Mehr davon! Champagne Coutier 2004

Aus der Reihe: Häuser, von denen man wenig hört. Heute: Champagne Coutier. Bereits 1880 gegründet, werden auch heute nur ca. 35.000 Flaschen produziert. Ein Kleinerzeuger im besten Sinne also, sitzend in Ambonnay. Und dieser Ort, Ambonnay… Bereits der Klang ist Musik in champagneraffinen Ohren, die sanften Töne bester Pinots schmiegen sich mental bereits an den Gaumen, mit ihrer Cremigkeit, ihrer dunklen, immer etwas geheimnisvollen Frucht. Vorausgesetzt, die Trauben stammen auch aus dieser Grand Cru-Gemeinde. Dies ist bei Coutier der Fall – die acht Hektar Rebfläche weisen alle den höchsten Status aus und neben der obligatorischen Pinot Noir-Dominanz wird auch ein Blanc de Blancs aus Ambonnay angeboten. Um diesen Wein soll es an dieser Stelle aber nicht gehen, sondern um den Jahrgangschampagner aus 2004. Die Informationslage zu Coutier und seinen Weinen ist spärlich. Der 2004er wurde zu 75 % aus Pinot Noir und zu 25% aus Chardonnay hergestellt und ruhte nach dem Einkauf noch ein gutes Jahr im Keller – wann der Wein degorgiert wurde, konnte man dem Etikett leider nicht entnehmen. Aufgrund der sich anschließenden Trinkfreude trübte diese Situation den Genuss aber keineswegs:

Nase:
Hallo Pinot! Vibrierend, Feuerstein, Kalk und nasse Kreide – alles unterlegt mit einer feinen, dunklen Pinot-Präsenz und viel Energie.

Gaumen:
Erster Eindruck: Einfach wunderbar zu trinken! Cassis, Zwetschge, Kakao, kombiniert mit einer passenden Säurestruktur und viel Frische. Eine sehr gelungene Balance aus Seriosität und Spaß, Gewicht und Frische. So macht Champagner Spaß.

Abgang:
Dominiert von der Frische und höchst animierend, den nächsten Schluck zu nehmen.

Dieser Champagner war eine große Freude. Der Nachfolgejahrgang 2005 ist bei Ungerweine für extrem faire 34 € zu erwerben (oder man nimmt einfach die Magnum 2004 – der trinkt sich wirklich zügig, ihr werdet froh sein, wenn die Flasche nicht ganz so schnell geleert ist). Ein Champagner, der Spaß macht – und ein spannendes Trinkerlebnis bietet. Damit ist er genau mein Beuteschema und der sprudelnde Beweis, dass Champagner keine langweilige, überteuerte Brause sein muss! Coutier 2004

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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