Was macht der Alkohol im Salat? – Der Alpine Rabbit

Dem allgegenwärtigen Wetter-Gemecker zum Trotz: Der Herbst hat auch etwas Gutes. Im Herbst hat man Zeit. All die großen Projekte, die im Sommer einfach Urlaubszeit, Strand, Grillfesten und Outdoor-Parties zum Opfer gefallen sind, lassen sich jetzt angehen.

Ich für meinen Teil setze mich mit einem inneren Dogma auseinander: Gemüsesaft in Cocktails. Der einzige Cocktail, in welchem für mich Gemüsesaft etwas zu suchen hat, ist die Bloody Mary. Und die läuft bei mir nicht unter Genuss, sondern als flüssiggewordenes Statement: Einerseits des Gastes, um sich und den Umstehenden zu beweisen, dass man selbst das Gesunde noch mit nem harten Schuss aus der Pulle kombiniert. Andererseits des Bartenders, der nicht nur eine Bloody Mary serviert, sondern mittlerweile einen Signature Drink, mit eigens kreierten Gewürzmischungen, Tomatenwasser, usw. Das ist gut. Schlimm ist aber: Die Bloody Mary ist das Ventil des Bartenders, mit dem er all seinen kreativen Anarchismus in einem Drink ausleben kann, den man sonst dem Kunden nicht guten Gewissens unterschieben kann – Wasabi, Speckdeko und Muschelbrühe inklusive.
Einen gut komponierten Drink, der Gemüsesaft enthält, ohne herauszuschreien “Ich bin so innovativ; riskier’ mal was.”, sondern bei dessen Genuss man das Gefühl hat, das Gemüsearoma gehört da einfach rein, ohne hervorzustechen, habe ich lange Zeit nicht entdeckt (vielleicht hat ja ein Leser eine gute Idee?)

Bis ich vor kurzem auf folgenden Cocktail stieß:

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The Alpine Rabbit

von Cory Baldwin, Saveur.com

4,5 cl Bourbon (z.B. Elijah Craig 12)
4,5 cl Karottensaft
0,8 cl Walnusslikör (z.B. Chartreuse Eau de Noix)
0,5- 1,5 cl Zuckersirup (Dunkler Rohrzucker, Menge nach Süße des Karottensaftes variieren)
Etwas Salz

Auf Eis shaken, über einen großen Eiswürfel im Tumbler abseihen. Mit einer dünnen Scheibe Ingwer garnieren.

Der Cocktail beginnt mit der Süße der Karotte und des Walnusslikörs, der vom Bourbon abgelöst wird. Ein kräftigerer Vertreter wie der Elijah Craig 12 tut dem Cocktail gut. Die Karotte bleibt präsent, fügt sich aber in das gesamte, herbstlich-süß-volle Aroma des Drinks ein.

Gemüsedrink meets 2013 – davon gerne mehr.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Historischer Chartreuse im Vapodest

2 Kommentare

  1. Werner

    Ja, dies ist ein Dalat den ich mit sicherheit essen wurde 🙂

  2. Ursula Kamen

    Am Freitag ausprobiert und kann es nur weiter empfehlen!!! Meine Gäste waren begeistert!!! 🙂
    Danke!!

    Gruß Ursi

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