…und darum Riesling! Dönnhoff Felsenberg GG 2010

Neben meiner großen Begeisterung für Champagner ist mein kleiner Weinkeller vor allem von einer Sorte Wein geprägt: trockenen deutschen Rieslingen. Ich liebe diese eleganten Weine mit toller Frucht, die selten fett und speckig sind, dafür umso ausgeformter und feiner und solch fantastische Speisenbegleiter sind. Die Balance zwischen Frucht und Samtigkeit, Floralität und Kraft reizt mich immer wieder.
Und dazu kommt folgendes: Wirklich große trockene deutsche Rieslinge, sieht man von ein paar Weinen von Keller und Bürklin-Wolf einmal ab, bekommt man für 30 bis 40 €. Ohne Frage viel Geld für eine Flasche Wein, aber wenn man den Wein probieren möchte, ist es möglich! Will man solch Spitzenqualitäten kaufen, zahlt man in Burgund – eine andere Art Wein, definitiv – für einen Grand Cru schnell Summen ab 150 €. Eine Grenze nach oben gibt es nicht – Le Montrachet von DRC kostet gern auch 2500 €… Auch darum mag ich deutschen Riesling. Das qualitative Ende der Skala kann man kennenlernen, wenn man möchte. Sicher nicht jeden Tag, aber machbar ist es doch.

Ein wunderbares Weinerlebnis mit einem solchen Wein hatte ich gerade kürzlich und ich kann euch nur empfehlen, es mir nachzutun. Ihr werdet es nicht bereuen.

Das Weingut Dönnhoff von der Nahe zählt schon lange zu meinen Lieblingen. Ich schätze die Präsenz der Weine, die dabei nie aufdringlich werden. Mit minimaler Reife kam der noch sehr junge Felsenberg GG 2010 ins Glas – und lud ein zu einer Reise. Der Wein braucht noch Luft, war aber doch so schnell getrunken, dass die leere Flasche für das Foto herhalten musste…

Nase:
Tief und voll, trotzdem kein Kraftprotz. Traubenzucker, Ananas, Litschi und Maracuja. Danach Akazienhonig mit toll eingewobener Frische, Nimm2-Bonbons, Kräuter, eine präsente Floralität und starke Mineralität.
Gaumen:
Ein sehr harmonisches Gesamtbild von Anfang bis Ende – dieser Wein strengt nicht an! Nichtsdestotrotz bietet er eine breite Palette an, sodass ihm der Bogen aus Spannung und Entspannung hervorragend gelingt. Nichts stört hier, momentan findet man viel viel Frucht. Ananas! Mit Zeit gesellen sich Kräuternoten dazu; Basilikum und erneut der Akazienhonig. Der Wein ist weich wie die Oberfläche einer Aprikose, nach hinten kommen Säure und Mineralität dann mit einer ungeahnten Intennsität dazu, die das gesamte Trinkerlebnis prägt. Der Wein bekommt mehr Fokus, wird zupackender und präsenter. Dazu eine dezente Vanille – und große Lust auf den nächsten Schluck!
Abgang:
Vor allem geprägt von Säure und Mineralität – ein langer und intensiver Nachhall.

Dönnhoff: nicht monströs, fett und überbordend, sondern präsent, zugeschnitten und ausgewogen im Glas stehend. Großartig. Eleganz und Frucht, präsente Energie und Trinklaune ohne Anstrengung sind hier keine Widersprüche, sondern werden zu Attribut-Paaren, auf die man nicht mehr verzichten möchte.
Dieses feine Trinkerlebnis bekommt ihr für extrem faire 31,00 € ins Glas… Oder, wenn ihr schnell seid, auch für 24 € im Abverkauf Viel Spaß!

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

Die Verkündigung der Prohibition Zyklus Opus 492

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