Was die Großen können… Lanson Noble Cuvée 2000

Da ist sie wieder. Die Frage, was man bloß trinken soll. Der Anlass ist des Feierns absolut würdig, der französische Spitzenschaumwein also gesetzt. Aber welche Flasche öffnen? Nicht jeder teilt des Gastgebers Liebe zu undosiertem Freakstoff und obwohl dies eine Taktik wäre, mit der ziemlich viel Verkostungsmaterial für einen selber bleibt, ist es doch keine gute Idee. Wir wollen die Gäste ja auch nicht verschrecken. Der Griff zum bekannten Standard wäre nun angemessen. Bollinger, Egly-Ouriet, Billecart-Salmon, Pierre Moncuit oder Bruno Paillard, um nur sehr wenige zu nennen, bieten fantastische Basisqualitäten. Soll es aber darüber hinaus gehen, drängt sich der Griff zur klassischen, alteingesessenen Prestige Cuvée des Grande Maison auf. Warum also nicht mal wieder die eigene Vorurteilsschublade gegen Dosage und Co. schließen und schauen, was der Keller hergibt…?
In unserem Fall war es eine Flasche Noble Cuvée 2000 von Lanson – sie sollte den Abend veredeln. Vorweg die harten Fakten: 70 % Chardonnay, 30 % Pinot Noir. Mit Avize, Cramant, Verzenay und Bouzy in vier Grand Cru-Orten der Champagne gelesen und mindestens fünf Jahre auf der Hefe gelagert. In diesem Fall sicher deutlich länger, die Flasche zeigte sich nicht übermäßig erfüllt von Reifetönen und auch der Korken weitete sich noch sehr anständig. Keine Malo – wie immer bei Lanson!

Nase:
Weiße Blüten, Jasmin, Brioche und Toast, helle Früchte. Sehr unaufdringlich und angenehm, eine feine Leichtigkeit und eine schöne Eleganz tretren hervor. Kein Laut-Sprecher. Nach einiger Zeit stoßen noch die klassischen Kaffee- und Mandelrösttöne dazu.

Gaumen:
Auch hier die tänzelnde Leichtigkeit. Floralität, subtile Frucht. Etwas Grapefruit, grüner Apfel, nach hinten etwas Vanille. Deutlich Birne und Apfel. Eine gute Säurestruktur begleitet das Trinkvergnügen vortrefflich, kommt aber erst im Abgang deutlicher hervor.

Abgang:
Die knackige Säure ist hier zum ersten Mal präsent. Die fehlende Malo macht sich mit einem zitrusfrischen, angenehmen Abgang bemerkbar.

Was können sie nun also, die Großen? Die Balance zwischen Gefälligkeit und Seriosität. Champagner, die fast jedem gefallen, neigen zu gähnender Langeweile. Man schaue sich die Basisweine diverser großer Häuser an. Aber im Spitzenbereich gelingt einigen Häusern dahingehend der große Wurf, dass Weine erzeugt werden, deren spielerische Leichtigkeit und Zugänglichkeit sie für jeden leicht verständlich machen, die auf der anderen Seite jedoch die Klaviatur des Champagners so zu spielen verstehen, dass sie auch immer faszinierend bleiben. Das ist Lanson in diesem Fall vortrefflich gelungen. Tolle Ausgangsweine bester Lagen ermöglichen solche Trinkvergnügen – wie immer wird nur Qualität hervorgebracht,  wenn auch Qualität hineingebeben wird.

Wahrscheinlich könnte man aus diesen Grundweinen auch mineralischere, trockenere und geradlinigere Weine machen. Aber muss man das immer? Ich denke nicht.

Die Erdbeersaison ist zwar schon verstrichen, aber die Noble Cuvée schmeckt auch so. Dekadenter Trinkstoff im positivsten Sinn. Santé.

 

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen!
Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

Slivovitz

Einen Kommentar schreiben