Wasserlöcher, Äpfel und Baobab – Die Geschichte hinter Elephant Gin

Etwa anderthalb Jahre ist Elephant Gin auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Gin hat einige gute Rezensionen erhalten, was den Geschmack pur und im Gin Tonic angeht. Uns hat die Geschichte dahinter interessiert. Denn seien wir mal ehrlich: Elefanten! Spenden! Afrikanische Botanicals! Äpfel aus dem alten Land! Kann solch ein Auftritt authentisch sein? Wir haben festgestellt: Es kann!

Robin Gerlach

Hinter Elephant Gin stehen Robin Gerlach und Tessa Winkler. Wir haben uns mit Robin getroffen, damit wir mehr über die Geschichte des Gins erfahren. Die wichtigste Frage war natürlich: Was war zuerst: der Gin oder der Elefant? Robin erzählt uns, dass beide bereits viel Zeit in Afrika verbracht und auch dort schon Kontakt mit den Stiftungen hatten. Der Big Life Foundation, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Elefanten vor Wilderern zu schützen. Dazu sei der Einsatz von Rangern, die Katalogisierung der Elefanten, den Kontakt mit den Massai an der Grenze zwischen Kenia und Tansania von herausragender Bedeutung – „megawichtig“, wie uns Robin Gerlach mehrfach versichert. Und der Space for Elephants Foundation, die versucht, die natürlichen Wanderwege der Elefanten zu erhalten und wieder zu öffnen, sowie die lokale Jugend für den Artenschutz zu sensibilisieren. 15% des Gewinns gehen an die Stiftungen. Dabei sei die Kooperation anfänglich auch von Missverständnissen geprägt gewesen. Am Anfang hätte man noch die genauen Aufenthaltsorte der Elefanten, die den Batches ihre Namen geben, verraten. Die Stiftung war entsetzt: Wilderer hätten so leichtes Spiel. Mittlerweile sei man vorsichtiger.

DSC_0626Auf die Idee mit dem Gin war man gekommen, als Robin und Tessa gemeinsam in London lebten und dort  die Gin-Renaissance auf Hochtouren lief. Außerdem eignet sich Gin Tonic auch in Afrika ausgezeichnet als „Sundowner“. Also beschloss man Ende 2013, einen eigenen Gin zu produzieren, um auf die Arbeit vor Ort aufmerksam zu machen. Als Quereinsteiger sei dies viel Bücherlesen und „Learning by Doing“ bzw. „Gemansche zu Hause“ gewesen. Einige Londoner Bartender und das Team um Sipsmith unterstützten die beiden Gründer. Von der Idee, afrikanische Kräuter zu verwenden, rieten die meisten aber ab. Zu unberechenbar.

Einen Produzenten fand man in Gut Schwechow, etwa 100 km östlich von Hamburg im mecklenburgischen Elbetal. Dessen Inhaber, Richard Hartinger, ist nicht nur Gründer des RiHa-Fruchtsaftunternehmens, sondern auch Besitzer von diversen Hektar Apfelplantagen. So gelangte der Apfel ins Destillat.

DSC_0628Bleibt noch die Frage nach den anderen 13 Botanicals. „Wir haben die Leute vor Ort gefragt, welche Kräuter sie häufig benutzen“. So gelangen Teufelskralle (auch Bestandteil von Angostura Bitters), Buchu, Lion’s Tail, Afrikanischer Wermut und die Früchte des Affenbrotbaums (Baobab) in den Gin. Buchu, das nach Minze und schwarze Johannisbeere schmeckt, wird in Südafrika als Tee getrunken oder in Brandy infusioniert. Ein anderes vorgeschlagenes Kraut hat man lieber weggelassen – es hätte halluzinogene Wirkung gehabt. Dann bleibt da noch die Latschenkiefer. Frische Latschenkiefer führt zu einem zitrigen, leicht harzigen Aroma – und sorgt so mit dafür, dass keine Zitronenschale mitdestilliert werden muss. Dieses aus Österreich bezogene Botanical machte am meisten Ärger – heftiger Schneefall sorgte letzten Winter für eine schwierige Ernte.

Elephant merkt man die vielen Geschichtchen und Unvorhersehbarkeiten an, die hinter diesem Produkt stehen. So einen Gin würde man nicht auf dem Reißbrett entwerfen. Diese Vielfalt an Möglichkeiten wirft die Frage nach der Zukunft auf: Wo soll es hingehen mit Elephant? „Wir wollen nicht der fünfzigste Gin im Backboard“ sein, so Robin Gerlach. Der Weg soll in ausgewählte Bars und zu hochwertigen Cocktails gehen. Foodpairing ist ebenfalls ein Fokus. Die beste Bar sei aber die Hausbar. Gerade für den Zweck des Mixens steht auch schon ein neues Produkt in den Startlöchern: Elephant Sloe Gin, der noch 2015 starten soll: Mit 35% und weniger süß als die Mitbewerber. Wir bleiben gespannt.

Diverse Elefanten

Diverse Elefanten

tikiwise

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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