Teetrinken in Stockholm – Roi de Yunnan FTGFOP1

Bereits unser Gastautor Marius Kleiner hat in seinem Artikel über Stockholms Bars einen Einblick in die Getränke-Gastronomie dieser wundervollen Stadt gegeben. Während eines dreimonatigen Aufenthalts in Schweden, habe ich mich immer wieder über das staatliche Alkoholsystem geärgert. Es schien mir irgendwann eine reine Schikane für Personen ohne schwedische Personennummer – eine Nummer, die man in diesem Land für nahezu alles braucht. Man bekommt in den Läden von System Bolaget auch so eine große Auswahl, aber der richtig gute Stoff muss über das Internet bestellt werden… Mit Personennummer. Es gibt allerdings einen anderen guten Stoff an den man ganz einfach kommt. Tee.

Ich trinke schon immer sehr viel Tee. Zum Frühstück, bei der Arbeit und auch der Nachmittags-Tee nach der Arbeit ist eine feste Konstante für mich geworden. Immer den losen Tee, in diversen Ausführungen. Und so dachte ich, dass ich mich mit Tee ganz gut auskenne und auch wirklich nur sehr gute Sorten trinken – Weit gefehlt. Da mein, aus Deutschland mitgebrachter, Teevorrat sich dem Ende neigte, war ich bei einem meiner Besuche der Altstadt Stockholms, Gamla Stan, auf der Suche nach einem Teeladen. Nach langem Suchen fand ich zufällig das Teahouse Chaikhana, direkt an der deutschen Kirche.

Mittlerweile war ich dort des Öfteren zu Besuch, um neue Tees zu probieren und einzukaufen.  Seit dem weiß ich, dass das Thema Tee nicht viel weniger komplex ist, als es zum Beispiel bei Wein der Fall ist. Es gibt eine sehr große Sortenvielfalt, verschiedene Länder, verschiedene Teeplantagen, mehrere Erntezeitpunkte, unterschiedliche Ernte- und Verarbeitungsmethoden und sogar Jahrgänge spielen bei bestimmten Sorten eine Rolle.

Jeder Tee der bei Chaikhana zum Verkauf angeboten wird, kann auch direkt vor Ort getrunken werden. Mit Sandwiches, Kuchen oder auch sehr gutem Brioche, lässt es sich dort leicht mehrere Stunden aushalten.  Die Gäste schienen mir immer viel entspannter ihre Zeit zu genießen als es beim Kaffeetrinken der Fall ist. Den bekommt man dort übrigens nicht. Was ich sehr gut finde, da der Kaffeegeruch die Tee-Aromatik sicherlich sofort überlagern würde.

Tee ist teuer, teurer als Kaffee. Ein Umstand der dadurch wettgemacht wird, dass man sich mit jedem Tee sehr vielfältig auseinander setzen kann. Bis man herausgefunden hat, wie die Zubereitung am besten gelingt, können einige Tassen getrunken worden sein. Wen das Thema näher interessiert, dem empfehle ich diesen Artikel über zwei Hauptzubereitungsmethoden.

Einer der Tees, der mich sehr begeistert hat, ist ein Schwarztee aus der chinesischen Provinz Yunnan. Dort findet man diese Art von Tee unter dem Namen „Dian Hong“, was übersetzt „Roter Tee“ bedeutet.

Roi de Yunnan FTGFOP 1

Inzwischen habe ich schon einige Experimente, die Ziehzeit und Teemenge betreffend, hinter mir. Bis jetzt gefällt mir der Tee am besten mit ca. 5g auf 300mL nach 3-3,5 Minuten. Die Wassertemperatur sollte bei 95°C liegen. Die noch trockenen Teeblätter riechen sehr floral und leicht süßlich. In der vorgewärmten Teekanne ist bereits eine leichte Malznote auszumachen. In der Tasse wird diese noch deutlicher. Der Geschmack ist vordergründig genau diese, wunderbare Malznote mit einer gewissen Bitterkeit. Dies geht über in einen ganz leicht süßlichen Geschmack nach Orange und hält sehr lange an. Ganz zum Schluss verschwindet die Bitternote und gibt weitere, fruchtige Aromen frei. Eine weitere Dimension kann man durch die Zugabe einer dezenten Menge Zucker gewinnen. Dies nimmt den Malzgeschmack ein wenig zurück und bringt eine interessante Vanillenote mit sich.

Ein zweiter Aufguss ist möglich. Der Tee wird runder und gefälliger. Das Malzige wird aber nicht wieder so schön wie beim ersten Aufguss. Um den Geschmack des Tees ausklingen zu lassen, ist es genau das richtige. Mir gefällt das Geschmacksbild vorher allerdings besser.

Philipp Jäckel

Das Wissen um die Bar so wie einiger ausgewählter Themen im Detail kommen größtenteils nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Cocktail- und Barkultur in seiner Freizeit. Begonnen hat das alles 2006.
Einzelne Schwerpunkte im Bereich der Getränke legt Philipp in der Bar zu Hause nicht. Neben allerlei Spirituosen haben auch Bier und Wein ihren festen Platz gefunden.

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