Hey Grampa‘! Uralter Rye aus den USA und Kanada

Auch Whiskeyfässer haben ein Verfallsdatum. Die meisten Bourbon und Rye erreichen den Höhepunkt ihres Geschmacks nach 10 bis 15 Jahren Lagerungszeit. Danach wird es schwierig. Nicht nur die für Süße und Karamell verantwortlichen Quercus- oder Whiskey-Lactone und das Vanillin werden dann extrahiert, sondern immer stärker auch auch die bitteren Tannine.

So ist eine Fasslagerung von mehr als 20 Jahren zwar risikoreich, besitzt nichtsdestotrotz viel geschmackliches Potential. So viel, dass längst auch Whiskeytrinker dies entdeckt haben und den Markt für sehr alte nordamerikanische Whiskeys faktisch leergekauft haben. Lohnt sich dennoch die Suche? An dieser Stelle will ich zwei Rye Whiskeys mit biblischen 21 Jahren vorstellen. Der eine aus Kanada, der andere aus Kentucky. Wie schmeckt uralter Rye?

Vintage Rye 21yo

Vintage Rye 21 Der Vintage Rye mit 21 Jahren stammt aus Kentucky, genauer von den Abfüllern von KBD (Kentucky Bourbon Distillers). Da diese aber nicht selbst destillierten, ist die genaue Herkunft unbekannt – wie so oft. Vermutlich stammt es aus den Beständen der alten Medley Destillerie, wie auch die A.H. Hirsch Abfüllungen.

Die Nase ist einzigartig. Viel Holz, Walnuss, Tabak und etwas muffiges Leder. Ein anderer Blogger benutzte den Begriff Kirchenmöbel, was irgendwie zutreffend ist. Pfeffer und Harz. Am Gaumen viel Holz und etwas Vanille. Düster. Keinerlei Frucht, daher sehr trocken. Der Vintage Rye 21yo ist ein Beispiel, wie Holz einen Whiskey prägen, vielleicht sogar übermäßig prägen kann. Am Rande meiner Holz-Toleranz, würde ich ihm dem 23-Jährigen vorziehen. Ein unendlich langer Abgang, der Tannine und Obstkernaromen freisetzt.

Collingwood Rye 21yo

Collingwwod 21yoCollingwood Rye 21yo stammt hingegen aus Kanada. Und ist ein 100% Roggenwhiskey. Schon das unterscheidet ihn von seinem Verwandten aus Kentucky. Zwar lagerte er ebenfalls in neuen,  Eichenfässern, sein Finish erhielt er aber in großen Behältern, die auch Fassdauben von Ahornfässern enthalten. Dieser bei Collingwood typische Prozess soll ein milderes Aroma geben, ist aber keinesfalls mit der Zugabe von Ahornsirup zu vergleichen.

In der Nase ist er fruchtig-beerig, frisches, grünes Holz kommt überraschenderweise durch. Apfelsaft ohne Ende. Auch am Gaumen dominiert der fruchtige, rot-süße Apfel. Pink Lady? Ansonsten viel Roggen, aber nicht zwangsweise als solcher zu erkennen. Die Fassaromen geben sich kanadisch-zurückhaltend. Am Ende und im Abgang Sahne-Karamell. Wieder rote Früchte.

Das Fazit? Es lohnt sich, alten Whiskey zu trinken. Auch wenn sie selten zu finden sind – oder gerade deswegen. Auch lässt das Alter nicht immer Rückschlüsse auf das Aroma zu. Holz ist nicht Holz. Und auch wenn der Markt zu wünschen übrig lässt, so sollte man doch einmal in die Bar seines Vertrauens gehen und nach der staubigen Flasche Bourbon fragen, die vielleicht noch auf einen wertschätzenden Kunden wartet.

tikiwise

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Janisson-Baradon Conges 2006

4 Kommentare

  1. TeeZ

    Und wie siehts mit bezug quellen aus?

    Weil Preislich liegen sie bei ca 70 USD.

    Aber in de????

  2. Bezugsquellen in DE sind mir leider keine bekannt. Meine Flaschen kommen direkt aus USA.

  3. TeeZ

    Per post oder Urlaub importiert ???

    Fals 1. würde mich die kosten interessieren mit voller Aufschlüsselung ….
    Damit man beim selbst import die kosten berechnen kann.

    Mfg

  4. Per Freunde von Freunden….für den USA Import per Post müssen wir wohl auf TTIP warten müssen 😉

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