Keep calm and drink Craft Rye – Teil 2: FEW Rye und Corsair Ryemageddon

Calm and Craft RyeIn unserer dreiteiligen Reihe beschäftigen wir uns mit den Roggenwhiskeys der „grain-to-glass“-Produzenten. Sie vereint alles, was man Craft nennt: Quereinsteiger, geringes Alter und eine extreme Innovationsfreudigkeit. Die Verkostungsnotizen basieren auf  einem Blind-Tasting mit Bartender und Bartenderinnen, Industrievertretern, Händlern und Spirituosenmessenveranstaltern – und selbstverständlich Nerds 😉

FEW Rye

Die Prohibition in den USA endete 1933. Die Prohibition in Evanston, Illinois endete 1972. Seit der Gründung der Stadt war diese Dry City, und der Alkoholausschrank war verboten. Und erstmals in 2011 mit der Gründung von FEW wurde in der Stadt Alkohol destilliert. Paul Hletko, Patentanwalt und einer tschechischen Brauerfamilie entstammt, benannte sein Unternehmen daher – nicht ohne Ironie – nach Frances Elizabeth Willard, einer Ikone der Prohibitionsbewegung. Die wuchtigen Flaschen zieren Motive der Weltausstellung 1893 in Chicago. Ein wundervolles Interview mit dem Gründer hat übrigens die Mixology.

FEW vertraut auf eine Mashbill von 70% Rye, 20% Mais, 10% gemälzter Gerste und altert sein Destillat 3-4 Jahre lang. In der Nase Karamel, brauner Zucker, Zimt und Getreide. Aber auch etwas Orangenschale. Am Gaumen viel Roggen und Mais. Eine fette Honig-Süße. FEW ist unfassbar komplex und kombiniert Nuancen vieler Gewürze. Aber insgesamt schreit der Rye danach, als Getreidebrand wahrgenommen zu werden.  Lange hallen die Roggennoten  im Abgang nach.

FEW Rye und Corsair Ryemageddon

FEW Rye und Corsair Ryemageddon

Corsair Ryemageddon

Die Geschichte von Corsair beginnt mit Darek Bell und Andrew Webber, die Bio-Diesel produzieren und als begeisterte Hobbybrauer auf die Idee kommen, doch lieber in die Spirituosenbranche zu wechseln. 2009 entstand so ein Unternehmen, das nach eigener Aussage „HAND CRAFTED SMALL BATCH ULTRA PREMIUM BOOZE FOR BADASSES” kreiert. Man versteht sich als Experimentierabteilung der Craft Bewegung. Das Portfolio enthält von Absinth bis zu Vanilla Wodka alles, was man braucht und nicht braucht.

Der Ryemageddon (was ein Name!) besteht zu 80% aus gemälztem Roggen und 20% aus ungemälztem gerösteten (Schokoladen-)Roggen. Diese außergewöhnliche Wahl macht sich auch im Destillat bemerkbar.

In der Nase: Ist das Rye Whiskey? Eher nach einem vanilligen Tequila Reposado. Viel Apfel und Schokolade. Dörrfrüchte. Abgefahren. Am Gaumen ist dann klar, wo die Reise hingeht. Dunkle Gewürznoten. Roggen. Schokolade. Vanille. Pfeffer. Eine leichte Rauchigkeit. Ein wuchtiges Produkt und sicherlich nicht allzu alt. Quellen sprechen von 4-6 Monate. Ob die Labelung als „Whiskey“ daher falsch ist, lässt sich nicht sagen, aber einiges spricht dafür. Unser Panel war dennoch begeistert und gab dem Roggen Höchstnoten! Mut wird eben doch belohnt.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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