Und immer wieder Krug. Teil II.

Letzte Woche ging es entspannt los, nun wird das Tempo angezogen! Krug 1998 wurde aus der Magnum serviert. Sind Jahrgangschampagner von Krug bereits eine ziemlich rare Freude, ist es einer aus der Magnum umso mehr. Zumal Preise von ca. 600 € nicht unbedingt zum Spontankauf verleiten – umso größer war die Freude, diesen Champagner aus dem besten aller Flaschenformate zu verkosten! Denn beim letzten Mal, als wir in diesen exquisiten Genuss kamen, waren bereits ein paar Gläser Wein getrunken worden, sodass die gustatorische Erinnerung dringend einer Auffrischung bedurfte!

Krug Vintage 1998 ex Magnum
Nase:
Ich gebe es zu – bei Krug müssen wir nicht über Rösttöne reden. Aber diese Nase ist eine Bombe an Röstaromatik. Kaffee, Haselnüsse – alles da und von allem viel. Krug PUR!
Wahnsinnige Intensität, umspielt von einer runden und weichen Traubenfrucht und etwas Tonkabohne, wie die Krume eines frisch gebackenen Schwarzbrotes. Herrlich.
Gaumen:
Sehr mundfüllend und zupackend, reichhaltig und dicht. Eine massive Fülle, die aber keine Sekunde plump oder schwer ist, sondern extrem ausgewogen und intensiv. Wow, ein massiver Champagner im besten Sinn. Fabelhafte Leichtigkeit und eine heftige Intensität – das schafft nur Champagner und auch hier schaffen es nur einige Wenige, einige ganz Große.
Apfel und eine Wagenladung Frucht, Kaffee und Nuss. Mit Zeit gesellen sich Mandeln, Marzipan sowie exotische Gewürze und Cashew-Töne dazu, die den Hummer mit Blumenkohl und Kokosnuss fein einrahmen.

Nach dem Blockbuster 1998 brauchte man eigentliche eine Verschnaufpause, aber das flinke und sympathische Serviceteam um Sommelier und Restaurantleiter Maximilian Wilm wartete bereits mit dem nächsten Wein auf:

Krug Vintage 2000
Nase:
Weniger Rösttöne als seine beiden Vorgänger, mehr Frucht, aber die gleiche Fülle. Weich wie ein Daunenkissen, elegant und tänzelnd.
Melone und viel frische Passionsfrucht, mit der Zeit ergänzt um – Überraschung Überraschung – Noten frisch gerösteten Kaffees.
Gaumen:
Ein Griff in die Gewürzkiste! Weich und trotzdem mit solider Säure, die aber nicht in den Vordergrund tritt, wie sie es bei Winzerchampagnern oft tut. Die immense Fülle der Nase offenbart sich auch am Gaumen, man möchte fast sagen: wie immer! Beim 2000er wird auch eine feine Mineralik deutlich, alle Bereiche am Gaumen werden ausgekleidet und bedient, Wassermelone, Kalk, Zimt und Nelke. Kandierter Ingwer und Mandarinentarte. Dieser Champagner ist prototypisch weinig und behält eine tänzelnde Leichtigkeit, die ihn einzigartig macht.
Der vorzügliche Glattbutt mit Petersilie, Imperial Kaviar und Beurre Blanc hat leichtes Spiel, die Kombination ist nicht ausgefallen, aber extrem stimmig – gut so!

Zum Hauptgang Rehrücken, Rüben, Schalotte, Himbeere wird die Farbe des Champagners gewechselt – Krug Rosé steht auf dem Programm!

Rehrücken, Rüben, Schalotte, Himbeere

Rehrücken, Rüben, Schalotte, Himbeere

Krug Rosé
Nase:
Zurück zu den Rösttönen! Dazu eine leichte und feine Frucht, Erd- und Himbeeren mit Krug’scher Eleganz und Kraft.
Gaumen:
Viel Körper und Charakter, viel rote Frucht. Eine gelungene Cremigkeit mit feiner Süße, die hervorragend zur stark ausgeprägten Beerenaromatik passt. Dies ist in erster Linie ein Krug, nur in zweiter Linie ein Rosé, was den Champagner spannend macht.
Erneut serviert das Team des Seven Seas uns ein herausragendes Pairing, denn die Himbeere zum Reh baut die perfekte Brücke zur Säure des Champagners und sorgt dadurch für eine Verbindung zum Rest des Ganges – großartig!

Zum Abschluss des Dinners, bestehend aus dem Dessert „Bienchen und Blümchen – Buttermilch, Pfirsich, Kirschblüte“ erreicht uns erneut ein Glas Krug Grande Cuvée, in diesem Fall mit der Basis aus 2003 und mit etwas mehr Zeit in der Flasche. Der Champagner unterscheidet sich bereits vom jüngeren Degorgement durch etwas mehr Reichhaltigkeit und eine stärkere Ausprägung der Aromen, aber die Unterschiede sind noch nicht allzu groß. Beim Dessert wird das meines Erachtens grundsätzlich bestehende Problem deutlich, (Brut-) Champagner zu Süßspeisen zu servieren. Trotz zurückhaltender Süße im Dessert arbeitet die Säure zu stark gegen die Komposition. Das macht aber nichts, denn der Champagner schmeckt hervorragend, auch nachdem das Dessert längst gegessen wurde.

Nach diesem großartigen Abend kam auf die Gäste noch die Aufgabe zu, die verbliebenen Flaschen in der lauen Hamburger Sommernacht auf der Süllbergterasse zu leeren. Wir haben uns dieser Herausforderung gestellt und konnten einige Erfolge verbuchen – denn Krug bleibt einzigartig!

Die Champagner des Abends

Die Champagner des Abends

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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