Avion Tequila – ein Überflieger?*

Avion is very special. From its luxury packaging to its award winning, Best in the World liquid to its innovative approach to marketing. Rarely do you see brands that can merge both the lifestyle and quality aspects of a brand. Avion has been able to deliver on both promises and this is the reason we resonate with different people around the world, from hip-hop artists such as Jeezy to the most discerning mixologists and spirits aficionados.

Ken Austin, Gründer von Avion Tequila, Interview mit Forbes.com

Die sind verdammt hohe Erwartungen, die Ken Austin mit seinen Beschreibungen weckt. Die Tequilas von Avion (Blanco, Reposado, Anejo) sollen nun auch bald in Deutschland erhältlich sein. Wir haben ihnen auf den Zahn gefühlt, um zu testen, ob diese Erwartungen eingehalten werden.

Avion Silver

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Der Avion Silver (alle Tequilas bestehen aus 100% Agave) eröffnet gleich mit einem Paukenschlag! Fette, klare Agaventöne bestechen in der Nase. Keinerlei Fehltöne sind zu erkennen – null Sprittigkeit. Würde man Agave idealtypisch bestimmen müssen: hier ist sie. Am Gaumen wird dann doch wieder sichtbar, dass es sich um ein ungelagertes Destillat handelt. Jung und forsch bringt er auch etwas pfeffriges Brennen mit. Die Agave steht weiter im Zentrum, wird aber durch kräutrige Töne begleitet. Hier sticht besonders Rosmarin heraus. Im Abgang gesellen sich Karamel und Zitrusnoten hinzu.

In der Tommy’s Margarita, im getesteten Mix „leberfreundlich“ mit 8cl Tequila, 3 cl Limette  und 2 cl Agavendicksaft, wirkt der Avion jedoch sehr zurückhaltend. Ein milder, frischer Cocktail mit leichter Agavennote ist das Ergebnis. Schade, pur war hier mehr Kraft. Ein easy-going-Sundowner bleibt er dennoch.

Avion Reposado

avion_reposado

Der Reposado des Hauses Avion wird sechs Monate in leicht ausgekohlten Eichenfässern gereift. Damit wird er dreimal so lange gereift, wie es das gesetzliche Minimum erfordert. Dennoch ist er überraschend hell. Auch der geschmackliche Holzeinfluss ist gering. Die scharfen Töne werden abgemildert, ohne sie aber durch eine dominante Holznote zu ersetzen. Vielmehr erhält man nur etwas Vanille und noch viel der Agave. Als Cocktail haben wir einen Afterdinner-Cocktail gewählt.

Stardust

  • 7 cl Tequila Reposado
  • 3 cl Creme de Cacao (Tempus Fugit)
  • 3 cl Sahne
  • 1 cl Zimtsirup (Monin)
  • Absinth

Eine Cocktailschale mit Absinth besprühen. Die anderen Zutaten auf Eis shaken und abseihen. Mit einem Sternanis garnieren. Es war erwartbar, dass die Aromen von Sahne und Zucker dem Tequila schwer zu schaffen machen würden. Mit 7 cl Tequila stellt sich aber eine Balance der Fasstöne, Agave und dem Wohlfühlaroma ein, dass den cremigen After-Dinner-Drinks eigen ist.

Avion Anejoavion_anejo

Die Anejo Qualität des Avion verbringt zwei Jahre im Eichenfass. Und das merkt man ihr auch an. Fette Holztöne verdrängen hier die Agave. Toffee und Sahnekaramell schmeckt man heraus. Und im Abgang prominente Dörrfruchtnoten, insbesondere Aprikosen. In jedem Fall der beste Tequila des getesteten Portfolios.

Mit Anejo Tequila zu mixen ist eine Herausforderung. Wenn überhaupt, dann greife ich gerne zu den klassischen Old Fashioneds oder Manhattan Varianten. Als kleine Besonderheit kann daher schon der folgende Cocktail gelten, den Gaz Regan in der Amsterdamer Door 74 entdeckte und als einen der besten neuen Cocktails seit langem beschreibt.

Martilla

  • 1 Barlöffel geriebene Zitronenschale (Bio!); oder einige Zesten
  • 4,5 cl Anejo Tequila
  • 3 cl Trockener Wermut (Quintinye)
  • 3 (kleine) Barlöffel Maraschino

Alle Zutaten in Rührglas geben. Auf Eis kurz (etwa 10 Sekunden) rühren. In Cocktailglas abseihen. Hier kommt es darauf an, einige Kniffe zu beherzigen: Es handelt sich um eine Martini-Variante. Vorgekühlte Gläser und richtig kaltes Eis sind ein Muss. Das kurze Rühren soll nicht nur der Verwässerung vorbeugen, es verhindert auch, dass die Zestenaromen zu dominant werden. Das richtige Verhältnis herauszubekommen erfordert einige Übung, lohnt sich aber. Dann ergeben Tequila, Fassaromen und die Frische der Zitrone eine wundervolle Tequila-Martini-Variation mit sich ständig im Mund verändernden Geschmackswellen.

Insgesamt bietet Avion einen sehr milden Tequila, der Einsteigern in diesem Bereich mehr zusagen wird. Weder eine brachiale Kräutrigkeit oder Erdigkeit noch überbordender Holzeinsatz prägen das Produkt. Stattdessen liegt das Portfolio eher auf der Linie von Patron, die auch ein möglichst breites Publikum ansprechen wollen. from hip-hop artists (…) to the most discerning mixologists and spirits aficionados ist ein breites Spektrum. Avion ist hier ein Produkt gelungen, dass tatsächlich alle diese Gruppen anspricht. Dabei geht aber zwangsläufig etwas von der Einzigartigkeit des Geschmacksprofils verloren.

*Avion ist das spanische Wort für Flugzeug

tikiwise

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Janisson-Baradon Conges 2006
Bergamotte Silver Fizz

3 Kommentare

  1. Frage mich, ob man damit vielleicht einmal herumexperimentieren kann und eine Art Tequila-Variante des Aviation-Cocktails kreieren könnte. Dem Namen nach drängt sich so ein Versuch ja quasi auf…

  2. Das hat sich auch Marcel Baumann aus der Leobar/Barwerk gedacht und den „Agaviation“ entwickelt:

    Agaviation (von Marcel Baumann)
    ======================
    6-7 cl Tequila 100% Blanco
    1 cl Violette
    1 cl Maraschino
    2 cl Zitrone

    Ein sehr, sehr leckerer Drink und für den Avion wohl eine gute Wahl.

  3. Ah! Super! Das kling doch tatsächlich nach genau so etwas, woran ich gedacht habe. Vielen Dank für den Link.

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