Dreimal Chartreuse Verte

An sich ist zu Chartreuse Verte nicht mehr viel zu sagen – Liebling der Szene (besonders in Frankfurt…), höchst spannendes Geschmacksprofil, wahnsinnig gut mixbar. Ich bin bekennender Chartreuse-Fan und ziehe den grünen dem gelben Vertreter gerne vor – weniger Süße, mehr Power.

Da es jedoch weit mehr als die ’normalen‘ Abfüllungen auf dem Markt gibt, reizte mich ein Vergleich der grünen Varietäten – Chartreuse Verte, Chartreuse 1605 und Chartreuse VEP, die sich in Rezeptur, alkoholischer Stärke, Lagerdauer und im Preis unterscheiden.

Vor allem im Mix sollen die drei Liköre ihre Eigenheiten präsentieren – deshalb ist der erste Drink der Wahl der Beuser and Angus Special geworden. Das Eiweiß vermag die starken, kräutrigen Noten des Chartreuse wundervoll zu transportieren. Weiterhin, um die konzentrierten, gerührten Vertreter ebenfalls zu berücksichtigen, habe ich, erneut mit Daniel Klingenbrunns Unterstützung, Jaguar Cocktails gemacht. Letzter im Bunde war ein simpler Chartreuse Tonic. Viel Spaß…

Jaguar Cocktail
4 cl Tequila Blanco (Arette)
2 cl Chartreuse
2 cl Picon
2 dash Orange Bitters (Regan’s)

stir – straight – Orangenzeste ohne drop

Chartreuse Verte:
Der Drink wird von den kräutrigen Tönen dominiert. Trotz der Kraft des Arette hätte etwas mehr Tequila dem Drink gut getan. Noch nicht ganz rund.

1605:
Hier zeigt sich ein harmonischeres Gesamtbild, der Chartreuse wirkt besser eingebunden, mehr Schmelz, aromatisch ausgewogener.

VEP:
Irgendwo etwas unstimmig und wenig spannungsreich.

Chartreuse and Tonic
5 cl Chartreuse
10 cl Tonic (Fentimans)

Hier lohnt sich eine ausgeformte Auswertung kaum. 1605 bringt etwas mehr Kraft als der ’normale‘ Chartreuse mit, VEP macht mit Tonic gar keinen Spaß und schmeckt unrund. Leider war die Charge Fentimans nicht so prall – mit besserem Tonic macht Chartreuse richtig Spaß!

Beuser and Angus Special
6 cl Chartreuse
1,5 cl Maraschino (Luxardo)
3 cl Limette
dashes Zuckersirup
1 Eiweiß
Orangenblütenwasser

shake – rocks – OFW on top

Der ultimative Drink, um Unterschiede herauszuarbeiten. Toller Aromentransport durch Eiweiß, Süße und Säure, abgerundet durch Maraschino und Orangenblüte. Los geht’s.

Chartreuse Verte:
Gut – wie immer. Bekanntes Geschmacksprofil, gelungen wie eh und je.

1605:
Minimal trockener – und aromatisch ausgeprägter, feiner, ausgeformter, fertiger und vor allem spannungsreicher. Ein perfekter Drink.

VEP:
Auch im dritten Drink funktioniert der VEP nicht sonderlich. Aber an diesem Beispiel wird klar, warum. Der Geschmack ist nicht mehr typisch Chartreuse Verte. Schon ein cooler Drink, der aber in eine andere Richtung geht. Der Nachgeschmack wirkt leider etwas hohl und deplatziert.

Fazit
Der lang gereifte VEP muss nicht vermixt werden… Er entfaltet seinen fabelhaften Geschmack pur oder mit einem kleinen Stück Eis hervorragend und setzt Digestif-Maßstäbe. Aber in den getesteten Drinks funktioniert er nicht so gut. Der 1605 hingegen hat Daniel und mich in allen drei Drinks am meisten überzeugt. Mit dem normalen Chartreuse Verte macht man alles richtig, mit dem 1605 jedoch noch ein wenig richtiger. Immer wirkte das Ergebnis fertiger, runder, spannender – besser. Meine Empfehlung: Trinkt mehr Chartreuse!

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen!
Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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