Last Word

Hayman’s Royal Dock Navy Gin im Praxistest

Bereits im Mai letzten Jahres in den USA auf den Markt gebracht, ist seit einigen Monaten der Hayman’s Royal Dock Navy Gin auf auf den heimischen Märkten erhältlich. Das Produkt wurde schon von Erhard Ruthner auf Eye for Spirits ausgiebig vorgestellt. Mir geht es daher heute um die Verwendbarkeit des Gins in der Praxis – wo kann das neue Produkt den Platzhirschen, den Plymouth Navy Strength Gin, übertrumpfen. Vorher aber noch eine kurze Anmerkung:

Der Royal Dock ist, soweit ich weiß, die erste Alternative zum Plymouth Navy Strength auf dem deutschen Markt, aber mitnichten global betrachtet. Derzeit sind mir insgesamt sechs Navy Strength Gins bekannt. Im Vereinigten Königreich sind noch der FEW Standard Navy Strength und der Bathtub Navy Strength zu erwerben. Den Perry’s Tot Navy Strength Gin der New York Distilling Company und Leopold’s Navy Strength Gin wird man wohl nur in den USA finden.

Auch ist es streng genommen nicht korrekt, ähnlich starke Gins wie den Blackwood 60% oder den Finsbury 60% als Alternativen zu Navy Strength Gins zu anzusehen. Navy Strength Gins  zeichnen sich allein durch ihren Alkoholgehalt von 100 britischen Proof (was genau 57,15 Volumenprozent sind) und 12/13tel der Dichte von Wasser (oder anders ausgedrückt 923kg/m³) aus.  Gins mit weniger als 57% sind keine Navy Strength Gins und Gins mit 58% und mehr sind schlicht starke Gins.

Nun will ich mich aber wieder auf die in Deutschland erhältlichen Gins Plymouth Navy Strength und Hayman’s Royal Dock konzentrieren und in einem Praxistest ihre Verwendbarkeit im Cocktail vergleichen. Den Anfang macht der Last Word.

Die Zutaten für diesen Drink, den ich sehr schätze, sind Gin, Chartreuse verte, Limettensaft und Maraschino. In den Rezepten sind zumeist gleiche  Teile gefordert, ich reduzierte den Maraschino-Anteil auf 1,5cl während ich die anderen Zutaten bei 2cl beließ.

Mein Eindruck war, dass der Drink mit dem Hayman Royal Dock etwas rauer und kräftiger wirkte und mit dem Plymouth Navy Strength dagegen etwas sanfter und milder. Die Ergebnisse waren gleichermaßen schmackhaft.

Der nächste Drink, in dem ich diese beiden Navy Strength Gins miteinander vergleichen habe,  war der Aviation (nach Camper English 6 cl Gin, 2 cl Zitronensaft, 1,5 cl Maraschino und 0,7 cl Crème de Violette). Auch in diesem Drink  machten die beiden Gins eine annähernd gleiche Figur wie im Last Word: Der Platzhirsch etwas sanfter und milder, der Newcomer etwas rauer und kräftiger. Aber beide Drinks waren absolut lecker.

Ich kann also nicht sagen, dass der eine Gin besser oder brauchbarer als der andere wäre. Dies kann aber wohl als Kompliment für den Hayman verstanden werden. Aus dem Stand dem Referenzprodukt auf Augenhöhe zu begegnen ist definitiv ein gelungener Start.

Wenn die Bewertung der Produkte selber zu keiner Entscheidung führt, dann kann der Preis den Ausschlag geben. Hier punktet der Hayman, der etwa vier Euro günstiger als der Plymouth ist – und dazu wesentlich besser verfügbar.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

sea_wynde
Gimonnet 2002

5 Kommentare

  1. Ein super interessanter Vergleich zweier bemerkenswerter Spirituosen. Dass der Plymouth Gin etwas weicher wirkt hängt wohl mit den verwendeten botanicals zusammen, weniger Wacholder, süßere Wurzeln und weniger bittere Pflanzenteile. Zwar ist Plymouth Gin laut Eu-Bestimmungen keine eigene Kategorie (sie entspricht der Definition des London Dry), führende Ginexperten, wie Gaz Regan – vgl. “The bartender´s Gin compendium” – bezeichnen Plymouth Gin trotzdem als eigenständigen Stil. Hayman´s steht mit dem Royal Dock eindeutig in der Tradition der London Dry Gins und benutzt daher prägnantere pflanzliche Rohstoffe.

  2. Oliver Steffens

    Hallo Erhard,

    vielen Dank für diese vervollständigenden Ergänzungen!
    Und es sei angemerkt, dass nach den EU-Bestimmungen auch Navy Strength Gin keine eigene Kategorie ist – das hätte ich eventuell im Artikel deutlich machen sollen…

  3. Mario Nette

    Interessanter Vergleich. Danke.

    Was ich mich frage, ist, warum der Plymouth Navy Strength zur Zeit eigentlich so schwer zu bekommen ist.
    Vor einem halben, dreiviertel Jahr war der noch überall problemlos verfügbar, mittlerweile muss man ihn mit der Lupe suchen.
    Naja gut, dann kann ich ja jetzt beruhigt zum Hayman’s RDNG greifen.

  4. @Mario Nette: hast du mittlerweile irgendwo einen guten Shop gefunden, wo es den Plymouth Navy Strength zu kaufen gibt? Für einen Tipp wäre ich dir echt dankbar!

Einen Kommentar schreiben