Zu Besuch in der Feingeisterei

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, die Feingeisterei auf dem Gut Basthorst im Osten Hamburgs zu besuchen. Dort haben Martina und Fabian Rohrwasser ein kleines Refugium für feine Spirituosen geschaffen. Hier brennt der gebürtige Franke Fabian Rohrwasser hocharomatische Obstbrände.. und auch einen Gin, doch dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Als ich ankam, war Herr Rohrwasser gerade damit beschäftigt, kistenweise angelieferte Äpfel aus dem Alten Land, dem größten, geschlossenen europäischen Obstanbaugebiet im Südwesten Hamburgs, zu mosten. Schon der Blick auf diesen Rohstoff weckte Appetit, denn die Äpfel waren wirklich eine wahre Pracht. Herr Rohrwasser stimmte mir darin zu, denn so verfährt er mit all seinen Zutaten: Kompromisslos wählt er nur die besten Rohstoffe. Und er arbeitet immer von Beginn an mit der Rohware, der unbearbeiteten Frucht. Denn nur wenn jeder Arbeitsschritt in seinen Händen liegt, kann er auch garantieren, dass sein Destillat seinen Qualitätskriterien entspricht. Zudem verwendet Herr Rohrwasser, wenn möglich, Obst aus ökologischem Anbau oder von Streuobstwiesen aus der Region. Der  verwendete Neutralalkohol ist natürlich auch bio, so dass viele Destillate (neunzehn von vierundzwanzig, um genau zu sein) Bio-zertifiziert sind.

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Nach diesem perfekten Einstieg ging es in den kleinen Raum von vielleicht zwanzig Quadratmetern, der nicht nur den Verkaufsraum, sondern auch den Destillierapparat Typ Müller aRoMat und einen kleinen Probiertresen beherbergt. Da ich gerade die Birnenbrand-Artikel geschrieben hatte, war ich natürlich ganz wild darauf, die Williams-Birne und den Brand von der Bürgermeisterbirne zu probieren. Wahnsinnig interessant, wie verwandt und doch unterschiedlich diese Brände waren! Auf der einen Seite die sonnenverwöhnten Williams-Birnen aus der Bodenseeregion und auf der anderen die etwas festeren, ruppigeren norddeutschen Bürgermeisterbirnen.

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Toll auch der Kaffee- und der Schokoladengeist! Die Kaffee- und Kakaobohnen kommen aus der Hamburger Speicherstadt. Auch einen der Apfelbrände habe ich probiert, den Finkenwerder Herbstprinz: Tolle Frucht im Glas. Knackig, lecker! Bei diesen Bränden lässt sich Rohrwassers Credo, wo immer möglich, regional zu arbeiten, herrlich umsetzen.

Ein Kracher der Haselnussgeist: Kein Nugat oder gar Nutella oder Hanuta. Eine klare, saubere Haselnuss, wie man sie sich vorstellt. Eigentlich fehlte nur noch das Geräusch einer Haselnuss, die man gerade zerbeisst. Aber klar, Herr Rohrwasser verwendet keine Zusatz-, Farb- und Aromastoffe und zuckert nicht. Da kann dann ja auch nichts anderes als die pure Frucht herauskommen.

Bei dieser Verliebtheit in die Qualität sind ganz sicher auch die Sorten, die ich nicht probierte, ganz großartig. Daher: Ganz dicke Empfehlung!

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

1 Kommentar

  1. Microboy

    Klingt spannend. Allerdings finde ich die Preise recht sportlich – liegen sie doch im Schnitt beim Doppelten prämierter Brände der Konkurrenz. Ich hoffe die damit verbundenen Erwartungen werden erfüllt.

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