Rumfest und Bar Convent Berlin 2012

Eigentlich hatte ich vorgehabt, die Daheimgebliebenen etwas fundierter als mit den wenigen (Foto-)Häppchen zu informieren, die es nun leider nur geworden sind. Daher fasse ich diese nun zu diesem Artikel zusammen.

 

 

Nach einem gemütlichen Anreisetag am Samstag und einer ersten kleinen Bartour, die im Wesentlichen aus einem Besuch der Booze Bar und einem kurzen Abstecher ins Windhorst bestand, ging es am Sonntag mit dem Besuch des zweiten German Rum Festivals weiter. Und ich muss sagen: mir gefiel, was ich sah. Dieses Jahr wurde die vorhandene Fläche der Station am Gleisdreieck wesentlich besser genutzt, die Stände wirkten nicht mehr so gedrängt wie im letzten Jahr. Die Aussteller waren wieder erstklassig, es war alles da, was Rang und Namen hat. Man kann Dirk Becker zu dieser gelungenen Veranstaltung nur gratulieren.

Unter den zahlreichen Ausstellern hat mich einer besonders beeindruckt. Das waren Bristol Spirits Ltd., die Macher des Bristol Classic Rum, wie im letzten Jahr präsentiert vom sympathischen John Barrett. Dieser ließ den interessierten Rumfest-Besucher von allerlei Produkten kosten, sodass ich gar nicht mehr sagen kann, welcher Rum mich nun am meisten beeindruckt hätte – sie waren alle toll. Vielleicht war es aber der Vergleich der Bristol Classic Port Morant Demerara Rums 1980, 1990 und 1999.

Der folgende Montag war der Tag zwischen den Messen. Der Umstand, dass der BCB mittlerweile so groß geworden ist, dass ein (All-)Tag für den Aufbau benötigt wird und somit erst am Dienstag die Tore geöffnet werden, schafft zwischen Rum-Fest und BCB am Montag quasi einen freien Tag. Aber nicht, dass der nicht genutzt worden wäre. Denn am Montag sollten nun die Mixology Bar Awards vergeben werden. Erstmals also vor dem eigentlichen Beginn des BCB, womit im Vergleich zu den vergangenen Jahren die Abschlussfeierlichkeit wegfiel. Sonst traf man sich am Abend des letzten BCB-Tages im Umspannwerk oder im Goya, es kamen noch einmal alle zusammen und gingen nach einem rauschenden Fest fröhlich auseinander. Dieser Schlusspunkt fehlte dieses Jahr. Dafür nun also am Abend vor dem Beginn des BCB, in besonders feierlicher Umgebung, als ‚Seated Dinner‘ im Ritz Carlton Berlin.

Für mich begann der Abend bereits etwas früher.  Banks Rum hatte eine Suite des Ritz Carlton angemietet und lud mich nun ein, ein paar Drinks aus der versierten Hand Jim Meehans zu genießen. Gegen 19.00 begannen dann schon die Mixology Awards mit einem Champagner-Empfang. Es wurde Perrier Jouet ausgeschenkt, doch trotz dieses delikaten Tropfens musste ich mich langsam zurückhalten, denn nach den Drinks in der Suite und in Anbetracht der zu erwartenden Weine während des Dinners fürchtete ich, andernfalls im Laufe des Abends meine Contenance zu verlieren. Wie der Abend noch beweisen sollte, ist es dem einen oder anderen ganz offensichtlich so ergangen…

Mein Fazit zu diesem Abend: Gelungen! Das Essen gut – welches Haus sollte denn auch eine Gesellschaft von etwa 370 Personen zufriedenstellend verköstigen können, wenn nicht das Ritz Carlton? Viel hängt natürlich auch von der Tischgesellschaft ab und da hatte ich wohl ganz besonderes Glück. Aber letztlich hat man wohl nicht dagewesen sein müssen. Hätte die Online-Übertragung der Verleihung funktioniert, wohl sogar noch weniger.  Mir fehlten die durch die steife Tischordnung ausbleibenden Gespräche. Wohl hatte man nach der Eröffnung des Buffets und während der Pause ein wenig Gelegenheit dazu, aber das war ein Bruchteil im Vergleich zu den vorigen Jahren.

Dienstag war es dann soweit. Der Bar Convent Berlin 2012 öffnete die Pforten. Erneut mit Verspätung. Technische Probleme, konkret mit der Internetanbindung, verzögerten den Einlass. Als ich dann aber gegen 13.00 Uhr ankam, war davon schon nichts mehr zu bemerken. Kann also nicht so wild gewesen sein. Nach einer kurzen Runde auf dem Messegelände und Begrüßung all der Menschen, die man häufig nur einmal im Jahr, nämlich hier, trifft, hatte ich meine Meinung zum diesjährigen BCB schnell gefunden: Ja, es wirkte für mich dieses Jahr ‚industrieller‘. Klingt blöd, schließlich war die Industrie auf der wohl wichtigsten Bar- und Spirituosenmesse Mitteleuropas immer vertreten. Auf der Freifläche zwischen Postbahnhof und dem Bühnengebäude, wo sich schon in den Jahren zuvor an der Treppe zum Obergeschoss des Postbahnhofes, alles traf und sammelte, war die Anwesenheit der Industrie für mein Dafürhalten dieses Jahr übermächtig zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich Anzahl der Aussteller auf dieser Fläche verdreifacht. Aber das ist dem zügigen Wachstum des BCB geschuldet.

Genauso die Erweiterung der Ausstellungsfläche hinter der Demo Bar A. Die dort hinzugekommene Freifläche und die vielen Sitzgelegenheiten wurden gern genutzt, um Gespräche zu führen oder einfach nur mal ein paar Minuten auszuspannen. Gut auch, dass hier noch ein paar weitere Cateringstände dazu kamen. In der  Jameson Corner konnte man Currywurst bekommen, ein Umstand, den ich wohl schon seit dem Glashaus vermisse. Welche Speise gehört wohl mehr auf eine Messe in Berlin als eine Currywurst? Wünschenswert wäre, wenn im nächsten Jahr das Zelt am Ende dieser Freifläche, die Distiller’s-Area, mehr Beachtung finden würde. Ich zumindest war häufiger da, um das wohlschmeckende Rollberger Bier zu genießen – einen Dank an Soon und Nils Heins.

Den Auftakt des Dienstag Abends bildete das Borco Spirits Dinner in der Drayton Bar – vielen Dank an Borco und Sven Sudeck. Nach wirklich leckerem vegetarischen Essen (für mich eine der wenigen Gelegenheiten festzustellen, dass dies kein Widerspruch ist), guten Drinks und einer burlesken Showeinlage, ging es weiter zum Hendrick’s Forest of Curiosity. Für viele die gelungenste Party des diesjährigen Barconvents. Chapeau, Vanessa Krümel!

Am Mittwoch drehte ich dann noch einmal ein paar Runden über den BCB. Der zweite Tag ist von jeher für mich der Tag, an dem man die besten Gespräche führt. Die Stimmung ist ruhiger, nicht mehr so aufgeladen. Und so entschloss ich mich, nachdem mich eines der super-luxuriösen Pernod-Ricard-Shuttles zurück zum C&D-Loft gebracht hat, den Abend mit einer Handvoll der dort ebenfalls Verbliebenen – anstelle einer weiteren Bartour – mit ein paar – leider zu wenigen – Flaschen Champagner zu beenden.

T-359 Tage. Möge es bald wieder Bartender’s Christmas sein.

 

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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