Cognac-Reise 2015 – Teil 2

Der dritte Tag begann mit einem Besuch bei Hennessy, dem Cognac-Giganten. Vier Fünftel der gesamten Cognacproduktion liegen in den Händen der vier großen Häuser Martell, Remy Martin, Courvoisier und eben Hennessy, nur dass auf Hennessy allein 45 Prozent davon entfallen. Für Hennessy arbeiten 1.500 Winzer und 500 Brenner, in den Kellern lagern unglaubliche 350.000 Fässer.

Nach einer Besichtigung der Brennerei…

…ging es zurück in die nicht weniger beeindruckende Firmenzentrale.

Dort wurden wir von Olivier Paultes empfangen. Monsieur Paultes war viele Jahre Kellermeister bei Frapin und ist nun Mitglied eines Gremiums bei Hennessy, das täglich pünktlich um elf Uhr zusammenkommt, um die Qualität der Erzeugnisse bewerten und die Zukunft der Cognacs zu entscheiden. In einem ziemlich beeindruckenden Seminarraum bekamen wir die Aufgabe, aus drei XO-Qualitäten aus den Jahren 1983, 1990 und 1996 einen Blend zu erstellen.

Dabei sollten wir zunächst durch Ausprobieren das Verhältnis herausfinden, dass uns am meisten zusagte und stellten dieses dann Monsieur Paultes vor. Noch beeindruckender als der Seminarraum war, mit welcher Sicherheit dieser die gewählten Mischungsverhältnisse herausschmeckte. Sodann durften wir uns eine Halbliterflasche mit dem Ergebnis füllen und mit nach Hause nehmen.

Wie schon bei Robin wurde auch auf dieser Reise der Besuch bei Hennessy durch ein Lunch im firmeneigenen Château de Bagnolet vollendet.

Am Nachmittag bekamen wir die Gelegenheit, zur Abwechslung mal einen kleinen Erzeuger zu besuchen: Dudognon. Ein reiner Familienbetrieb. Mit 32 Hektar Rebfläche, ausschließlich in der Grande Champagne, nicht gerade ein großes Haus. Dudognon destilliert nur Trauben der Sorte Ugni-Blanc, die auf den eigenen Weinbergen gewachsen sind. Mit zwei Charentaiser Brennblasen entstehen nur 450-500 Hektoliter pro Jahr und werden in nur 200 Fässer gefüllt. Die Brennblasen werden hier noch von Hand mit Holz befeuert, während die meisten anderen Brennereien bereits auf Gasbrenner umgestellt haben. Das bedeutet auch, dass in der Destillationsphase von November bis März meist eines der Familienmitglieder auf einem Feldbett neben den Brennblasen nächtigt.

Am letzten Tag, quasi kurz vor dem Abflug, stand noch ein Besuch bei Camus, der Nummer Fünf unter den großen Häusern, auf dem Programm. Cyril Camus, der bisher jüngste Spross der Familie (Jahrgang 1971), wird mit folgendem, wie ich finde einfachen und doch so vielsagenden Satz zitiert:

Making a great Cognac is easy.
All you need is a great-grandfather, a grandfather and a father who have done it before you.

Auch hier sollten wir wieder einen eigenen Blend herstellen, diesmal aber unter ganz anderen Voraussetzungen. Hier gab man uns als Ausgangsmaterial nicht verschiedenen Jahrgänge, sondern hier stellte man viel mehr auf die Herkunft der Cognacs ab: Aus großen Fässern konnten wir XO-Cognacs aus den ersten vier Crus zapfen und daraus unseren Blend herstellen. Diese ganz unterschiedliche Herangehensweise war hochinteressant. Genau so wie der Ile de Re Cognac, dessen Wein auf eben jener Insel im Atlantik angebaut wird. Die gehört schon zu den Bois Ordinaires, also zu der vermeintlich am wenigsten attraktiven Lage, und doch gewinnt man bei Camus aus diesem Wein einen spannenden Cognac, denn der Einfluss des Atlantiks auf die Trauben ist im Cognac schmeckbar – ich meine eine salzige Note ausgemacht zu haben. Zu diesen Thema vielleicht bald mehr von Robin.

Direkt von Camus ging es zum Flughafen Bordeaux und zurück nach Hause. Zwei ganze, ein halber und Vierteltag voll Informationen, netten Menschen, einer wunderschönen Landschaft, die sich im strahlenden Sonnenschein präsentierte und rund um eine tollen Spirituose. Vielen Dank dafür! Wer die Gelegenheit hat, sollte diese Region unbedingt einmal besuchen.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank Olli für die tollen Einblicke!

  2. Vielen Dank für diesen informativen Artikel!

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