Vintage Port im Wandel der Zeit

Portwein ist ein fester Bestandteil der Barkultur. Eigentlich. Denn bedauerlicherweise findet man heutzutage nur selten Trinkstätten, die den süßen und alkoholstarken Wein aus dem Douro-Tal in angemessener Form anbieten. Dies ist mir, zumindest bei Ruby und Tawny Port, nicht ganz verständlich, denn schon diese verhältnismäßig einfachen und preiswerten Portweinstile bieten viel Trinklaune und können Basis für hervorragende Drinks sein. Etwas anders verhält es sich mit Vintage Port. Dieser muss im Hinblick auf herausragende Qualität nicht nur oft in spekulativer Erwartung gekauft werden, sondern anschließend auch noch auf eine Dauer von 20 oder mehr Jahren im eigenen Keller gepflegt werden. Während dieser Lagerdauer ist der Port für den Gastronomen zumeist nichts anderes als gebundenes Kapital und damit auch ein Risiko, dem sich nicht jeder Barbesitzer aussetzen will oder kann. Einer der das Risiko glücklicherweise auf sich genommen hat ist Charles Schumann, der seit der Eröffnung des Les Fleurs du Mal im Oktober 2013 zahlreiche hervorragende (Vintage) Ports im offenen Ausschank anbietet. Seine weltberühmte Bar am Odeonsplatz in München war damit auch der ideale Veranstaltungsort für die Verkostung „30 years of Port-Evolution“ zu der Symington Family Estates und Smart Wines geladen hatten.

Bar

Das Unternehmen Symington Family Estates ist mit einem weltweiten Anteil am Portweinmarkt von über 30 % ein absolutes Schwergewicht in der Weinbranche und es war eine große Ehre, dass der Direktor des Hauses, Dominic Symington, persönlich durch diese mannigfaltige Verkostung von jüngeren und älteren Spitzenportweinen führte. Ziel der Veranstaltung war es, die Entwicklung von Vintage Port über den Zeitraum von 30 Jahren kennenzulernen.

Die Verkostung begann mit zwei Abfüllungen aus dem sehr heißem Jahr 2012, welches mit nur 325 mm/m² Niederschlag die Weinmacher vor einige Herausforderungen stellte. Dass es trotzdem gelang ordentlichen Vintage Port zu produzieren, zeigte insbesondere der Quinta do Vesuvio Vintage Port 2012, der dem Senhore da Ribeira Vintage Port 2012 leicht überlegen war. In diesem jungen Stadium besaßen beiden Ports noch eine deutliche Weincharakteristik und erinnerten, nicht nur wegen ihrer kirschroten Farbe, an kalifornischen Zinfandel.

Im zweiten Flight ging es dann bereits an die älteren Kalibern. Graham’s Vintage Port 1980, 1983, Dow’s Vintage Port 1985  und Quinta do Vesuvio Vintage Port 1994 standen auf dem Programm – Allesamt bereits im Vorfeld von Symington dekantiert. Besonders die beiden Graham’s Jahrgänge wussten mit einer enormen Komplexität und Tiefe zu überzeugen, wobei der 1983er filigraner wirkte als der kraftvolle 1980er. Sowohl der 1980er als auch der 1983er waren spannende Beispiele dafür, wie Vintage Port sich in gut 30 Jahren in den Flasche verändert. Die kirschrote Farbe der jungen Abfüllungen wandelte sich in ein oxidatives Braun und die frischen Fruchtaromen werden subtiler, verwobener und delikater. Die Süße harmonisiert sich und tritt mehr in den Hintergrund, während sich zusätzliche Noten von Nüssen, Trockenfrüchten und Tabak in den Vordergrund spielen. Zwei sehr attraktive Portweine, die sich in einem spannenden Trinkalter befinden.

Symington Portwein-Tasting

Während der sanfte und runde Dow’s 1985 Vintage Port in Richtung der beiden Graham’s Abfüllungen ging, befand sich der 1994er Quinta do Vesuvio eher in einem Zwischenstadium. In diesem Zwischenstadium befanden sich auch die 2000er Vintage Ports von Graham’s, Warre’s und Dow’s, die im dritten Flight gereicht wurden. Farblich präsentierten sie sich in einem hellerem Rot als die Ports beim ersten Flight und überzeugten besonders durch eine feine Würze und Nuancen von Pflaumen und dunklen Früchten. Gerade bei diesen Portweine konnte man gut erahnen, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird. Durch ihre feine Balance aus Frische und Komplexität zeigten sie eindrucksvoll, wie facettenreich Portwein sein kann.

Da diese Verkostung zur Mittagszeit bei ca. 30 °C Außentemperatur durchaus Konzentration forderte, konnte man bei dem anschließenden Lunch zum Glück wieder Kräfte sammeln. Ein trockener, an Sauvignon Blanc erinnernder, Weißwein zu Zitronenrisotto mit Huhn und ein 20 Years Old Tawny Port von Graham’s zur anschließenden Käseplatte zeigten, dass Weine aus dem Douro-Tal auch als Essensbegleiter sehr gut funktionieren.

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

Einen Kommentar schreiben