Drinks mit Birnenbränden- Teil II

Kommen wir also zum praktischen Teil.

Es gibt ja doch eine Menge Cocktailrezepte mit Birnenbrand. Für meinen kleinen Test fand ich aber folgendes besonders spannend:

Coralillo

Coralillo

3cl Tequila (1800 Reposado)
1,5cl Chartreuse jaune
1,5cl VSOP Calvados (Chateau du Breuil)
0,5cl Birnenbrand

Stir, Strain

Nur ein halber Zentiliter Birnenbrand. Da muss, so dachte ich, ein gutes Produkt her, damit es dem Drink noch eine Fußnote geben kann.

Mit dem Fidelitas klappte das schon einmal überhaupt nicht. Keine Birne – weder in der Nase, noch im Drink. Enttäuschend. Mit dem Pirscher war das ganz verhalten, ganz weit hinten etwas Birne zu erahnen. Auch nicht der Hit. Morand konnte auch keine Birne liefern, dafür die auch schon in der Purverkostung entdeckte Spirtigkeit. Nicht schön. Der Vallendar war nur wenig besser, in der Nase und am Gaumen wenig aromatisch, ebenfalls etwas spritig

Bisher also nicht wirklich erbaulich. Aber es geht besser!

Mit dem Nusbaumer hatte ich einen frischen, aromatischen Drink, aber die Birne ging etwas unter. Der Brand ließ dem Tequila zu viel Raum. Ging so. Der Lantenhammer lieferte eine schöne, duftige Birnennote und zeigte eine solide Präsenz im Drink. Rund! Fassbind machte einen kräftigen, wärmenden Drink, gar nicht so süß wie erwartet. Gut! Den besten Drink machte aber der Ziegler. Birne, Karamell, etwas Marzipan – sehr gut

Und nun zum Williams Sour. Durchaus gute Brände wie der Lantenhammer und der Theo Preiss (letzterer ist in diesem Test nicht vertreten), können mich in diesem Drink nicht überzeugen. Ich empfinde den Drink mit diesen Bränden etwas stumpf, einfach nicht rund. Jammern auf hohem Nivau, denn es ist ja nicht so, dass ich einen Williams Sour mit Lantenhammer stehen ließe. Aber es geht doch bestimmt besser! Daher war ich ganz besonders gespannt, welcher der Kandidaten sich im Williams Sour bewähren würde.

Der Vollständigkeit halber hier das Rezept:
6cl Birnenbrand
3cl Zitronensaft
2cl Zucker

Shake & Strain

Willi Sour

Alle Testdrinks habe ich zur Chancengleichheit mit dem selben Sweet&Sour-Mix gemacht. Die folgenden Anmerkungen zur Säure können also nicht davon rühren, dass die verwendeten Zitronen unterschiedlich sauer gewesen wären.

Der Williams Sour mit Pircher lieferte einen tollen, sortentypischen Geruch nach süssen Birnen. Der Geschmack war für mich rund, ausgewogen, alles andere als stumpf sondern schlicht lecker. Die Nase des Drinks mit Fidelitas was noch etwas intensiver, dunkler, reifer. Am Gaumen ebenfalls sehr rund, die Birne war aber präsenter und daher gefiel mir dieser Drink noch einen Tick besser. Mit Ziegler war die Aromatik weniger birnig sondern sehr frisch und zitrusbetont. Auch am Gaumen eher auf der sauren Seite, aber dabei erfrischend und durchaus lecker. Würde ich nicht stehen lassen, aber ist nicht unbedingt das, was ich in diesem Test suche. Anders der Nusbaumer. Leichte Birne, leichte Süße in der Nase, volles Mundgefühl, seidig, sehr schön. Auch der Morand konnte auf ähnliche Weise wie der Nusbaumer überzeugen. Der Gewinner war aber der Vallendar: In der Nase intensiv, birnig, nussig, am Gaumen verband er eine dezente Frische mit intensiver Fruchtigkeit. Das machte diesen Drink stimmig und zum dahin schmelzen lecker.

Und für alle, die nun auf den Geschmack gekommen sind, hier noch ein paar weitere Rezepte:

 

Ubik (Guennik, Zweiter Platz C&D Cocktailwettbewerb 2013)

2cl Birnenbrand
2cl Chartreuse verte
2cl St. Germain
1,5cl frischer Zitronensaft

Shake & Strain

 

Pear Sidecar (Bitsy Eddy, Fireside Lounge, Alameda, Kalifornien)

3cl Birnenbrand
1cl Ingwerlikör (z.B. Giffard Ginger of the Indies, ich nahm Domaine de Canton)
1cl frischer Zitronensaft
1cl Zucker

 

Signed & Sealed (Chaim Dauermann, Gin Palace, New York)

3cl Old Tom Gin (Tanqueray Old Tom)
1,5cl frischer Zitronensaft
1cl Birnenbrand
1cl Zucker
0,5cl Cynar

Shake, strain in ein Highball-Glas, top mit Soda

 

Und natürlich der VW Cocktail – euphorisch erläutert von Herrn Meyer.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

1 Kommentar

  1. Du hast natürlich den Brooklyn Lamp vergessen 😉

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