Der 3. Advent – Decadent Stout Flip

Dekadenz – vom Lateinischen cadere – fallen. der (Ver-)Fall – der Niedergang. Viele große und nicht ganz so große Denker haben sich mit der Frage abgemüht, was die Dekadenz ausmacht und auslöst. Von Montesquieu über Rousseau, von Nietzsche bis hin zu Guido Westerwelle. Die Buddenbrooks von Thomas Mann tragen den Untertitel Verfall einer Familie. Spätrömische Dekadenz allerorten.
Was aber macht sie aus, die Dekadenz? Ist es der Verfall der Sitten? Oder bedingen Zivilisation und die Abkehr vom Natürlichen zwangsweise Dekadenz? Für Nietzsche konnte nur der Wille zur Macht die Dekadenz überwinden. Das klingt anstrengend. Allen gemeinsam aber ist der pessimistische Unterton: So dekadent wie heute war es schon lange nicht mehr! Wir scheinen in einem ständigen Zeitalter des Niedergangs zu leben.

Bei soviel Kulturpessimismus hilft eigentlich nur ein Zurücklehnen zum Dritten Advent. Kurz feststellen, dass das Abendland noch nicht untergegangen ist und auch nicht unterzugehen droht. Die Vandalen stehen nicht vor den Toren. Und sich einen Cocktail zu gönnen, der gar nichts fordert. Weder besondere Aufmerksamkeit noch eine akademisch geschulte Zunge und schon gar keine Tugenden. Nur ein Ei, ein bisschen Rum, Averna und Bier. Soviel Dekadenz wird das Abendland schon aushalten.

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Decadent Stout Flip (Jacob Grier, Portland)

  • 3 cl Averna Amaro
  • 3 cl Milk Stout (z.B. Beer Here Amme Stout)
  • 3 cl Demerara Rum (z.B. El Dorado 12)
  • 1 Ei
  • 1 bl Pimento Dram
  • 2 ds Angostura Bitter
  • Muskatnuss (als Deko)
  • Auf Eiswürfel shaken, Eiswürfel abseihen, danach noch einmal shaken. In ein Cocktailglas abseihen. Mit frisch geriebener Muskatnuss

In der Nase grüßt die Süße des Rums, und Muskat am Gaumen wird es direkt unglaublich cremig Das Milk Stout, Ei und Averna machen aus diesem Cocktail einen Milch-Shake mit richtig Power. Der Rum wärmt von innen. Mit etwas Wärme kommen Kaffee, Schokolade und Haselnuss dazu.

Milk Stout ist übrigens ein Stout, das auch Milchzucker enthält. Weil Milchzucker durch die Bierhefen nicht abbaubar ist, entsteht dadurch eine große Sahnigkeit, Süße und naja ein paar spätrömische Kalorien. Früher wurde Milk Stout daher auch stillenden Frauen gegeben – keine gute Idee.

In diesem Cocktail ist er hingegen eine sehr gute Idee – und es bleibt noch genug vom Milk Stout übrig, um die Flasche danach am prasselnden Kaminfeuer zu genießen. In der Horizontalen. Wo ist nochmal meine Elfenbein-Liege?

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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