Liter abgefüllt wurden, rate ich allen Interessierten zuzuschlagen.

Weingut J.J. Adeneuer – Walporzheimer Gärkammer GG 2006

Weingut Adeneuer - Walporzheimer Gärkammer GG

Weingut Adeneuer – Walporzheimer Gärkammer GG

Die Verkostung einer 2006er Walporzheimer Gärkammer GG ist für mich immer ein besonderer Moment, war er doch der erste von mir auf dem Blog beschriebene Wein. Umso gespannter war ich also, wie der Wein sich in den letzten zwei Jahren weiterentwickelt hat und wie er sich gegen den 2005 RBS behaupten kann. Das Weingut J.J. Adeneuer befindet sich seit über 500 Jahren in Familienbesitz und wird von Frank und Marc Adeneuer geführt. Die beiden Brüder sind mitverantwortlich für die an der Ahr stattfindende Qualitätsrevolution. Während an der Ahr früher – und leider auch noch oft genug heute – größtenteils wässrige Zuckerwasser erzeugt wurden, wehrten die Adeneuers sich gegen diesen, dem Tourismus geschuldeten, Trend und arbeiteten nach strengen Qualitätskriterien. Über Jahre hinweg hohen Notierungen im Gault Millau, DM, Eichelmann, Vinum u.a. bescheinigen ihnen den verdienten Fleiß ihrer Mühen. Neben einigen anderen berühmten Lagen sind die Adeneuers im Alleinbesitz der Walporzheimer Gärkammer. Diese wurde bereits 1949 von dem deutschen Schriftsteller Johann Gottfried Kinkel als edelste Lage des ganzen Ahrtals beschrieben und ist mit einer Größe von nur 0,68 ha die kleinste Lage im Ahrtal und sogar eine der kleinsten Lagen in ganz Europa. Die Lage ist von einer Schiefermauer umzogen was für ein perfektes Mikroklima innerhalb der Mauern sorgt. Zusätzlich werden von den Adeneuers noch hunderte Strohballen in den Weinberg eingebracht um den Wärmeverlust zu minimieren. Der schattenmorellenrote Spätburgunder hat eine sehr breites Bouquet welches von dunklen Früchten wie Cassis und Brombeere dominiert wird. Ähnlich präsentiert sich der Wein am Gaumen – Eine wahre Fruchtbombe die sich sehr tief, komplex, stoffig und maskulin im Mundraum gibt. Neben den Fruchtaromen sind auch Thymiannoten präsent. Der Abgang ist von mittlerer Länge und ebenfalls von roten und schwarzen Früchten geprägt.
Fazit: Der Wein hat sich in den letzten beiden Jahren deutlich geöffnet und ist viel üppiger geworden. Die überbordenden Fruchtaromen laden zum Verweilen ein, fordern allerdings auch die Konzentration des Trinkers. Ein großer deutscher Wein und für mich immer noch der beste jemals von der Ahr verkostete Rotwein.

 Gesamtfazit: Der Kampf der beiden Spätburgunder-Giganten geht unentschieden aus. Zu groß sind die stilistischen Unterschiede der beiden Weine. Während der August Kesseler – Rüdesheimer Berg Schlossberg 2005 trotz seiner Muskeln ein sehr filigranes Gebilde von höchster Finesse ist, ist der Weingut J.J. Adeneuer – Walporzheimer Gärkammer GG 2006 ein sehr viel breiterer Kämpfer mit fast schon verschwenderischer Frucht und Opulenz.

Weihnachtsweine 2011

Weihnachtsweine 2011

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

Château Suduiraut – 2005

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