First Craft Beer Day in Hamburg

In den Hamburer Schanzenhöfen passiert etwas! Mit der (neuen) Ratsherren Brauerei hat die deutsche Craft Beer Szene einen neuen, lebendigen Zuwachs und sogar Hotspot erhalten. Und am 22.09. luden die Macher der Ratsherren Brauerei zum ersten Craft Beer Day in Deutschland. Doch bevor ich von dieser gelungenen Veranstaltung berichten möchte, vielleicht vorher ein paar Erläuterungen, was man sich unter Craft Beer vorstellen soll.

Craft, also Handwerklich, gibt schon einmal eine gewisse Ahnung, in welche Richtung es gehen könnte. Der Ausdruck Craft Brewer wurde von der American Brewers Association geprägt. Diese Vereinigung definiert eine Craft Brewery als „small, independent and traditional“, wobei klein in diesem Kontext eine Produktion von weniger als 6 Millionen Barrels Bier bedeutet. Dies entspricht einer Jahresproduktion von etwas mehr als 7000 Hektoliter und deckt sich mehr oder weniger mit der deutschen Definition – das Statistische Bundesamt klassifiziert Brauereien mit einem Produktionsvolumen bis 5000 Hektoliter im Jahr als Kleinbetrieb. Als unabhängig im Sinne der American Brewers Association gilt eine Brauerei solange, wie sie mit nicht mehr als 25% im Besitz der Industrie sind.

Beim Craft Beer Day hatte ich Gelegenheit die Erzeugnisse der Ricklinger Landbrauerei, der Brauerei Klindworth und vom Aarhus Bryghus aus Dänemark zu probieren. Gut gefallen haben mir das Vollbier Dunkel und das Porter der Ricklinger Landbrauerei. Meine Favoriten waren aber das Imperial Stout und das Old Strong Ale des Aarhus Bryghus.

Imperial Stout stammt aus England des 18. Jahrhundert und wurde ursprünglich für den Zarenhof in St. Petersburg Bier  als Geschenk für die russische Zarin Katharina der Großen entwickelt. Das Bier wurde in England gebraut und wurde dann per Schiff nach Russland transportiert. Um die lange Reise zu überstehen musste das Imperial Stout im Vergleich zum Stout, wie es in England verkauft wurde, einen höheren Alkoholgehalt haben. Oft wurde das Imperial Stout in Champagnerflaschen abgefüllt.

Wie ich auf der Website des Aarhus Bryghus erfahre, ist das  dortige Imperial Stout vom englischen Imperial Stout inspiriert. Der hohe Alkoholgehalt von 8% gewährleistet wie in den alten Tagen eine lange Haltbarkeit des Bieres. Es wird Vollrohrzucker aus Mauritius als zusätzliche Würze verwendet – die meisten englischen Ales werden mit Rohrohrzucker gebraut. Es  wird für dieses Stout keine zusätzliche Karamellfarbe verwendet.  Der Geschmack von Aarhus Bryghus Imperial Stout ist dick und fett. Es hat eine ganz leichte Süße, nur ein wenig Hopfenbitteres, ist süffig, mundfüllend und hocharomatisch.

Das Old Strong Ale wird aus ausgesuchten Gerstenmalz, Zucker und Hopfen gebraut. Ein kleiner Teil des Malzes für diese Ales wird in Aarhus in einer kleinen Anlage hergestellt, wo es es über einem offenen Feuer getrocknet wird. Der Rauch aus dem offenen Feuer gibt dem Malz einen leicht rauchigen Geschmack. Das Aarhus Brewery Old Strong Ale ist ein goldenes, malziges, vollmundiges Bier und ein absoluter Genuss.

Ein Jammer, dass diese Biere nur in Dänemark und dort im wesentlichen auch nur in der Umgebung von Aarhus erhältlich sind.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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