Mixing Johnnie Walker Blue Label

Johnnie Walker Blue Label gehört für mich zu dem kleinen Kreis von Klassikern, die immer gesetzt sind. Vergleichbar mit Krug oder Bollinger im Champagnerbereich, Martell Cordon Bleu beim Cognac oder einen burgundischen Grand Cru handelt es sich hierbei um einige, wenige Abfüllungen, die im Regelfall drei Merkmale erfüllen:
1. Es handelt sich um international bekannte Produkte, meist von namhaften Herstellern.
2. Sie bestechen mit einer großen Konstanz bei der Produktqualität.
3. Sie sind im hochpreisigen Segment angesiedelt.

Interessanterweise finden wir solche Produkte häufiger im Wein- denn im Spirituosenbereich. Blue Label trifft hierbei jedoch den Kern. Ein alt-ehrwürdiges Haus, das Flaggschiff der Produktionslinie, im den Globus bekannt und immer hervorragend in der Qualität. Eine sichere Bank – zum hohen Preis.

Pur genossen bereitet dieser Whisky großes Vergnügen, absolut ausbalanciert zwischen tiefgründiger Kraft und feiner Eleganz. Deswegen habe ich mich intensiver mit möglichen Verwendungsmöglichkeiten in gemixten Drinks beschäftigt – der Mehrwert des Mischens

Dass die anvisierten Getränke reduzierter Natur sein sollten, um dem Whisky das Spielen der ersten Geige zu überlassen, war klar – der Rest weniger. Schlussendlich möchte ich drei Drinks vorstellen, die am besten funktionierten. Alle verfolgen ein ähnliches Konzept.
Gerührte Drinks, deren Hauptbestandteil der Whisky ist, ergänzt um einen leichten Weinaperitif bzw. einen Verwandten, aromatisch abgerundet mit Kräutern oder Bitters:

Woolworth (John Deragon, 2007)
6 cl Scotch Whisky
3 cl Palo Cortado Sherry (Manzanilla im Original)
1,5 cl Bénédictine
2 dashes Orange bitters
stir – straight – lemon twist

Ich beginne mit meinem persönlichen Highlight von drei wirklich gelungenen Drinks.
Der Woolworth verhilft dem Whisky zu sofortiger Präsenz. Der Drink unternimmt eine herrliche Reise über die Zunge, changiert immer wieder zwischen Malz und Kraft vom Whisky, Kräutern des Likörs und Nussigkeit, Frucht und Leichtigkeit des Sherrys. Die schnell klebrig wirkende Honig-Süße des Bénédictines fällt nicht auf und ist perfekt eingebunden. Der Sherry ist der optimale Mittler in diesem Getränk, das einem guten Whisky zu höchsten Ehren verhilft. Absolut empfehlenswert.

Prince Edward (Stan Jones, 1977)
6 cl Scotch Whisky
1,5 cl Lillet Blanc
0,75 cl Drambuie
2 dashes Orange Bitters (ergänzt von Jim Meehan, nicht im Originalrezept enthalten)
stir – straight – orange twist

Ein ähnliches Konzept, jedoch stärker auf der Whisky-Seite. Trotzdem fällt die – an der kleinen Menge gemessene – Dominanz des Drambuie bereits in der Nase auf. Ein schwererer, süßerer Drink, ’scotchiger‘ – und weniger balanciert. Eine breitere Klaviatur an Aromen tut dem Blue Label gut – hier wirkt er eingeengter als im Woolworth. Für Rusty Nail-Liebhaber ist dieser – trotzdem gute! – Drink sicherlich eine willkommene Abwechslung. Mir hat er jedoch zu viel Süße mitgebracht.

Bobby Burns (Fancy Drinks, 1902)
6 cl Scotch Whisky
1,5 cl Italian Vermouth (Antica Formula)
1 BL Bénédictine
stir – straight – lemon twist

Ein absoluter Klassiker unter den konzentrierten Scotch-Drinks, der Bobby Burns, funktioniert wunderbar mit Blue Label. Genug Platz für den Whisky, aber auch ausreichend aromatische Ergänzung. Besonders gut gefällt mir die leichte Bitterkeit durch die Kräuter im Vermouth, eine noch stärkere Verschiebung in Richtung Whisky könnte mir auch gefallen. Die Zitronenzeste ergänzt optimal, die dezente Frische ist nicht unwichtig.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen!
Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

2 Kommentare

  1. Ahoi, das liest sich doch hervorragend. Der Woolworth wird direkt getestet. Einer meiner neuen Lieblinge ist der Rapscallion. Der würde dem Johnny bestimmt auch gut zu Gesichte stehen.

    -> http://www.kindredcocktails.com/cocktail/rapscallion

    Cheerio

  2. Ja, ein cooler Drink! Ich habe nur eine zu starke Dominanz der PX-Süße gefürchtet… Dagegen wird meistens ja mit Islay.Malt gearbeitet – so ein stabiles Kreuz hat der BLue Label dann doch nicht… 😉

Einen Kommentar schreiben