Paxarette – Das verrufene Whisky-Wundermittel in der Praxis

Ende März diesen Jahres schrieb Philip Reim einen interessanten Artikel in seinem Blog Eye for Spirits, den er den Titel Paxarette – Verrufenes Whisky-Wundermittel gab.

Ich muss gestehen, dass ich zuvor von diesem sirupartigen Traubensaftkonzentrat nicht gehört hatte. Umso lesenswerter empfand ich Philips Artikel. Auf den Stoff an sich möchte ich hier auch gar nicht weiter eingehen – Philip hat alles gesagt.

Allerdings fiel mir ein, dass ich beim Stöbern im britischen Web-Shop Master of Malt über einen Proprietary Barley Spirit Drink gestolpert war. Wenn ein Whisky nicht die Statuten der SWA erfüllt, z.B. weil er vor Abfüllung in die Flasche nicht mindestens drei im Fass reifte, und deshalb nicht als Whisky in Umlauf gebracht werden darf, wird das Destillat meist als ‘Spirit Drink’ bezeichnet – so z.B. die Abfüllungen der Glenglassaugh-Destillerie. Hier war aber nicht mangelnde Reife der Grund für dieses Umgehen der Statuten durch, sagen wir mal, kreative Namensgebung, sondern das Verwenden von Paxarette.

Allerdings haben es sich die Master of Malt ein wenig einfacher gemacht: Für den Proprietary Barley Spirit Drink wurden nicht erst Fässer mit Paxarette behandelt, sondern gleich ein 10 Jahre alter Speyside Single Malt Whisky mit der Reduktion versetzt. Es wird gemunkelt, dass mancher Hersteller diese Methode auch anwandte, als der Zusatz von Paxarette noch gestattet war.

Ich habe also ein Fläschchen des Proprietary Barley Spirit Drinks bestellt. Zu dem habe ich um ein Sample des verwendeten Paxarette gebeten und freundlicher Weise ein Muster dieses sonst nicht verkäuflichen Stoffes erhalten. Das Konzentrat erinnert in der Farbe in der Tat an Melasse, ist aber deutlich fliessfähiger als diese.

Der Proprietary Barley Spirit Drink kommt mit 54,55 Volumenprozent in die Flasche. Für die Verkostung und auch für den noch anstehenden Vergleich habe die Trinkstärke auf etwa 46% reduziert.

Professor Cornelius Ampleforth’s Proprietary Barley Spirit Drink, 54,55%, reduziert auf ca. 46% vol.
Farbe Kaffeebraun
Nase Orangen, dunkle Schokolade, Rosinen und Backpflaumen
Gaumen Cremige Textur, mächtige alkoholische Kraft. In Portwein eingelegte Rosinen, Datteln, Toffee.
Abgang Langanhaltend, wärmend, fruchtig, würzig und süss.

Für den Vergleich habe ich 2cl ‘The Speyside’ Single Malt Whisky mit einem Teelöffel Paxarette gemischt. Dieser höchst durchschnittliche – um nicht zu sagen langweilige – Whisky erfuhr eine erstaunliche Aufwertung. Ich habe dieses Gemisch auch ein paar Freunden untergejubelt. Auch diese klassifizierten den Glasinhalt als ‘Whisky mit Format’, ‘Klasse-Whisky’ und ‘guten Schluck’. So schnell kann es gehen.

Die Gründe der SWA, Paxarette aus der Whisky-Produktion zu verbannen, sind einleuchtend und scheinen nicht nur auf den ersten Blick dem Schutz des Konsumenten zu dienen. Zu leicht könnte Durch- und Unterdurchschnittliches dem Whiskyfreund untergejubelt werden. Eventuell wäre aber auch ein Mittelweg, nämlich eine Kennzeichnungspflicht für die Verwendung von Paxarette eine probate Lösung gewesen. Das rundweg positive Fazit, dass ich nach dem Testen dieses Stoffes ziehen konnte, lässt mich für meinen Teil noch unentschieden zurück…

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. Robert

    Das ist ja hochinteressant. Gibt es ev. wo eine Möglichkeit, Paxarette legal zu beziehen?

  2. So wie es sich hier anhört, kann man Paxarette durch das Einreduzieren von Traubensaft und PX-Sherry selbst machen: http://www.masterofmalt.com/barley-spirit/professor-cornelius-ampleforth/proprietary-barley-spirit-drink/

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