Champagne Deutz Portfolio

Ein Nachmittag mit Champagne Deutz

München. 14:30 Uhr. Wieder mal Regen. Die Frisur sitzt. Die Stimmung hingegen hängt etwas durch. Gut also, dass es gleich Champagner gibt. Champagne Deutz um genau zu sein. Zusammen mit Smart Wines und Garibaldi lud das im Jahr 1838 von William Deutz und Pierre-Hubert Geldermann in Aÿ gegründete Champagner-Weingut zu einer Portfolio-Verkostung ein.

Das mit dem Regen war kein Spruch und auch die Frisur sitzt deutlich schlechter als bei der blonden Dame im Werbespot. Aus diesem Grunde war ich auch äußerst froh, als ich an diesem Nachmittag die kleine Weinhandlung am Marienplatz erreichte. Im Obergeschoss der exklusiven Verkaufsräume standen bereits Flaschen und Gläser bereit, so dass es nach einem kurzen Get-Together zügig aber entspannt mit dem Tasting los gehen konnte.

Champagne Deutz Portfolio

Champagne Deutz

Durch die Verkostung führte der charmante und eloquente Carl Stephane Cercellier, der als Export Manager für Deutz tätig ist. Nach einem kurzen und interessant ausgeführten Abriss über die Geschichte des Hauses servierte Sommelier Thomas Sommer das erste Glas.

Deutz Brut Classic
Der Deutz Brut Classic  ist die Basis-Cuvée des Hauses und mit einem Anteil von 80 % an der Gesamtproduktion auch der (ökonomisch) bedeutendste Champagner des Weingutes. Ich schätze den Deutz Brut Classic schon seit meinen Lehrjahren als bodenständigen und authentischen Champagner und er konnte auch bei dieser Verkostung wieder überzeugen. Je 1/3 der klassischen Champagner-Trauben, 20-40 % Reserveweine und eine Lagerzeit von drei Jahren sorgen für einen komplexen Mix aus frischer, gelber Frucht, Reife und kalkiger Mineralität. Ein klassischer und vielseitiger Champagner, der mich noch nie enttäuscht hat.

Deutz Rosé Brut
An der Nase deutlich zurückhaltender präsentierte sich der Brut Rosé, der seine hell-rosa Farbe durch dich Zugabe von etwas Rotwein von alten Reben aus der Lage „Meuret“ in Aÿ erhält. Durch seine feine Säure und die angenehm weinigen Noten hebt er sich positiv von vielen Bonbon-Rosés ab und lässt sich wohl am besten als weiblich-eleganter Champagner beschreiben.

Millésimé Rosé 2007
Deutlich komplexer an der Nase und auch mit mehr Wucht am Gaumen zeigte sich der Jahrgangs-Rosé. Für mich ein Paradebeispiel für guten Rosé. Körperreich, elegant und wieder mit dieser tollen Mineralik von Deutz. Subtil, kraftvoll und einfach voller Genuss zu trinken!

Champagne Deutz

Champagne Deutz

Millésimé Brut 2006
Aus bis zu 70 % Pinot Noir und ca. 1/3 Chardonnay wird dieser Jahrgangschampagner gekeltert. Vielleicht lag es an dem eher durchschnittlichen Jahrgang 2006, dass mich diese Abfüllung bisher am wenigstens überzeugen konnte. Dem Champagner, dem man seine Qualität zwar anmerkte, fehlte es insgesamt an Vielschichtigkeit und die Aromen waren monoton. Bis auf die typischen Reifenoten von Nüssen etc. war nicht viel zu riechen und schmecken.

Cuvée William Deutz 2000
Sehr reif, fordernd, kräftig, nussig, maskulin, solide Struktur, tolle Mineralik, sehr lang. Das habe ich mir zu dieser Prestige-Cuvée aus 60 % Pinot Noir, 30 % Chardonnay und 10 % Pinot Meunier notiert und dies möchte ich auch so stehen lassen. Ein toller Champagner!

Leider nicht bei der Verkostung dabei war der William Deutz Rosé. Dieser ist laut Nachfrage bei Monsieur Cercellier hauptsächlich für den anspruchsvollen französischen Markt bestimmt, auf dem Deutz satte 55 % seines Umsatzes macht (bei vielen anderen Häuser liegt dieser Wert bei ca. 40 %). Schade, denn nachdem Richard Juhlin in seinem „Champagne Guide“ von dieser Abfüllung geschwärmt hat und mich der Millésimé Rosé so beeindruckt hat, hätte ich ihn auch gerne einmal probiert.

Blanc de Blancs 2008
Champagne Deutz hat das Glück Chardonnay-Trauben aus weltbekannten Regionen wie z.B. Le Mesnil-sur-Oger beziehen zu können. Es liegt daher auf der Hand auch einen Champagner aus 100% Chardonnay zu produzieren. Der Blanc de Blancs 2008 war ein sehr stringenter, mineralischer Champagner der einen nicht mit der typischen Buttrigkeit des Chardonnay erschlug, sondern dieses elegant in sein Geschmacksprofil eingebunden hatte.

Amour de Deutz

Amour de Deutz

Amour de Deutz 2003
Wie so oft folgte das Highlight am Ende der Verkostung. Der Amour de Deutz ist die zweite und jüngere Prestige-Cuvée des Hauses und besteht zu 100% aus Chardonnay aus den Gemeinden Avize, Le Mesnil-sur-Oger und Villers-Marmery. Benannt nach einer kleinen Amor-Statue im Innenhof des Weingutes, soll dieser Tropfen nicht nur Verliebte zum Valentinstag verzücken (auch wenn an diesem Tag die Verkäufe des Amour de Deutz wohl schlagartig ansteigen). Im Endeffekt führt der Amour de Deutz die bereits dem Blanc de Blanc beschriebene Stilistik und Aromatik konsequent fort. Insgesamt noch etwas ausbalancierter,  eleganter und verführerischer bietet der Amour de Deutz großen Champagner-Genuss für großes Geld. Wenn die Angebetete die investierten 200 € und den Geschmack des Champagners zu schätzen weiß, dann kann man ihr allerdings danach guten Gewissens die mit einem kleinen Brillanten verzierte Capsule als Kette umhängen. Ein kitschiges, aber wie ich finde amüsantes und sympathisches Gimmick.

Armour de Deutz Capsule

Amour de Deutz Capsule

Zum Abschluss verriet Monsieur Cercellier übrigens noch, dass momentan auch an einer Rosé-Variante des Amour de Deutz gearbeitet wird. Betrachtet man die Qualität der anderen Rosé-Champagner von Deutz, so lohnt es sich hier sicher nach der Veröffentlichung die Augen nach einer Flasche Amour de Deutz Rosé offen zu halten.

Fazit: Dadurch, dass die Produktionsmengen von Deutz auf ca. 2,5 Mio Fl.  begrenzt sind, wird das Unternehmen wohl nie bei den ganz großen der Branche mitspielen, hebt sich aber dennoch von den kleinen Winzerchampagner-Betrieben mit teils nur wenigen 10.000 Flaschen ab. So kann Deutz für gleichbleibende Qualität sorgen ohne sich zu stark dem Geschmack der Masse anpassen zu müssen. Ein großer Vorteil, den man, wie ich finde, auch bei der Verkostung schmecken konnte. Nahezu alle Champagner und insbesondere die Rosé-Abfüllungen wussten zu überzeugen und festigten mein schon vorher von Deutz bestehendes Bild eines bodenständigen und authentischen Champagner. Wer mineralische, elegante und dennoch kraftvolle Champagner mag, der findet in dem Portfolio von Champagne Deutz sicherlich einen passenden Tropfen.

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser’s New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

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