Sweating the Cask von Thomas Domenig & Jim Beam Devil’s Cask

Vor einigen Tagen erreichte uns eine Nachricht über die Ticker. Von den fünf besten Whiskeys der Welt stammt kein einziger aus Schottland. Die Nachricht war selbst den großen Nachrichtenportalen ARD, Sueddeutsche und FAZ einen Beitrag wert. Und zumindest eine Sache stimmt. Die Qualität und Vielfalt von US-Whiskeys hat in den letzten Jahren stets zugenommen (wenngleich ältere Qualitäten zugegeben derzeit sehr rar sind). Und diese Entwicklung wird nicht nur von den Craft-Destillern, sondern auch von den großen Herstellern vorangetrieben. Die Buffalo Trace Antique Collection, Four Roses Spezialabfüllungen und die Produkte von LDI stellen die geschmackliche Speerspitze dar. Aber auch im mittleren Preissegment hat sich viel getan – ein Beispiel ist der Jim Beam Devil’s Cut, der mit seinem innovativen Extraktionsverfahren auf sich aufmerksam machte.

Wer diese Entwicklung nachvollziehen möchte, der hatte bisher die Möglichkeit, sich durch diverse Blogs und Foren zu quälen und das Mosaik zusammenzulegen. Kürzlich erhielt ich das Buch Sweating the Cask von Thomas Domenig ausgeliehen. Thomas Domenig ist ehemaliger Bartender im Le Lion und nun freier Gastronomiedienstleister und Publizist. Sein Buch behandelt Bourbon allgemein (S. 7 ff.), die Erfolgsgeschichte von Bourbon speziell der letzten Jahre (S. 33 ff.) und insbesondere den Jim Beam Devil’s Cut (S. 47 ff.) und fügt die Einzelteile zu einem Gesamtbild zusammen. Und das geschieht mit so viel Liebe zum Detail und Faktenwissen, dass es gleichzeitig Erzählung und wissenschaftliches Werk ist. So wird es auch nicht langweilig – schließlich sind die Fakten mit zahlreichen Beispielen und persönlichen Anekdoten garniert. Spannend lesen sich auch die Auswirkungen des Devil Cut Prozesses auf den weltweiten Handel mit gebrauchten Fässern (S. 53 ff.).

Was nun ist der Devil’s Cut? Domenig versteht darin einen Bourbon mit einem markant-männlichen Image und weichen Aromen. Gleichzeitig sei das innovative Herstellungsverfahren, also die Extraktion des in der Fasswand verbleibenden Whiskeys (ca. 7,5l pro Fass) zwar bislang kaum genutzt, in Kentucky aber lange bekannt. Das Ergebnis stehe irgendwo zwischen Bourbon und aromatisiertem Whiskey und sei daher eine echte Innovation.

Sweating the Cask & Derby Cocktail

Wie aber schmeckt er? Der Devil’s Cut selbst grüßt mit einer Menge Zimt an der Nase. Am Gaumen viel Vanille, gebrannte Mandel. Ein alkoholisches Brennen ist zu spüren. Der Bourbon ist süß und hat die typische Beam-Bananen-Note. Der Abgang ist relativ kurz. Alles in allem kein Premium Bourbon und kein Must-Have. So sehr ich generell Jim Beam für eine unterschätzte Destillerie halte, so wenig überzeugt mich die konkrete Innovation: Devil’s Cut. Schade, hier kann ich Thomas nicht zustimmen. Auch im Derby Cocktail hat er mich nicht überzeugt.

Aber hier geht es um ein gutes Buch. Wer also wissen will, welche Entwicklungen den aktuellen Bourbonboom hervorgebracht und wie die Innovation des Cask Sweating den Markt verändern wird, sollte einen Blick in dieses Buch werfen (und sich nicht von dem etwas sperrigen Untertitel abschrecken lassen).

tikiwise

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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