Back to Basics: Gosling’s Family Reserve und Sea Wynde

Das Rum-Trinken startet für gewöhnlich mit einfachen Qualitäten. Garnicht mal jenen, die zum puren Genuß gedacht sind. Leichtes Vortasten zu den sogenannten Premium Produkten führt zum Beispiel über Appleton Extra oder El Dorado 12 YO. Wer richtig Geld ausgeben möchte kauft dann als nächstes vielleicht eine Flasche Zacapa 23. Und so geht es weiter. Irgendwann danach folgten bei mir Gosling’s Family Reserve und Sea Wynde.

Die beiden standen jetzt lange im Regal und getrunken wurden eher Abfüllungen zum Beispiel von Cadenheads. Das ist halt der Freak-Stoff. Und der macht Spaß… ist aber oft eher anstrengend. Als vor kurzem etwas Entspanntes ins Glas kommen sollte, fiel die Wahl auf Gosling’s Family Reserve. Eine Flasche, die bestimmt vor 4 oder sogar 5 Jahren gekauft wurde (2005 abgefüllt). Der Rum hat mir schon immer sehr gefallen, aber noch nie so gut wie jetzt.

Jeder Schluck macht einfach Spaß und schmeckt, ganz salopp gesagt, nach Rum. In der Nase Karamel und Honig, sowie Fass-Aromen. Dunkle Aromen am Gaumen werden immer noch von sehr viel Kraft getragen. Ganz zum Schluss blitzt die Gosling’s typische Lakritz-Note zwischen dunkler Schokolade kurz auf. Gosling Family Reserve ist für mich der Rum, den man auf einer einsamen Insel findet, wo er viele Jahre zuvor vergessen wurde.

Ähnlich präsentiert sich der Sea Wynde, welcher auch schon ein paar Jahre offen ist. Natürlich als vollkommen gegensätzlicher Stil. Aber ein Rum, den man einfach in ein großes Glas gibt und trinkt. Wie so oft in Boardwalk Empire oder Mad Men zu sehen, kann man hiermit ganz cool im Sessel entspannen oder am Schreibtisch arbeiten und nebenbei den Rum genießen. Einen Rum bei dem das so entspannt möglich ist kenne ich sonst nicht. Der Sea Wynde bringt die nötigen Ecken und Kanten mit, um nicht zu suggerieren, dass hier Easy-Drinking für jeden im Glas ist. Aber für all diejenigen, die schon die ganz abgefahrenen Sachen getrunken haben.

Das Aroma ist wunderbar rund, mit Tönen von Orangenzeste und weißem Pfeffer. Die Herkunftsländer Guyana und Jamaica springen einem immer noch direkt entgegen. Leicht scharf beginnt es auf der Zunge. Es folgt eine Aromenkonzentration mit einzelnen Spitzen, die trotzdem so wunderbar rund wirkt. Der Abgang mit Grapefruit, Ananas und weißer Schokolade erzeugt noch lange ein leichtes Kratzten im Hals. Auf diesem Rum müsste eigentlich folgender Serviervorschlag stehen: Man stelle eine Flasche Sea Wynde auf den Tisch, um den (nicht zu viele) Rum-Freunde versammelt sind und schenke großzügig ein. Eine Flasche, ein Abend und kein Nerd-Talk über Rum. Einfach viel Trinklaune.

Philipp Jäckel

Das Wissen um die Bar so wie einiger ausgewählter Themen im Detail kommen größtenteils nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Cocktail- und Barkultur in seiner Freizeit. Begonnen hat das alles 2006. Einzelne Schwerpunkte im Bereich der Getränke legt Philipp in der Bar zu Hause nicht. Neben allerlei Spirituosen haben auch Bier und Wein ihren festen Platz gefunden.

1 Kommentar

  1. Udo

    Kann mir jemand sagen was OA auf einer Flasche Batavia Arrak bedeutet. Habe eine alte verschlossene Flasche `bei meinem Onkel gefunden. Robinson Old Dry Original Batavia Arrak 56%. Mit einem Netz um die Flasche! Bremer Rum Contor steht hinten drauf. Kann man den Inhalt noch genießen, oder die ganze Flasche evtl. sogar verkaufen?????Wie alt ist diese Flasche denn ungefähr??????
    Danke Udo

Einen Kommentar schreiben