Cognac-Reise 2015 – Teil 1

Erneut wurde Trinklaune vom BNIC (Bureau National Interprofessionnel du Cognac) nach Cognac eingeladen. Dieses Mal war ich der Glückliche, der dieser Einladung folgen durfte.

Anders als im September 2012, als Robin im Vorfeld des La Part des Anges 2012 Festivals in Cognac war, lag das Augenmerk dieser Reise mehr auf der Destillation. Denn die lief zum Zeitpunkt der Reise im ersten Drittel des Februars bei den größeren Häusern noch auf vollen Touren – und muss aufgrund der strengen Regularien bis zum 31. März abgeschlossen sein.

Viel Zeit zum Einrichten hatten wir nicht – kaum waren wir in unserem traumhaften Hotel Château De L’Yeuse angekommen, ging es schon zum ersten Cognac-Haus, dass wir auf dieser Reise besuchen sollten. Wir – das waren, neben mir, zwei Journalistinnen aus Deutschland, drei Journalisten aus Großbritannien, vier aus den USA und einem auch China – und das erste Haus sollte Frapin sein.

Dort angekommen wurden wir von dem überaus sympathischen Kellermeister Patrice Piveteau begrüßt, der uns kurz die Geschichte des Hauses erläuterte. Die Familie Frapin ist nachweislich seit 1270 in der Region ansässig. Vermutlich ist die Familie auch schon ähnlich lange im Weinbau tätig, doch bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein verkaufte man die Trauben an die großen Häuser. Erst 1984, als die Familie Renaud-Cointreau (nicht zu verwechseln mit Remy Cointreau) Frapin kaufte, änderte sich dies und es kamen Cognacs unter dem Namen Frapin auf dem Markt. Das Haus Frapin unterhält heute um das Örtchen Segonzac herum ca. 240 Hektar Rebflächen, alle im begehrtesten Cru, der Grande Champagne gelegen. Viel länger hielten wir uns auch gar nicht mit der Theorie auf, recht zügig wurden wir zwecks Verkostung in eine urige Stube gebeten.

Wie man sehen kann, waren die Regale an den Wände dieses kleinen Raumes voll gestellt mit Cognacs, einige davon viele Jahrzehnte alt. Und so viele Jahrzehnte stehen diese Flaschen womöglich dort auch schon – der Geruch in dieser Schatzkammer lässt das wenigstens vermuten. Bemerkenswert fand ich es ja, dass auch die Spitzenprodukte zur freien Verkostung bereit standen. So hatte man mal ganz schnell hundert Euro im Glas, wenn man sich z.B. von der Cuvée 1888 nahm. Doch die Prestige Cognacs waren gar nicht meine Favoriten an diesem Abend. Das war der Millésime 1989…

Anschließend besuchten wir noch die Lager- und Produktionshäuser.

Das Abendessen im Château des Hauses, dem Château Fontpinot, machte der Umstand, dass Champagner Gosset wie Frapin zur Groupe Renaud-Cointreau  gehört, noch großartiger, als es eh schon war. In gemütlicher Runde genossen wir einen rund um wundervollen Abend und den Ausklang des ersten Tages.

Wähernd unserer Besuche der verschiedenen Cognac-Häuser wurde in aller Regel die Herkunft der Trauben thematisiert. Die Region Cognac teilt sich im Wesentlichen auf in die Grande Champagne, der Petit Champagne, den Borderies und den Fine Bois. Dass es noch die Bons Bois und die Bois Ordinaires gibt, wurde gelegentlich gar nicht oder eher am Rande erwähnt. Wer, wie Frapin, seine Parzellen ausschließlich in der Grande Champagne hat, der tut das natürlich auch kund. Andere Häuser sind da inzwischen wesentlich gelassener. Bei Martell z.B. erklärte man uns, man hätte keine Dünkel, Traubenmaterial aus den weniger angesehenen Crus zu verwenden, im Gegenteil, man unterhielte in jedem Gebiet eigene Domaines. Wichtig wäre allein die Qualität der Trauben.

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Tatsächlich unterhält das Haus Martell, das übrigens dieses Jahr 300 Jahre alt wird und damit eines der ältesten, heute noch produzierenden Häuser ist, 420 Hektar eigene Rebflächen. Davon ist der überwiegende Teil in den Fine Bois und in den Borderies und nur ein geringer Teil in der Grande und Petite Champagne. Der Anteil des selbst produzierten Traubenmaterials ist aber sowieso verschwindend gering. Er liegt nur bei zwei bis drei Prozent. Den Rest erzeugen 1200 Kontrakt-Winzer.

Am zweiten Tag standen Martell und Hennessy auf dem Programm. Unser Besuch in der Destillerie in Gallienne, der größeren der beiden, die Martell unterhält und der größten in Cognac, war einer der aufschlussreichsten der Reise, weil hier die Produktion außerordentlich transparent erläutert wurde. Viel wichtiger als die Frage, aus welchem Cru das Traubenmaterial stammt, scheint hier zu sein, ob man gefilterten oder ungefilterten Wein destillieren solle. Nach der Pressung lässt man den Traubensaft einen Tag ruhen, damit sich das Sediment absetzen kann. Martell filtert diesen Saft, Rémy Martin dagegen nicht. Bei Hennessy bekamen wir auf die Frage, wie man hier verfahre, die Antwort: „Kommt auf die Qualität der Trauben an“. Meistens wird hier aber nicht filtriert.

 

Gut gefallen hat mir bei Martell, dass man uns hier nicht nur einfach mitteilte, welches Produktionsverfahren man gewählt hat, sondern uns die Unterschiede nähern bringen und vermitteln wollte, warum man sich so entschieden hat. Zu diesem Zweck konnte wir zwei Eau de Vies probieren – eines hergestellt aus gefilterten Grundwein, eines aus ungefilterten.

Ein weiterer, großer Unterschied zwischen den Produktionsweisen ist es, wie mit dem Vor- und Nachlauf verfahren wird. Martell gibt beide wieder in den Wein. Remy Martin dagegen gibt diese in die Brouillis, dem Rauhbrand, dem Produkt der ersten Destillation. Hennessy geht erneut einen dritten Weg. Hier wird ein Teil des Nachlaufs dem Wein hinzugefügt, der andere geht in die Brouillis.

So viel zu den ersten Stunden in Cognac. Weiter geht es im zweiten Teil.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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