Knob Creek Rye – Jim Beam mit Muckis

Derzeit zirkuliert ein Artikel in den sozialen Netzwerken, der über die wenig romantische Herkunft vieler „Craft“ Roggen-Whiskeys aufklärt – nämlich dass hinter vielen kleinen Abfüllern der große Hersteller LDI bzw. seit neuem MGP Ingredients steht. Gut, dass hier Aufklärung betrieben wird, auch wenn deutsche Blogs dieses Thema schon früher aufgriffen (WhatADrink; Manhattanprojekt, hier sei ein Link auf den eigenen Text erlaubt). Wer also eine möglichst große Bandbreite an Rye probieren möchte, sollte aufpassen, dass er nicht nur MGP/LDI-Produkte kauft.

Heute soll es um einen Rye gehen, der definitiv nicht bei MGP/LDI destilliert wurde: Knob Creek Rye. Dieser ist die Premium Variante des Roggenwhiskeys von Jim Beam, der auch in Jim Beam Rye, Old Overholt und dem Nischenprodukt (ri)1 Rye enthalten ist. Die Unterschiede sind jedoch Alter und Alkoholstärke. Knob Creek Rye kommt als einziger mit 50% auf den Markt und hat von allen das höchste Alter, es soll ein Blend aus 7 bis 9 Jahre altem Rye sein. Seit kurzem ist der Rye auch offiziell auf dem deutschen Markt verfügbar – zu einem deutlich reduzierten Preis.

DSC_0129

Pur

Die Nase ist würzig mit viel Zimt. Bereits in der Nase steht fest: Der Kollege hat Kraft, viel Kraft. Eine kräutrige Würze, aber die grünen Zedernholzaromen, die die LDI-Whiskeys ausmachen, sind nicht feststellbar. Dagegen: Mandeln und Pecanüsse. Am Gaumen viel Eiche und später eine wundervolle Süße, die durch helle Schokolade, Karamel und Vanille geprägt ist. Diese spezielle Stilistik von Beam wird hier konsequent weitergeführt. Zum ersten Mal wird sie aber in einem Rye mit viel Power kombiniert.

Sazerac

Im Sazerac zeigt die Stilistik ihre Nachteile. Bitters und Absinth überdecken die milde Süße des Rye. Nicht viel ist auszumachen von den Schokoladentönen des Knob Creek. Erst in einem sehr langen Abgang kämpfen sich Vanille und Karamel zu den Geschmacksknospen. Es lohnt sich hier deutlich, Peychaud’s und Absinth äußerst vorsichtig zu dosieren. Um sein volles Potential ausspielen zu können bedarf es aber eines Drinks mit Säure oder Wermut.

Back-Handed Compliment, Todd Yard

Backhanded Compliment

4,5 cl Rye Whiskey (Knob Creek Rye)
3 cl Kirschlikör (Luxardo Sangue Molacco)
1,5 cl Limettensaft
1 ds Peychaud’s Bitters
frisch gemahlener Pfeffer
Die flüssigen Zutaten mit 2-3 Umdrehungen frischem Pfeffer aus der Mühle auf Eis im Shaker kombinieren. Auf Eis shaken. In ein Cocktailglas abseihen.

Der Cocktail wird den Knob Creek Rye gerecht. Die Süß-Sauer-Balance geben dem Knob Creek Rye das richtige Spielfeld um seine Aromen auszuspielen. Die Süße und die Kirsche (irgendwie hat der Rye selbst auch Kirsche) liegen den Schokonuss-  und Vanilletönen mehr. Nach kurzer Zeit verdrängt die Schärfe des Pfeffers die Kirsche und erlaubt den trockeneren Fasstönen etwas mehr Aufmerksamkeit.

Fazit

Jim Beam ist mit dem Knob Creek Rye ein Produkt gelungen, das konsequent den Weg von Jim Beam und Old Overholt fortführt, aber die Fehler nicht wiederholt: Älter, stärker und mit deutlich ausgeprägterer Aromatik. Kein absoluter Allrounder aber eine Stilistik, die ähnlich nur ein Rittenhouse Bottled in Bond besitzt, der aber deutlich würziger ist. Eine klare Kaufempfehlung für Rye-Einsteiger und solche Fortgeschrittene, die die Alternative zu MGP/LDI suchen.

tikiwise

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Champagne Deutz Portfolio

Einen Kommentar schreiben