Vinho da roda – Madeira und zwei Cocktails

Das Zeitalter der Entdeckungen. Ganz grob beschreibt dieser Begriff die Zeit zwischen dem 15. Und 18. Jahrhundert. Einigkeit herrscht über diesen Begriff zwar nicht, aber das spielt in diesem Kontext auch keine Rolle. Die Reisen der damaligen Zeit, betrachtet vor ihrem technischen Hintergrund, erscheinen wahre Meisterleistungen zu sein. Aber wie man inzwischen weiß spielte auch mehr oder weniger der Zufall eine große Rolle dabei, was und vor allem wann es entdeckt wurde. Viele dieser Reisen gingen von einem Land aus, welches damals eine wichtige Rolle spielte: Portugal. Als es zu Beginn des 15. Jahrhunderts erst so richtig los ging, standen naturgegeben zunächst die Entdeckungen in der näheren Umgebung an. So fanden 1419 die Segler João Gonçalves Zarco, Tristão Vaz Teixeira und Bartolomeu Perestrelo die Insel Madeira. Inzwischen ist bekannt, dass die Insel schon lange vor ihnen auf Karten zu finden war. Aber die ersten Siedler fanden erst durch die Beschreibung der Portugiesen ihren Weg dorthin.

Die Insel entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Zwischenhalt für Schiffe die auf dem Weg in „die neue Welt“ waren. Und so wurden ab dem 16. Jahrhundert die Schiffe unter anderem mit Wein beladen, welcher auf der Insel hergestellt wurde. Man lernte vom Portwein und gab dem Wein eine kleine Menge neutralen Alkohol hinzu. So wollte man gewährleisten dass die lange Reise auf den Schiffen den Wein nicht verdirbt. Schlecht wurde er auch nicht. Dennoch war der Wein, wenn er einmal nicht auf der Reise gehandelt oder ausgetrunken wurde, bei seiner Rückkehr nicht mehr derselbe. Die Hitze auf der Seereise hatte für einen ganz eigenen Weinstil gesorgt. Genannt wurde er daraufhin „vinho da roda“ – Weine die eine Rundreise machten.

Natürlich fährt man inzwischen mit dem Wein nicht mehr halb um die Welt um ihn zu produzieren. Das Erwärmen über mehrere Monate findet inzwischen in entsprechenden Tanks statt und sorgt immer noch für eine schnellere Reifung und das Karamelisieren von Zucker. „Estufagem“ nennt man diesen Prozess, der Madeira eindeutig von Port unterscheidet. Madeira muss gezwungener Maßen sehr lange Reifen können. Die bei der Herstellung verwendeten Trauben bringen sehr viel Säure mit, was unter anderem durch die jahrelange (meist eher Jahrzehnte lange) Reifung in Holzfässern ausgeglichen werden soll. Über die Herstellung von Madeira gibt es noch sehr viel zu berichten. Davon aber an anderer Stelle mehr. Kommen wir doch lieber zur eigentlichen Trinklaune dieser Weine, die ungeöffnet wie auch geöffnet ein unglaubliches Lagerungs-Potenzial haben.

Wir steigen an dieser Stelle mal mit einer einfachen Qualität ein. Der folgende Wein stammt von Cossart Gordon, reifte fünf Jahre in Eichenfässern und ist ein Produkt aus der Traube mit dem Namen Verdelho (verdeljo gesprochen). Verdelho beschreibt gleichzeitig eine bestimmte Art von Madeira-Weinen. Diese sind die zweit trockensten, gleich nach dem Sercial Madeira. Wie trocken der Wein ist, wird vor allem über den Zeitpunkt bestimmt, an dem man die Fermentation durch Zugabe des Neutralalkohols stoppt. Als Resultat bleibt bei den Verdelhos um einiges mehr von der erwähnten Säure über. Es lohnt sich den Wein über mehrere Wochen zu trinken. Er verändert sich definitiv zum Positiven. Mal für einen Tag Dekantieren und dann zurück in die Flasche wird auch schon einiges bringen. Wie schon angesprochen, muss man sich bei Madeira nicht gleich Sorgen um die Haltbarkeit machen.

 

Junge Verdelhos sind für mich allerdings nicht gerade die erste Wahl zum pur trinken. Es gibt Ausnahmen. Aber ähnlich einem Ruby Port ist die geschmackliche Offenbarung im Vergleich zu älteren Qualitäten begrenzt. Die 10 Jahre gereiften Qualitäten sind da nochmal ein großer Schritt nach vorne. In der Nase findet man beim Verdelho von Cossart Gordon als erstes die Säure wieder – Aber angenehm. Zitronenzeste, dunkler Honig und ein kleiner Hauch von Holznoten rundet dass Bild ab. Ganz vorne auf der Zunge kommt der Wein sehr frisch daher, was aber in eine leichte Süße übergeht die an Rosinen und Feigen erinnert. Die angenehme Säure trägt den Wein bis zum Abgang, wo einer toller nussiger Geschmack noch länger am Gaumen bleibt.

Dieses Geschmacksbild der Verdelhos macht sie für mich ideal um sie in Drinks einzubinden. Bezahlbar sind sie alle Mal. Und wie schon erwähnt muss man sich auch nach dem Öffnen keine großen Gedanken um die Lagerung machen. Der hier vorgestellte Wein macht sich zum Beispiel ganz wunderbar in einem Madeira Cobbler.

 

 

 

Madeira Cobbler

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Eine halbe Orange (bei großen lieber weniger)

1,5cl Orange Curacao

Dashes Zuckersirup

7cl Madeira (Verdelho)

Die Orange im Glas zerstoßen. Auf Crushed Ice bauen.

 

 

 

 

 

Einen weiteren Drink den ich schon einmal hier erwähnte, lohnt es sich auf jeden Fall einmal zu testen. Der à tout à l’heure zeigt ebenfalls wunderbar, was Madeira in Drinks kann. Das Geschmacksbild des Verdelho findet man fast vollständig im Drink wieder. Erst nach dem eigentlichen Abgang machen sich angenehme Nusstöne nochmal ganz breit am Gaumen – Ganz große Trinklaune.

à tout à l’heure

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1,5cl St. Germain
1,5cl Birnenbrand
0,5-0,75cl Maraschino
1,5cl Verdelho Madeira
2 dashes Angostura Bitters
6cl Champagner

So viel zum Spaß mit diesem wundervollen Getränk im Zusammenspiel mit anderen Zutaten im Cocktail. Beim nächsten Mal dann die volle Madeira-Power ganz auf sich allein gestellt.

Philipp Jäckel

Das Wissen um die Bar so wie einiger ausgewählter Themen im Detail kommen größtenteils nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Cocktail- und Barkultur in seiner Freizeit. Begonnen hat das alles 2006. Einzelne Schwerpunkte im Bereich der Getränke legt Philipp in der Bar zu Hause nicht. Neben allerlei Spirituosen haben auch Bier und Wein ihren festen Platz gefunden.

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