Beertails – Cocktail mit Bier: Ein Einstieg

Die Craft Beer Welle rollt. Und spätestens seit der Ankündigung, dass das dritte Cocktailian Craft Beer zum Motto haben wird, steht das Thema auch auf der Tagesordnung der Bartender. Muss der Bartender nun Biersommelier werden? Ist es notwendig, eine eigene Bierkarte vorzuhalten, ähnlich wie beim Wein? Fakt ist: Der Gast der Cocktailbar erwartet immer mehr auch beim Bier das Besondere, das Einzigartige.

Demgegenüber haben Cocktails mit Bier immer noch keinen guten Ruf. Im Gedächtnis sind noch Magenexperimente wie die Kölsch Colada oder die Caibierinha, die eher dem Vermarktungsproblem von Bier in den Nullerjahren als geschmacklichen Gründen geschuldet sind. Ein neuer Anlauf tut hier gut.

Zwei Cocktails mit Bier, die mir besonders gut gefallen haben, möchte ich an dieser Stelle vorstellen. Es sind Varianten eines klassischen Cocktails. Wenn der Weg zum Beertail noch weit ist, sollte man den Gaumen doch an einer bekannten Stelle abholen.

Mai-Ta-IPA, Jacob Grier

Mai Ta-IPA

3 cl Weißer Rum (Plantation 3*)
3 cl Dunkler Rum aus Guyana (El Dorado 12)
3  cl Limettensaft
1,5 cl Orange Curacao (Pierre Ferrand Dry Curacao)
2 cl Orgeat (Meneau)
4,5 cl IPA (Kehrwiederbrauerei Polaris)

Alles außer dem IPA auf Eiswürfeln shaken. In ein Double Old Fashioned Glas auf Eiswürfeln abgießen. Mit India Pale Ale (IPA) aufgießen. Das IPA macht aus dem Mai Tai einen erfrischenden, einen milden Sundowner, der von der Süße des Rums und der milden Kohlensäure profitiert. Die Leichte Bitterkeit und die leichte Minzigkeit des IPA tun dem Getränk gut, eine Erfahrung die ich auch schon beim Bitter Mai Tai gemacht habe. Will man aus dem Mai Tai einen Longdrink oder auch Highball machen, ist IPA ein gelungener Filler.

Seelbock, Michael Dietsch

Seelbock Cocktail

4,5 cl Rye mit 50% (1776 James E Pepper Rye)
1,5 cl Cointreau
0,5 cl Lemon Bitters (TBT und ja, es sind tatsächlich 0,5 cl)
2 ds Angostura Bitters
9 cl Weizendoppelbock (Weihenstephan Vitus)

Auf Eis rühren. In eine Champagnerschale aufgießen. Mit dem Doppelbock aufgießen.

Am Gaumen grüßen Zitrusaromen und die Würzigkeit des Roggen. Vollmundig und leicht bananig. Rosine und Pflaume. Hat nicht die Schlankheit des originalen Seelbach, aber der Weizendoppelbock macht daraus einen fülligen Trunk, der die Textur des Weizenbiers mit den Aromen des Roggens kombiniert. Die Öle des Cointreau und des viel zu selten eingesetzten Lemon Bitters sorgen dennoch für eine leichte Frische.

Der Geschmack beider Cocktails ist stark vom Bier abhängig. Und da ist das Problem. Das Geschmacksspektrum von Bieren ein und der gleichen Gattung geht weiter auseinander als bei Spirituosen. Ein Negroni mit unterschiedlichen Gins mag unterschiedlich schmecken. Er bleibt ein Negroni. Aber ein Beertail? Doch diese Bandbreite kann auch ein Vorteil sein. Bier ist regional. Bier ist saisonal. Ich freue mich als Gast, wenn der Bartender mir ein lokales, saisonales Produkt ans Herz liegt. Dazu muss er kein Sommelier sein und den Unterschied zwischen unter- und obergärigen Bieren erklären. Es reicht doch, wenn er von Produktqualität und dem Geschmack im Cocktail überzeugt ist.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Champagne Deutz Portfolio

2 Kommentare

  1. Es fehlt leider der „Grieser Spritz“: Weissbier mit Mondino….macht Laune der Drink

    http://www.artsinmunich.com/places/bars/mondino/

    Habt Ihr uns schon probiert?

    Beste Grüße,

    Maximilian

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