Champagne Cattier – Von Süße und Säure

Die Champagner des Hauses Cattier tauchen in der deutschen Barszene immer wieder auf. Aus zwei Gründen.

Einerseits ist der Markenbotschafter Marcus Wolff umtriebig und ständig mit ein paar Flaschen Schaumwein in deutschen Bars unterwegs. Andererseits macht das Haus Chigny-les-Roses sehr trinkbare und fair bepreiste Champagner, die sich optimal für den offenen Ausschank eignen.

Als Herr Wolff kürzlich in Hamburg war, haben wir die Chance genutzt und ein paar Qualitäten des Cattier-Portfolios probiert.

Cattier Champagner
Glücklicherweise hatte Marcus die Auswahl schon festgelegt, denn in dem verwirrend konzipierten Portfolio des Hauses, das auf verschiedene Zielgruppen und Märkte hindeutet, kann man sich schnell verlieren. Umso besser, dass wir mit dem Brut Quartz einen entspannten Starter ins Glas bekamen. Mit 10 gr./Liter dosiert und 36 Monate auf der Hefe. In der Nase konnte der Quartz uns sofort mit einer großen Portionen Frucht (Quitte, Apfel, Birne) begeistern. Am Gaumen setzte sich dieser Eindruck fort. Quitte ohne Ende, Birne, Quittengelee, etwas Zitrus. Ausgewogene Balance zwischen der hohen Süße und der Säure – ein absoluter Trinkwein, der auch preislich im unteren Segment angesiedelt ist und überzeugt!

Dass der Blanc de Blancs in einer muttertagsfähigen Flasche daherkommt, sollte nicht dazu führen, den Wein nicht ernst zu nehmen. Trotz der kürzeren Reifezeit von zwei Jahren ist der Blanc de Blancs eine Nummer charakterstärker. In der Nase eine sehr schöne Frische, cremig, fein und weich. Die cremig-buttrige Spielart des Chardonnay-Champagners, die aktuell ein wenig gegenüber den säurestarken, stringenten Vertretern zurückzustecken scheint, wird hier in sehr charmanter Art und Weise gezeigt. Am Gaumen erneut fein und cremig mit Aprikose, Pfirsich und Jasminblüte. Die Säure von ca. 7 gr. / Liter gleicht die erneut hohe Dosage von 10 gr./L. gekonnt aus, sodass ein sehr guter Trinkfluss entsteht. Im Sommer auf der Terrasse servieren – nachschenken bitte!

Aus der gleichen Produktlinie folgt nun ein Blanc de Noirs, deutlich seriöser im Packaging. Die 70 % Pinot Noir werden von 30 % Pinot Meunier flankiert. Erneut: 10 gr./L. Dosage, die Säure liegt cei ca. 6,6 gr./L. (Nebenbei bemerkt: absolut vorbildlich, diese Informationspolitik zu jeder einzelnen Cuvée auf der Website.) In der Nase eine tolle, dunkle Frucht, gepaart mit feinen Röst- und Hefetönen. Am Gaumen eine schöne Energie, wieder dunkle Frucht und Trauben. Trinkstoff vom Allerfeinsten gibt es hier in der Flasche.

Die drei bisher probierten Cuvées eint, dass sie mit einem wunderschönen Trinkfluss aufwarten. Sicherlich bedingt durch die recht hohe Dosage, die aber gerade bei den letzten beiden Weinen durch eine kräftige Säure gut ausgeglichen wurde.

Bei der Prestige Cuvée des Hauses (wenn man von der Bling-Bling-Schwestermarke Armand de Brignac absieht), dem Clos du Moulin, bekommt man aromatisch am meisten – man muss aber einen kleinen süßen Zahn haben. Die Dosage liegt erneut bei 10 gr./L., die Gesamtsäure aber nur bei 4,4 gr./L. Dies macht sich bemerkbar. Die Assemblage aus 50 % Chardonnay und 50 % Pinot Noir aus einem ummauerten Weinberg (=Clos) wird aus drei Jahrgängen zusammengestellt (in unserem Fall 2002, 2003 und 2005) und bleibt sieben Jahre auf der Feinhefe. In der Nase dezent und zurückhaltend, aber keineswegs dünn. Am Gaumen sehr rund, tolle Rösttöne überzeugen, dazu Brioche, Toast und Haselnuss, kombiniert mit einer feinen Frucht, die vor allem vom Pinot Noir geprägt ist. Es ist ein typischer Prestige Cuvée-Geschmack, der hier erzeugt wird. Mit der halben Dosage würde mich der Clos du Moulin wahrscheinlich voll und ganz begeistern. So bleibt das Gefühl, der Wein zeigt nicht alles, was er kann, da der Zucker doch einige Aromen überlagert. Für Champagnerfreunde, die gern etwas dezenter auf der Säureseite unterwegs sind, ist der Clos du Moulin hingegen ein Muss.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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