Pastis und Anisée – eine Empfehlung

In meinem zweiten Artikel zum Thema Pastis möchte ich nun bekannt geben, welche Pastis mir denn nun geschmeckt haben. Dazu stelle ich diese noch einmal kurz in alphabetischer Reihenfolge vor:

 

Pastis Duval kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, der Ursprung des Hauses liegt im Jahre 1798.
Das Produkt ist sehr aromatisch, hat eine gute Anisnote. Riecht tatsächlich süßer, als es schmeckt, ist mir aber einen Tick zu süß.

Ein rundum gutes Produkt!

 

 

 

 

 

 

 

Das Haus, aus dem der Pastis Henri Bardouin stammt, die Distilleries et domaines de Provence, existiert auch schon immerhin 115 Jahre.

Der Henri Bardouin Pastis kam 1990 auf den Markt und wurde nach einem Destillateur des Hauses aus den vierziger Jahren benannt.

Ich muss zugeben, der Pastis Henri Bardouin  war schon im Vorfeld mein geheimer Favorit, nachdem der Alchemyst diesen in seinem Artikel so pries.

Und er hat auch nicht enttäuscht, die 65 Kräuter und Ingredienzien, die im Henri Bardouin stecken, zahlen sich aus.

Ganz tolles, klares  Aroma in der Nase. Am Gaumen sehr würzig, erfrischend, aromatisch, rundum gelungen.

 

 

 

 

 

 

Die Destillerie Janot ist noch verhältnismäßig jung, sie wurde erst 1928 gegründet. D.h. sie konnte nicht auf eine Absinthproduktion zurückblicken und nach dem Verbot des Absinths daraus einen Pastis ableiten, wie es die älteren Häuser getan haben.

Vielleicht lag es daran oder daran, dass Janot sehr viele verschiedene Produkte anbietet: der Pastis Janot konnte leider nicht überzeugen.

Aroma wie Geschmack ziemlich dünn, kaum Anis. Kein Totalausfall, aber muss man nicht haben.

 

 

 

 

 

 

Der Pastis du Liquoriste  stammt aus der Liquoristerie de Provence. Leider konnte ich zu diesem Haus nicht viele Informationen finden.

Es hat aber noch zwei weitere Pastis im Portfolio, die sehr interessant aussehen, der Pastis du Liquoriste ist aber definitiv nur etwas für Lakritzfreaks.

In der Nase Lakritz und etwas Fenchel, Gaumen leckerste Lakritzpastillen, aber zum Glück ohne die überbordende Süße, die diese Pastillen so oft eigen ist.

Tolles Produkt, aber ganz sicher nicht jedermanns Sache.

 

 

 

 

 

 

 

Der Pastis Lou Garagai stammt ebenfalls aus dem Haus Janot.

Allerdings möchte ich hier kurz und bündig feststellen: Überhaupt nicht meins.

Die Nase sehr süß, erinnert etwas an Badesalz, am Gaumen etwas Florales (Lavendel?), dass mich hier total stört.

Leider nicht empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

Pastis 51. Wird zwischen den beiden großen Marken Pernod und Ricard nur selten wahrgenommen.

Er stammt aus dem Haus Pernod und ist seit dem Zusammenschluss von Pernod und Ricard 1975 so etwas wie der kleinste dreier Brüder.

Obwohl der Name von Pastis 51 für das erste Herstellungsjahr 1951 steht, wird er mitunter auch als das ideale Mischungsverhältnis für Pastis 51 interpretiert: 5 Teile Wasser auf 1 Teil Pastis.

Der Pastis 51 hat einen feinen, würzigen, kräutrigen Geschmack. Ein sehr gutes Produkt – bei Pernod Ricard weiß man eben, wie man Pastis macht.

 

 

 

 

 

Pernod, der alte Platzhirsch.

Intensive, goldgelbe Farbe; ganz anders, als bei den anderen Pastis.

In der Nase deutlich Anis, würzig, riecht für mich nach Südfrankreich.

Herkömmlich mit Wasser gemischt lecker, im Vergleich mit der anwesenden Konkurrenz aber nicht wirklich überzeugend.

In meinen Augen will Pernod gar nicht mit Wasser getrunken werden. Pernod ist halt Pernod Cola.

 

 

 

 

 

 

Ricard – meine persönliche Überraschung in diesem Test.

Wirklich gut! Nicht ganz so gut wie der Henry Bardouin, aber direkt dahinter.

Sehr würzige Nase, Kardamom, kaum Süße.

Am Gaumen setzt sich dies fort: würzig, kräftig, gute Anisnote. Gefällt mir!

 

 

 

 

 

 

Damit ist die Katze auch aus dem Sack: Meine Favoriten sind Henri Bardouin, danach Ricard und dann Duval. Pastis 51 war ein harter Konkurrent um den dritten Platz, letztlich hat mich aber auch das äußerst gute Preis-Leistungs-Verhältnis des Duval (rund elf Euro für die 0,7-Liter-Flasche) dazu bewogen, diesem den Vorrang gegenüber dem Pastis 51 zu geben.

Übrigens: Mithilfe des Louche-Effekts kann der Anisgehalt verglichen werden: Je trüber die Flüssigkeit bei einem bestimmten Mischungsverhältnis wird, desto mehr Anis ist im Destillat enthalten.

 

Nun hoffe ich, dass dieser kleine Test dem dem Pastis geneigten Leser die Wahl seines persönlichen Favoriten erleichtert hat und wünsche angenehme Erfrischung im lauen Schatten während heißer Sommertage – mit einem Glas Pastis in der Hand!

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

4 Kommentare

  1. Mein Favorit ist ganz klar der Duval, obwohl der Pernod auch nicht zu verachten ist. Alles in allem eine tolle, informative Übersicht und auch schöne Bilder! Großes Lob!

  2. Kookie

    Trinke seit vielen jahren Henri bardouin. In meinen Augen (oder besser Gaumen) unübertroffen!

  3. Hdh

    Hallo, welchen Pastis würde man denn jemandem empfehlen, der eher Pernod und nicht Ricard mag? Und es eben nicht schon wieder Pernod sein soll… 🙂 Danke!

  4. Oliver Steffens

    Hallo HDH,
    da rate ich zum Henri Bardouin. Duval wäre sicher auch noch eine Alternative, doch der ähnelt doch schon sehr den nicht gewünschten Pernod und Ricard, daher am Besten gleich den Henri Bardouin ausprobieren.

    Viele Grüße!
    Oliver

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