Keep calm and drink Craft Rye – Teil 1: Koval und Tuthilltown Hudson Rye

Calm and Craft RyeIn unserer dreiteiligen Reihe beschäftigen wir uns mit den Roggenwhiskeys der „grain-to-glass“-Produzenten. Sie vereint alles, was man Craft nennt: Quereinsteiger, geringes Abfüllungsalter und eine extreme Innovationsfreudigkeit. Die Verkostungsnotizen basieren auf Blind-Tastings mit Bartendern und Bartenderinnen, Industrievertretern, Händlern und Spirituosenmessenveranstaltern – und selbstverständlich Nerds 😉

Koval Single Barrel Rye

Die 2008 in Chicago gegründete Destillerie Koval gilt als einer der Vorreiter in Sachen Craft Whiskey. Koval ist in einigen osteuropäischen Ländern der Begriff für Hufschmied, im jiddischen beschreibt es aber auch ein „Schwarzes Schaf“. Die Gründer, Robert und Sonat Birnecker sind umtriebig. So destillieren sie nicht nur, sondern unterstützen auch die wachsende Craft Whiskey Gemeinde mit Know-How – immer mit dem Ziel, die Qualität von Craft Whiskey zu erhöhen.

Der Rye selbst ist aus einer 100% Rye Maische hergestellt und wird als Single Barrel abgefüllt. Wohltuend in einer Zeit, in der Begriff small batch jeden Bedeutungsgehalt verloren hat. Die Rohstoffe werden lokal bezogen und sind biologisch angebaut. Der Rye wird nach der Destillation in 30 Gallonen fassende Fässer (ca. 113 Liter) gefüllt und gelagert. Das Alter ist unklar. Nach den europäischen Regelungen muss ein Produkt, dass als „Whiskey“ bezeichnet wird, mindestens 3 Jahre alt sein. Quellen im Internet sprechen von 18-24 Monaten oder auch zwei Jahren. Wir müssen hier dem Label vertrauen.

Dennoch ist es ein junges Destillat. Ein helles Gold im Glas und auch das Roggenaroma bleibt sehr mild. Eher die Aromen von Vanille und Ahornsirup, die man in einem Bourbon erwarten würde. Unser Panel war unsicher. Die Mashbill wurde auf weit weniger als 100% Roggen geschätzt. Würde ein solcher Whiskey im Manhattan überleben? Das Panel war sich nicht sicher. Der Single Barrel Rye ist ein vielschichtiges und elegantes Produkt, das pur bereits überzeugt.

Koval Single Barrel Rye und Tuthilltown Hudson Manhattan Rye

Koval Single Barrel Rye und Tuthilltown Hudson Manhattan Rye

Tuthilltown Hudson Manhattan Rye

Unser zweiter Rye im Test ist ein alter Bekannter. Aufmerksame Trinker kennen Tuthilltown Hudson Manhattan Rye, der seinen „Small Batch“ Status mit 0,35l Flaschen unterstreicht, bereits seit längerem als Grauimport. Denn bereits 2004 begannen Ralph Erenzo und Brian Lee mit dem Destillieren in der ehemaligen Getreidemühle im Hudson Valley, New York State. Das allerdings geschah eher notgedrungen, denn eigentlich wollte Erenzo, der ehemaliger Profikletterer ist, die Mühle zur Kletterhalle ausbauen. Der Plan scheiterte aus rechtlichen Gründen und so wendete man sich nach einigem Hin und Her dem Destillieren zu. Der 100% Rye wird in verschieden großen Fässern (zwischen 3 und 55 Gallonen, im Schnitt 20 Gallonen) gelagert und am Ende geblendet. Nach eigener Aussage kommt dabei „Sonic Maturation“ zum Einsatz. Dicke Subwoofer spielen East Coast Hip-Hop, was die Flüssigkeit in Bewegung setzen soll. Ob das dem Geschmack des Whiskeys hilft oder eher die Laune des Teams hebt, sei dahingestellt.

Aufgrund der Kupferfarbe wirkt das Destillat wesentlich älter als  3-4 Jahre. In der Nase fette Getreidearomen, Kirsche und Dörrpflaumen. Am Gaumen setzen sich die 46% mit Apfel und einer leichten Schärfe fort. Viel Getreide, Fasstöne und etwas Zimt. Der Whiskey hat Power, von den Teilnehmern wurde mehrfach erwähnt, dass man „exakt dies von einem Rye erwarte“. Das Unternehmen wurde übrigens 2010 an William Grant & Sons verkauft und seit diesem Jahr ist das Produkt auch bei uns offiziell (UVP: 47€/0,35l) erhältlich.

Übrigens wurde das abgefüllte Destillat stetig „älter“. Wer also noch eine Flasche der Grauimporte hat, wird vermutlich einen wesentlich jüngeren Whiskey im Glas haben. Auch diese Inkosistenz der Batches ist Craft. In diesem Fall durchaus eine Positive.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

1 Kommentar

  1. Ich bin auch ein großer Fan der Koval-Produkte.
    „Unser Panel war unsicher.“ und „Das Panel war sich nicht sicher.“ – Ich bin mir dagegen sicher: Das sind tolle Whiskeys.

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