Paul Bara Spécial Club – übers Reifen und über Farben

Wer Champagner mag, dürfte die Spécial Clubs lieben. Eigenständige und spannende Weine von guten Produzenten. Preislich nie das Limit sprengend, zu großen Teilen aber nicht so gut zu bekommen. Bedauerlich.
Das hält uns nicht davon ab, die Abfüllungen, die man bekommen kann, zu trinken. Siehe hier. Oder hier. Oder hier.

Heute geht es gleich um zwei Spécial Clubs. Beide von Paul Bara, einem meiner liebsten Weingüter. Aus Bouzy stammend, mit fantastischen Pinot Noirs im Portfolio. Jeder Champagner des Hauses ist hervorragend. Dazu kommt ein äußerst attraktives Preis/Genuss-Verhältnis. Von der Qualität des jahrgangslosen Rosés träumen andere Häuser – deren Champagner dafür aber glücklicherweise deutlich teurer sind…

Dementsprechend gespannt war ich, als ich eine Flasche vom Spécial Club Rosé 2008 in die Hände bekam. Bei einer unserer Schaumweinrunden haben wir sie geöffnet – in Begleitung eines deutlich länger gereiften Spécial Club 2000 aus selbem Hause.

Erst Verkostungsnotizen – dann Rückschlüsse.

Paul Bara Spécial Club 2000

Paul Bara Spécial Club 2000

Paul Bara Spécial Club 2000
70 % Pinot Noir, 30 % Chardonnay
Nase:
Ganz klar Pinot Noir! Prototypisch. Dunkel – präsent – fett. Elegante Hefe. Äußerst einladend mit ersten Reifetönen im Hintergrund.
Gaumen:
Etwas Traubenzucker, die Fruchtsüße reifer Pinots ist zu Beginn sehr präsent. Die Kohlensäure ist optimal, fein und elegant und ohne die vorderste Position einzunehmen.
Ein runder Champagner, ausgeformt und fertig. Sollte jetzt getrunken werden. Mit Zeit gesellen sich zur Pinot-Frucht Rösttöne, die immer kräftiger werden und den Champagner sehr gut abrunden.
Der Champagner wird mit Sauerstoffkontakt immer stärker.

Insgesamt ein sehr gelungener und fertiger Champagner.

Paul Bara Spécial Club Rosé 2008

Paul Bara Spécial Club Rosé 2008

Paul Bara Spécial Club Rosé 2008
70 % Pinot Noir (davon 8 % Bouzy Rouge), 30 % Chardonnay
Nase:
Wow. Ganz viel ist da, bereits direkt nach dem Einschenken. Extrem elegante Frucht, die jedes Rosé-Klischee elegant umschifft. Trotzdem ist Beerenfrucht da, aber eher Blaubeere mit Mascarpone und Butter. Keine kitschigen Erdbeeren – und trotzdem klar ein Rosé. Beeindruckend.
Kein Aroma sticht klar hervor, der Wein ist sehr homogen und jung.
Gaumen:
Ganz tolle Süße-Säure-Balance. Extrem fein komponiert, Butter, Grapefruit, Floralität.
Feines Zitrönchen, Lemon Curd, erstaunlich komplett in der Aromatik, erneut fällt es schwer, einzelne Aromen klar herauszugreifen. Der Champagner macht Durst auf das nächste Glas. Erneut, wie in der Nase, sehr rosé, aber frei von Erdbeer-Himbeer-Einerlei. Aus der Gewürzkiste kommen Nelke und Piment dazu, die für Komplexität sorgen. Bienenwachs und Honig, mit der Zeit der Duft von Kräutern der Garrigue. Ein Champagner mit toller Konzentration.

Zwei hervorragende Champagner. Und doch ein gewisser Klassenunterschied, der primär im Jahr liegen dürfte. Bei diesem Vergleich wird deutlich, dass 2008 das deutlich stärkere Jahr war. 2000 ist ein Stück weit ausgereift und wird vermutlich nicht mehr besser. Ist aber dennoch ein toller Champagner, wir sind hier auf einem extrem hohen Niveau unterwegs.
Aber das Bessere ist bekanntermaßen des Guten Feind und der 2008er Spécial Club Rosé ist ein Ausnahmechampagner. Da hat es der sehr gute 2000er Spécial Club einfach schwer.

Lohnenswert sind beide Weine. Lagerpotential haben sie sowieso, aber gerade der 2008er macht aktuell extrem viel Spaß. Der Nachfolger des 2000ers ist der – vermutlich etwas stärkere – 2004er. Ihr bekommt beide für 58 bzw. 79 € bei Champagne Characters. Schlagt zu – und nehmt noch Paul Baras Basisweine für die nächste Familienfeierlichkeit mit. Damit habt ihr Champagner, der euch Freude macht, aber auch die Großmutter nicht verschreckt! Ich zumindest würde auf ein Glas vorbeikommen 😉

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

Dead Presidente & Compagnie des Indes

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