Woodford Reserve Straight Rye

Jetzt hat es auch Woodford Reserve getan – und einen eigenen Rye Whiskey destilliert. Das Unternehmen, das zu Brown-Forman gehört, machte bislang nicht besonders durch Produktinnovationen auf sich aufmerksam. Neben der Einführung des hierzulande nur schwer erhältlichen Woodford Reserve Double Oaked in 2012 und der jährlichen, limitierten Master’s Collection, vertraute man auf das Flaggschiff, Woodford Reserve Bourbon. Allerdings ändert sich das gerade. Das Label eines in Brandyfässern gefinishten Bourbon namens Legacy Barrel wurde gerade bei der TTB gecleart. Und auch an Brown-Forman geht die Rye-Welle nicht vorbei und keine Marke des Konzerns hatte bislang einen Rye Whiskey im Programm.

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Bereits 2011 hatte Brown-Forman daher zwei experimentelle Rye Whiskey im Rahmen ihrer Master’s Collection veröffentlicht. Beide aus 100% Rye hergestellt, dreifach destilliert und einmal in neuen, einmal in bereits genutzten Fässern gelagert. Das Medienecho war begrenzt euphorisch. Insbesondere müssen aber die Erfahrungen, die man mit der klumpigen 100% Rye Maische in den Pot-Still Anlagen gemacht hat, so desaströs gewesen sein, dass man von der Serienproduktion lieber die Finger gelassen hat. Auch deswegen stammt der neue Whiskey nur teilweise aus den Pot Stills in der Woodford Reserve Destillery, Versailles, und teilweise auch aus den Continuous Stills in der Early Times Destillery in Shively.

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Der neue Rye hat wohl auch aufgrund der schwierigen Arbeit mit der 100% Maische nur 53% Roggen in der Mashbill (und 14% Gerste und 33% Mais) – in den Worten der Marketingabteilung: „Man wollte die typischen Aromen des Woodford Reserve Bourbon übertragen.“ Damit, und mit den 7-8 Jahren Lagerungszeit, ähnelt der Whiskey gestandenen Mitspielern wie Sazerac 6yo und Wild Turkey 101. Beide Produkte sind leider in Europa fast verschwunden und haben LDI/MGP gesourcten Whiskeys Platz gemacht, die ein ganz eigenes Geschmacksprofil haben.

Nun aber zum Woodford Reserve Rye, der in Deutschland bislang noch nicht erhältlich ist. Die Nase startet mit massiven 45,2% und mit Karamel, Kirschsaft, Christstollen und viel Holz. Die Holztöne sind so intensiv, wie man sie eigentlich erst von wesentlich älteren Whiskeys kennt. Am Gaumen ebenfalls viel Power aber fast keine Frucht. Dieser Rye ist trocken – sehr trocken. Und damit tatsächlich ähnlich dem Woodford Reserve Bourbon. Die Aromen von Karamel, Brot und Kirschen setzen sich dennoch fort. Und den Abgang dominieren Schokoladentöne.

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Kurzum: Wow. Fliegen Sie in die USA. Kaufen Sie dort eine Flasche. Oder campen sie vor dem deutschen Brown-Forman Hauptquartier, um für eine baldige Markteinführung zu demonstrieren. Denn trotz der guten Verfügbarkeit verschiedener Konkurrenten schafft Woodford hier einen ganz eigenen Zugang zum Rye-Whiskey und eine gelungene Erweiterung des Portfolios, die hoffentlich bald auch hierzulande zu kaufen ist.

EDIT: Mittlerweile ist das Produkt über Whisky.de erhältlich.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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