Dead Presidente & Compagnie des Indes

Compagnie des Indes Cuba 16yo & El Dead Presidente

Wie schmeckt kubanischer Rum? Er hat nicht die voluminöse, süße Fülle der Südamerikaner. Damit eignet er sich nicht zum „Premium“-Rum, wie ihn die Zacapa 23 oder Botucal Trinker lieben. Rum aus Kuba ist keine Ester-Bombe wie die Jamaikaner aus Hampden Estate oder Long Pond. Der Rum-Nerd winkt gelangweilt ab. Zu wenig hef-tiiiig – zu wenig Extremist – einfach laaang-wei-liiig.

Dabei hat Kubanischer Rum einen distinktiven Charakter. Er ist schlank, elegant und leicht rauchig. Nicht umsonst existiert ein eigener Cuban Style Rum. Bereits Havana Club 3 Jahre weist diese Charakteristika auf. Und er ist ein beständiger Lastenesel in den Bars. Für Mojitos, Daiquiris, Rum Negronis, manchmal mit Frucht, manchmal ohne.

Wenige kommen auf die Idee, kubanischen Rum pur zu trinken. Es gibt den Seleccion de Maestros, den Jeff Berry als „seinen Lieblings-Daiquiri-Rum“ beschrieben hat. Die anderen verfügbaren „Premium-Produkte“ sind dann mit Havana Club 15 (ca. 150 EUR) und Havana Club Union (ca. 280 EUR) im Preis eher „Super-Premium“. Keine Konkurrenz für die Zuckerbomben aus Südamerika. Auch nicht im Zuckergehalt. Der Zuckergehalt der Kubaner tendiert häufig gegen Null. DAS ist Premium.

Torben schrieb bereits über den Compagnie des Indes Sancti Spiritus 16yo. Für mich ist dies der beste kubanische Rum, den ich je getrunken habe. Das Fass ist ein 3rd Fill: Nach Bourbon und anderem südamerikanischen Rum wurde in Sancti Spiritus abgefüllt. Damit wird der Einfluss des Holzes weitgehend eliminiert. Der Geschmack ist Zuckerrohr pur. Terroirstilistik. Gibt es das Wort bei Rum?

Ein solcher Rum schreit nach El Presidente – schreibt Torben. Ich rufe zurück: Noch besser – ein Dead Presidente, wie ihn Klaus St. Rainer bei Mixology TV vorstellte.

Dead Presidente & Compagnie des Indes

Dead Presidente & Compagnie des Indes (morbide Lichtgestaltung)

Dead Presidente (by Klaus St. Rainer, Goldene Bar, München)

5 cl Compagnie des Indes Sancti Spiritus 16yo
2 cl Noilly Prat Dry
1cl Granatapfelmolasse

Stir – Strain – Orangenzeste ohne Drop (ersatzweise Orange Bitters).

Das Ergebnis ist ein dunkler und voller Cocktail irgendwo zwischen Old Fashioned und Rum Manhattan. Teer und Rauch. Die Apfeltöne des Sancti Spiritus wird durch die Granatapfeltöne perfekt unterstützt. Wermut und Molassegrenadine balancieren zwischen Schwere und Leichtigkeit. Leicht rauchig im Abgang. Fantastisch. Probieren.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt Daniel Klingenbrunn auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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