Salon 1999 – Le Mesnil pur.

Salon 1999

Einen Salon zu trinken, ist immer ein Erlebnis.

Viel zu rar ist dieser Champagner – und vor allem: teuer. Für unentspannte 250 € bekommt man eine Flasche des aktuellen Jahrgangs, ältere Weine werden sehr schnell deutlich teurer. Damit ist Salon neben Krug einer der wenigen Champagner, die wirklich zügig eine starke Preissteigerung durchmachen. Eine Flasche 1996 wurde kürzlich bei eBay für über 400 € verkauft…

Durch eine glückliche Fügung konnten wir für die traditionelle trinklaunige Dezemberverkostung eine Magnum des aktuellen Jahrgangs 1999 zu einem sehr vertretbaren Kurs ergattern. Dass dieser Wein extrem jung sein würde, war klar. Neben dem ohnehin enormen Alterungspotential, für das Salon bekannt ist, kommt hier der Faktor Magnumflasche und die damit verlangsamte Reifung hinzu. Es sollte also ein Babywein ins Glas kommen.

Zu den harten Fakten: Hier reinschauen. Prinzipiell hat sich nicht viel geändert. Mono-Cru, 100 % Chardonnay, sehr geringe Dosage – 100 % Le Mesnil und seit Anbeginn (1928) der Idee folgend, die wir heute Winzerchampagner nennen.

Der großartige Moment, diese wunderschöne Magnum zu entkorken, war gekommen. Und ätherisch, mit einem leichten Stich ins Grüne, fließt der Champagner essenzartig in die Gläser und es entfaltet sich bereits ein eleganter, wahnsinnig reiner Duft auf dem Tisch…

Salon 1999 Magnum

Salon 1999 Magnum

Nase:
Mineralisch, kein bisschen Frucht. Tief und rein, intensiv grün-grasig. Sehr jung, pure Frische. Kreide.

Gaumen:
Als erstes – ganz klar: Dieser Wein ist jung. Irre jung. Dementsprechend braucht er einen Moment und das zweite Glas – Magnum sei Dank – wird sich noch deutlich weiterentwickelt präsentieren. Aber zurück zum ersten Schluck: Messerscharf die Säure, dieser Wein ist ein Präzisionsskalpell. Subtil, äußerst elegant – ein sehr schlanker Wein. Wie erwartet Le Mesnil, sehr mineralisch – natürlich… Kreide und Kalk, sehr feingliedrig und gut strukturiert. Wieder kaum Frucht, nur ein wenig Grapefruit und Yuzu. Beeindruckende Konzentration und hohe Stringenz. Das Schöne daran: der Wein ist sehr jung, aber kein bisschen verschlossen! Nicht zugenagelt, sondern absolut präsent!

Mit Zeit kommen florale Töne dazu, Lindenblüten und Jasmin, ferner etwas Vanille. Und es gesellt sich ein feiner Schmelz hinzu. Das Mundgefühl wird charmanter und cremiger, Kokos und Mandeltöne bahnen sich an, bleiben aber im Hintergrund.

Abgang:
Hat am Anfang die Säure den Abgang noch stark dominiert, wird er nun abgerundet, feiner, weicher und etwas bequemer. Eine ganz dezente Birnenfrucht ergänzt das cremige Mundgefühl – die allgegenwärtige Säure bleibt aber sehr präsent.

Erneut ein absolutes Erlebnis. Großartig! Und wieder zeigt sich: Salon ist kein Blockbuster. Er ist vielmehr eine Extremform des Champagners, wie es sie nur sehr sehr selten gibt. Le Mesnil in purster, reinster Form. Ein Champagner, der auf seine Art so konsequent ist und den ganzen Weg geht – dabei aber kein bisschen in die Breite geht. Eine Richtung, 100 % umgesetzt – nichts anderes. Man muss mutig sein, so einen Wein zu machen. Vermutlich neben dem Clos du Mesnil der einzige Wein dieser Art.

Salon 1999

Salon 1999

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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