Dreimal Citadelle Reserve

Um über den Citadelle Gin berichten zu können, muss ich erst einmal einen kleinen Exkurs in eine gänzlich andere Spirituose unternehmen: Cognac.

Die unfassbar strengen Vorschriften der Cognac-Herstellung schreiben vor, dass dieser nur von November bis März produziert werden darf. In der anderen Hälfte des Jahres liegen die Produktionsstätten bei den meisten Cognac-Häusern still, so auch im Château de Bonbonnet, dem Sitz des Cognac-Hauses Ferrand.  Dieser Umstand störte Alexandre Gabriel, dem Inhaber von Cognac Ferrand so sehr, dass er wenigstens von Juni bis Oktober den Brennblasen seines Betriebes eine neue Aufgabe zuwies: Gin brennen! Und da Cognac nur in Charentaiser Brennblasen gebrannt werden darf, war der Citadelle Gin lange Zeit der einzige Gin der Welt, der in diesen besonderen Destillationsapparaten hergestellt wird (dies änderte sich mit erst mit den Gins von Audemus Spirits).

In genau dieser CharentaiserBrennblase wird der Citadelle Gin hergestellt

In genau dieser Charentaiser Brennblase wird der Citadelle Gin hergestellt

Citadelle Gin wird mit neunzehn Botanicals aromatisiert: Wacholder, Schwertlilienwurzel aus Italien, Fenchel aus verschiedenen Mittelmeerländern, Paradieskörner aus Westafrika, Orangenschale aus Mexico, Veilchenwurzel und Sternanis aus Frankreich, Zitronenschale und Mandeln aus Spanien, Koriander aus Marokko, Kubeben-Pfeffer von Java, Kassia-Rinde aus Indochina, Lakritze aus China, Bohnenkraut, Engelwurz aus Deutschland, Kümmel aus Holland, Zimt aus Sri Lanka, Kardamom und Muskat aus Indien. Und neben der einfachen Qualität ist seit 2009 auch Citadelle Reserve erhältlich, den ich hier etwas genauer betrachten möchte.

Picture by and with kind permisson of Albert Van Beeck Calkoen a.k.a Mr. Cocktail, http://www.mistercocktail.nl/

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Da Monsieur Gabriel bis heute mit der Herstellung des Citadelle Reserve experimentiert, wird er als Jahrgangsgin angeboten. Und die Unterschiede sind durchaus gravierend. So reifte der Gin des Jahrgangs 2009 für fünf Monate in Fässern, die einen mittleren Auskohlungsgrad hatten. In 2010 erhöhte Gabriel den Anteil einiger Botanicals im Citadelle Reserve – Veilchen- und Iriswurzel sowie Paradieskörnern hatten im Citadelle Reserve einen höheren Anteil, als in der einfachen Qualität. Diese Sondercharge wurde für sechs Monate in leicht ausgekohlten Eichenfässern gelagert. In 2011 änderte sich nur der Alkoholgehalt, der geringfügig auf 44,7Vol% stieg.  In 2012 kamen zu den neunzehn Botanicals, die in der einfachen Qualität enthalten sind, noch drei weitere Botanicals dazu – Yuzu, Génépi und Kornblume.

Auch für den Jahrgang 2013 wurde am Herstellungsprozess weiter experimentiert, doch waren die Veränderungen dieses Mal wesentlich umfangreicher. Der Jahrgang 2013 reift im Solera-Verfahren. Hierzu wird der wird der Gin zwischen zwei und fünf Monaten zuerst in Ex-Cognac-Fässern, danach in Ex-Pineau-de-Charente-Fässern und zuletzt in Fässern aus Amerikanischer Eiche gefüllt. Das ist meines Wissens nach im Ginbereich einzigartig.

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Es macht nicht mehr viel Sinn, an dieser Stelle meine Verkostungsnotizen der Jahrgänge 2011 und 2012 wiederzugeben. Wenn man nicht zufällig irgendwo abseits der üblichen Quellen darüber stolpert, werden diese nicht mehr erhältlich sein. Aber auch aus einem anderen, zugegeben sehr subjektiven Grund, macht dies keinen Sinn: Der  Jahrgang 2013 ist der meiner Meinung nach bisher gelungenste Citadelle Reserve. In der Nase frisch und aromatisch. Zitrusnoten, Koriander und Wacholder sind deutlich wahrzunehmen und die Fasslagerung läßt sich auch schon herausriechen. Zwar nur ganz versteckt, doch eine Spur Eiche läßt sich meiner Meinung nach nicht verleugnen. Auf der Zunge geben sich dann eine Vielzahl von Aromen ein Stelldichein: Zitrus, Vanille, etwas Zimt,  etwas Pfeffer, versteckt etwas florale Noten, eine sanfte Süsse. Gemeinsam mit der angenehmen Viskosität und dem langen, intensiven Abgang macht dies einen Klasse-Gin. Und das neue Bottling macht natürlich auch mehr her, als die Vorgängerversion. Das muss ich sagen, auch wenn ich eigentlich versuche, mich von der Verpackung nicht zu sehr vom Inhalt ablenken zu lassen.

Zum Schluss noch zwei Tipps zur Verwendung dieses tollen Gins:

Probiert den Citadelle Reserve mal mit dem Fever Tree Mediterranean Tonic. Großartig!

Oder im Marguerite Cocktail:
5 cl Citadelle Reserve
2,5 cl Weißer Traubenwermut (Stift Kloster Neuburg macht sich super!)
2 dashes Orange Bitters.

Zum Wohl!

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Altväterlich

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