Keep calm and drink Craft Rye – Teil 3: Dad’s Hat Vermouth Finish und Hillrock Double Cask.

Calm and Craft RyeIn unserer dreiteiligen Reihe beschäftigen wir uns mit den Roggenwhiskeys der „grain-to-glass“-Produzenten. Sie vereint alles, was man Craft nennt: Quereinsteiger, geringes Alter und eine extreme Innovationsfreudigkeit. Die Verkostungsnotizen basieren auf einem  Blind-Tasting mit Bartendern, Industrievertretern, Händlern und Spirituosenmessenveranstaltern – und selbstverständlich Nerds 😉

Dad’s Hat Vermouth Finished Rye

Herman Mihalich war Chemieingenieur bis ihn die Erinnerung an die Bar seines Vaters dazu brachte, eine Destille zu bauen. Um seinen Vater zu ehren, benannte er das Unternehmen nach dessen Lieblingskleidungsstück – dessen Hut. So weit – so bemüht – ist auch die Geschichte dieses Unternehmens, das 2010 in Bristol, Pennsylvania seinen Anfang nahm. Aber am Ende zählt ja das Produkt. Die Mashbill besteht aus 80% ungemälztem Roggen, 15% Gerste, und 5% gemälztem Roggen. Wir haben uns den Vermouth Finished Rye mit 47% näher angesehen.

Dieser wird 6 Monate in Quarter Cask (15 Gallonen) und 3 Monate in Fässern gelagert, die aus der Produktion von Vya Sweet Vermouth stammen. Er soll eine Interpretation des Pennsylvania Rye sein, der Urform des Rye Whiskey, lange bevor er in Kentucky destilliert wurde.

In der Nase klingen weihnachtliche Gewürze an, die von weinigen Noten getragen werden. Viel Wermut. Lakritz und schwarze Johannisbeeren. Der Gaumen beginnt rauh und würzig. Ok, der Kollege ist jung. Zu jung? Vielleicht hat man ihn deswegen mit Wermut etwas milder gemacht. Wer von all dem milden Premium-Whiskeys die Nase voll hat wird hier fündig. Die Roggen-Noten bleiben präsent. Der Abgang hat viel von einem Manhattan-Cocktail.

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Hillrock Estate Double Cask Rye & Dad’s Hat Vermouth Finished Rye

Hillrock Estate Double Cask Rye

Jeffrey Baker ist Investmentbanker im Immobiliensektor, Landwirt aus Leidenschaft und seit 2011 Eigentümer von Hillrock Estate, einem Gut im Hudson Valley. Er will dort Whiskey produzieren, der aus Getreide eigenem Anbaus destilliert wird. Im Gegensatz zu anderen Quereinsteigern holte er sich mit Ex-Makers-Mark Master Distiller Dave Pickerell einen Experten in Sachen Destillation ins Haus. Der von uns getestete Double Cask Rye hat 45% und eine 100% Rye Mashbill. Hillrock begegnet dem Problem des geringen Alters mit einem kreativen Trick. Man lagert zunächst in traditionellen Fässern und danach in stark getoasteten Fässern, deren Holz 2 Jahre luftgetrocket wurde. Durch die Lufttrocknung sollen bittere Tannine minimiert werden, sodass eine geringere Lagerzeit einen milderen Whiskey produzieren soll.

Die spezielle Fasslagerung macht Eindruck: Der Rye ist sehr dunkel! Die Nase wird dominiert von Dörrfrüchten, Feige. Viel Holz und Sägemehl. Der Whiskey bleibt auch am Gaumen auf der holzigen Seite. Dahinter verbirgt sich Espresso und Bitterorange. Der Roggen wird erst im Abgang deutlich! Ein außergewöhnliches, sehr eigenständiges Produkt – der bislang nur als Grauimport für ca. 150€ erhältlich ist.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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