Drinks mit Birnenbränden – Teil I

Birnenbrände

Was habe ich mich gefreut, als ich las, dass in der September/Oktober-Ausgabe der Imbibe es auch um Pear Cocktails gehen sollte! Um so größer dann die Enttäuschung, als ich feststellte, dass der ganze Artikel gerade mal aus zwei Seiten bestand – eine ganze davon zierte ein (wie fast immer in der Imbibe) sehr ansehnliches Foto. Die drei Drink-Vorschläge rissen mich auch nicht wirklich vom Hocker.

Nun ist es kein Geheimnis, dass ich Drinks mit Birnenbränden, insbesondere in Kombination mit Roggenwhiskey, sehr schätze. Mit dem aufkommenden Herbst nähert sich auch wieder die Jahreszeit für kräftige, wärmende Drinks. Was lag also näher, als selber tiefer in die Materie einzusteigen?

Ich hatte erst  kürzlich das Vergnügen in der Windhorst Bar in Berlin einen Williams Sour mit Lantenhammer unfiltriert zu genießen. Schöner Drink, perfekt zubereitet, und doch für mich nicht hundertprozentig rund. Das lag an dem Lantenhammer, obwohl ich den doch in anderen Drinks so schätze. Ähnlich geht es mir übrigens mit dem Birnenbrand von Theo Preiss. Der funktioniert für mich im Williams Sour auch nicht optimal. Und da ich in der Vergangenheit bei der Zubereitung meiner Drinks mit Birnenbränden recht eindimensional vorgegangen bin (in meinem Drinkuniversum existierten nur Lantenhammer unfiltriert und Fassbind Vieille Poire), ist dies eine gute Gelegenheit, zunächst einmal noch den einen oder anderen Birnenbrand zu probieren. Schließlich gibt es doch so unfassbar viele Birnenbrände da draußen! Daher habe ich mir eine kleine Auswahl von Birnenbränden, die ganz gewiss nicht das ganze Angebot abbilden kann,  zusammengestellt und selbige zunächst einmal pur verkostet.

 

Vallendar Williams-Christ-Birnenbrand

Vol 40%

Schon beim Abziehen des Stopfens entweicht der Flasche ein raumfüllendes Birnenaroma, doch am Gaumen erschien mir dieser mit Lob überhäufte Brand (u.a. Der Feinschmecker – Heft 03/98 – die Feinschmecker-Jury verkostete 81 europäische Williamsbrände – Sieger wurde die Brennerei Hubertus Vallendar) etwas spritig. Nach hinten heraus war da etwas bitteres, das mich an eine harte, unreife Tafelbirne erinnerte. Gefiel mir nicht so gut.

 

Morand Williamine

Vol 43%

In der Nase empfand ich den Morand indifferent und nicht richtig nach Birne riechend. Am Gaumen war er deutlich süßer als der Vallendar, auch etwas spritig, wenn auch wesentlich sanfter und schmeckte deutlich nach Birne. Durchaus noch gut!

 

Fidelitas Williams Birne

Vol 40%

Ein eher günstiges Destillat aus dem Hause Kammer-Kirsch. In der Nase hatte ich irgendwas zwischen Sahnekaramell und Brauner-Bär-Eis, wie es in den Siebzigern roch (falls das noch jemand kennt). Nicht gerade ideal, doch am Gaumen war dieser Brand gar nicht übel: Leichte Süsse, recht fruchtig, erst im Abgang wurde er ein klein wenig spritig. Gutes Resultat für den Preis (17,95/Liter).

 

Nusbaumer Poire Williams Selection

Vol 40%

Das Aroma des Nusbaumer kräftig, klar und knackig. Am Gaumen vergleichsweise sanft, verfolgt eine klare Linie bis zum Nachklang und bleibt deutlich birnig. Gefiel mir insgesamt sehr gut!

 

Lantenhammer Williamsbirnenbrand unfiltriert

Vol 40%

Nun zu einem meiner (bisherigen?) Lieblinge. Klares, kräftiges Birnenaroma. Bisher die beste Nase, ohne Frage. Am Gaumen eine feine Frucht, fast schon zurückhaltend. Sehr gut!

 

Fassbind Vieille Poire

Vol 40%

Und mein zweiter bisheriger Favorit. Erläuternd muss ich dazu sagen, dass ich ahnte, dass der Fassbind es in der Purverkostung schwer haben würde. Nach Abschluss der zwölf- bis achtzehnmonatigen Reifung wird dem Destillat naturreine Auszüge von getrockneten Williamsbirnen als Dosage zugegeben. Daher ist dies auch der einzige Brand im meiner kleinen Reihe, der nicht klar, sondern gelblich gefärbt ins Glas kommt. Etwas karamellig – wenn auch nicht so Sahnebonbon-artig wie der Fidelitas – und süsslich in der Nase, ist er auch -Überraschung!- am Gaumen recht süß und hat nur wenig Frucht. Aber lecker finde ich ihn dennoch.

 

Pircher Südtiroler Williams Christbirnen Edelbrand

Vol 40%

Das Aroma des Pircher war karamellig und birnig, aber auch leider etwas muffig. Am Gaumen spritig, schon brennend und wenig fruchtig. Keine überzeugende Darbietung.

 

Ziegler Kvlt Birne

Vol 43%

In der Nase etwas verhalten, fast schon zart, aber deutlich fruchtig und sehr frisch. Gefiel mir gut. Am Gaumen mild, fruchtig, aromatisch mit einer leichten, angenehmen Süsse. Sehr gut!

 

Mein Fazit: Die Überraschung für mich war eindeutig der Nusbaumer. Tolles Produkt zu einem guten Preis. Als Digestif werde ich zukünftig wohl entweder den oder den Ziegler wählen. Platz Drei belegt der Lantenhammer.

Doch das ist ja nur die Vorrunde gewesen, denn eigentlich wollte ich ja beurteilen, wie sich die Birnenbrände im Drink machen. Dazu mehr im zweiten Teil.

 

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

5 Kommentare

  1. Michael W.

    Mal wieder ein toller Test. Danke dafür

    Vom Nusbaumer, der mittlerweile auch mein Liebling in Sachen Williams geworden ist, gibt’s auch noch ne Abfüllung mit 43%, die gerade bei Drinks noch mal einen gewissen Mehrwert bietet.
    Gruß Micha

  2. TeeZ

    Mein geheim Tipp ist der von Wiliamsbirne mit Fruchtauszug von Martin Schmid (edelschnaepseschmid.de) alternative wäre noch aus dem gleichen Ort stammende Senft Schnaps. Gut und Preiswert bitte auch mal Testen.

    MFG

  3. Abian

    Passend zum Thema, ein Drink aus unserer aktuellen Karte:

    Alter Pfälzer

    5cl Fassbind poire
    3cl limette
    2cl zuckersirup
    6 Blätter basilikum

    Muddel, shake & finestrain (Weinglas mit Eiswürfeln)
    Mit Rieslingsekt aufgießen

    Cheers & Viele Grüße aus der Hagestolz Bar

  4. Hallo Oliver Steffens,

    da waren ja viele Erzeugnisse namhafter Brenner am Start. Interessieren würde es mich, ob hier ein Produkt wie z.B. aus eigener kleiner Herstellung (s. Website) auch mithalten kann, schließlich ist hier die Machart deutlich handwerklicher als bei den „großen“.

    Viele Grüße aus der Feingeisterei

  5. Oliver Steffens

    Danke Abian, klingt sehr gut!
    Wird mit der nächsten Flasche Sekt, die mir in die Finger kommt, probiert!

    Herr Rohrwasser, daran habe ich keinen Zweifel!

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